Titelverteidiger Deutschland hat das letzte Vorrundenspiel der Gruppe F gegen Südkorea mit 0:2 (0:0) verloren. Damit ist das DFB-Team erstmals in der Geschichte bei einer Weltmeisterschaft in der Vorrunde ausgeschieden.

Kim Young Gwon (90.+2) und Son Heung Min (90.+6) besiegelten die Niederlage mit ihren Treffern in der Nachspielzeit. Weil Schweden parallel gegen Mexiko mit 3:0 gewann, hätte nicht einmal ein Unentschieden für ein Weiterkommen der deutschen Mannschaft gereicht. Das behäbig agierende Team von Bundestrainer Joachim Löw fiel mit drei Punkten sogar noch hinter die Südkoreaner auf den letzten Platz der Gruppe F zurück. Schweden und Mexiko (je sechs) sind im Achtelfinale.

Vier Jahre nach dem Triumph von Rio ist damit nach nur zehn Turniertagen die Titelverteidigung gescheitert. Schon am Donnerstag geht es zurück nach Deutschland, wo ab sofort auch die Zukunft von Weltmeistercoach Löw diskutiert werden dürfte.

Nach dem so wichtigen Last-minute-Coup gegen Schweden hatte Löw seine WM-Rotation fortgesetzt. Fünf Wechsel nahm er vor. Diesmal traf es zunächst auch Thomas Müller. Sein künftiger Münchner Kollege Leon Goretzka kam für den je fünfmaligen WM-Torschützen der Jahre 2010 und 2014 zu seiner Turnierpremiere, hatte aber große Probleme, seine Rolle auf der rechten Seite zu finden. Auch Niklas Süle, der in der Innenverteidigung neben Rückkehrer Mats Hummels den gesperrten Jérôme Boateng vertrat, kam zu seinem ersten WM-Spiel. Die gegen Schweden aussortierten Mesut Özil und Sami Khedira durften im Mittelfeld wieder spielen. Löws Signal: Der Konkurrenzkampf wird hochgehalten. Aber: Der Effekt blieb aus.

Kein Schwung in der Offensive

Eine lange Abtastphase beider Teams brachte vor allem Zeitlupenfußball im Mittelfeld. Schwerfällig und behäbig war der Aufbau. Ungenaue Pässe und Flanken, zu wenig Bewegung: So kam das Offensivspiel nicht in Schwung.

Zum Abschluss kamen die Südkoreaner. Torwart Manuel Neuer hatte bei einem Freistoß von Jung Woo Young (19.) große Fangprobleme, rettete dann aber selbst mit wuchtigem Einsatz vor Son Heung Min. Der Stürmerstar von Tottenham Hotspur kam kurz darauf zu einem Volleyschuss (25.).

Die Hitze in Kasan konnte dem DFB-Team nicht als Ausrede dienen. Das deutsche Spiel plätscherte langsam dahin. Neben der fehlenden Dynamik gab es auch ein taktisches Manko. Wenn der noch recht agile Timo Werner immer wieder auf die Flügel auswich, fehlte eine Anspielmöglichkeit im Angriffszentrum. WM-Rekordtorschütze und Löw-Assistent Miroslav Klose sah es auf der Tribüne neben Boateng mit Sorge. Als Werner (43.) dann endlich einmal zum Abschluss kam und den Pfosten traf, hätte ein Tor wegen eines Foulspiels von Jonas Hector ohnehin nicht gezählt. Zur Halbzeit gab es Pfiffe aus dem deutschen Fanblock.

Die große Chance zur Führung bot sich Goretzka (47.). Sein Kopfball wurde von Südkoreas Schlussmann Jo Hyeon Woo glänzend pariert. Kurz nach der Führung der Schweden gegen Mexiko in Jekaterinburg vergab Werner eine weitere Großchance. Nun wurde der Druck immer größer. Löw reagierte und brachte Stoßstürmer Gómez für den so enttäuschenden Khedira.

Auch Müller (63.) wurde noch eingewechselt. Das zweite schwedische Tor machte die Ausgangslage leichter. Nun fehlte wieder nur ein Tor, um den K. o. abzuwenden. Gómez hatte bei einem Kopfball (68.) eine gute Chance, kurz darauf traf er den Ball vor dem Tor nicht richtig. Es fehlte die Körpersprache, das Aufbäumen. Das waren nur noch Verzweiflungsaktionen. Nur Mats Hummels rüttelte immer wieder auf und hatte per Kopfball die Chance zum Lucky Punch (87.). Ohne Erfolg. Kim und Son waren für Südkorea erfolgreicher und schossen Deutschland mit ihren Toren aus der WM.