32 Mannschaften treten bei der Fußball-Weltmeisterschaft an. Für jede hat ein Redakteur oder Autor von ZEIT ONLINE oder DIE ZEIT die Patenschaft übernommen. Unsere WM-Paten begleiten ihr Team durchs Turnier und schreiben persönliche Spielberichte. Vor dem Anpfiff haben sie ihre Jungs porträtiert. Hier: Dänemark.

Wer in Kopenhagen in einem dieser unverschämt gemütlichen Designkatalog-Cafés sitzt, nach draußen schaut und die Dänen entspannt auf Radfahrwegen ohne Stress und Nahtoderlebnisse durch den Feierabendverkehr treten sieht, der möchte sofort auswandern, oder doch wenigstens mindestens ein Sabbatical in Dänemark verbringen. Hygge, überall Hygge. Diese dänische Art der Gemütlichkeit, die die Dänen regelmäßig zu einem der glücklichsten Völker macht. Das gute Leben! Die Wärme! Das Design! Man vergisst darüber gern den winzigen 6-Euro-Cappuccino, das oft doch ausbaufähige Wetter und sonstige Nichtigkeiten des Alltags. Man möchte einfach nichts Schlechtes sagen über diese Dänen.

Nicht einlullen lassen sollte man sich aber von diesem ganzen Gehygge, wenn es um Fußball geht. Die Dänen erfüllen auf dem Fußballplatz durchaus das eine oder andere skandinavische Klischee: Wenn es um die Nationalmannschaft geht, fallen Attribute wie Kraft, Größe, Wille. Hygge is nich auf dem Platz. Das Team des norwegischen Trainers Åge Hareide ist organisiert, kann nicht nur Kick and Rush, steht aber auch nicht unbedingt für die allerfeinste Spielkultur.

Aber sie haben ja noch Christian Eriksen, ihren Star. Der offensive Mittelfeldspieler von Tottenham Hotspur schoss im Play-off-Spiel gegen Irland drei Tore; er macht den Unterschied zwischen einer ganz guten Mannschaft und einem Team, dem man zutraut, hinter Frankreich Gruppenzweiter zu werden und in die Hauptrunde einzuziehen. Eriksens Marktwert liegt derzeit bei 80 Millionen Euro.

Die Dänen, das Kollektiv? So ganz stimmt es eben nicht. Denn neben Eriksen gibt es da auch noch Pione Sisto. Der 23-Jährige stürmt in Spanien bei Celta Vigo, war schon vor vier Jahren Spieler des Jahres in Dänemark und, wie das im Profisport so ist, wurde mit Titeln wie "Wunderkind" bedacht und seitdem immer wieder mit Eriksen verglichen. Sisto wird Eriksen bei dieser WM wohl nicht ersetzen, aber gemütlich machen können es sich Dänemarks Gegner nicht.

Und dann gibt es ja noch die Legende von 1992. Da waren die Dänen bei der EM-Qualifikation schon ausgeschieden, rückten aber nach, weil im ehemaligen Jugoslawien der Krieg ausbrach – und gewannen aus der Sommerfrische kommend ihren einzigen Titel. Ganz gemütlich.

Warum wird Dänemark Weltmeister?

Weil sie wissen, wann es drauf ankommt. Das entscheidende Play-off-Spiel gewannen sie im eigenen Stadion gegen Irland mit 5:1.

Warum vielleicht doch nicht?

Der Spitzname des Teams "Danish Dynamite". So schön die Geschichte rund um den EM-Titel 1992 ist, die die Grundlage des Spitznamens ist – mit so einem Namen wird 2018 niemand Weltmeister.

Wer kommt ganz groß raus?

Die Roligans, die dänischen Fans, die ihr Team laut, aber entspannt und gut gelaunt unterstützen. Rolig ist das dänische Wort für "ruhig", es ist der Gegenentwurf zu Hooligans. Kann bei der WM in Russland als Kontrast in den Fankurven ganz sicher nicht schaden.