Der serbische Fußballverband hat sich in einem offiziellen Brief bei der Fifa über den deutschen Schiedsrichter Felix Brych und seine Assistenten beschwert. Nach seinen geschmacklosen Aussagen nach dem Spiel gegen die Schweiz muss sich jedoch auch Serbiens Trainer Mladen Krstajić beim Weltverband verantworten.

Brych hatte in der 66. Minute nach einem Zweikampf im Strafraum auf Stürmerfoul gegen Serbien und nicht auf Elfmeter entschieden. "Zahlreiche Berichte der Weltmedien und besonders die Videoaufnahmen aller umstrittenen Situationen im Laufe des Spiels belegen die Tatsache, dass wir in diesem Match schweren Schaden erlitten haben", begründete der serbische Verband seinen Schritt. "Uns ist unklar, wie ein deutscher Schiedsrichter überhaupt für ein Spiel zwischen der Schweiz und Serbien ausgesucht werden kann, wenn es allgemein bekannt ist, dass einer der föderalen Schweizer Kantone ein deutscher Kanton ist", heißt es in dem Protestbrief weiter.

Die Protestnote des Verbands dürfte jedoch keine direkten Konsequenzen haben. Mehrere Verbände hatten sich während dieser WM schon schriftlich über eine Schiedsrichterleistung beklagt. Aus Sicht des deutschen Schiedsrichterchefs Lutz Michael Fröhlich war Brychs Entscheidung durchaus vertretbar und "keinesfalls krass falsch, sodass ein Videoassistent eingreifen müsste", sagte Fröhlich.

Nach der 1:2-Niederlage gegen die Schweiz hatte Serbiens Trainer Krstajić über Brych gesagt: "Ich würde ihn nach Den Haag schicken, damit man ihm den Prozess macht, so wie man uns den Prozess gemacht hat". Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat zahlreiche Serben wegen schwerster Verbrechen während der Kriege im ehemaligen Jugoslawien verurteilt. Die Fifa leitete deshalb eine Voruntersuchung gegen den Trainer ein.

Politischer Torjubel hat Konsequenzen

Die Fifa eröffnete zudem jeweils ein Disziplinarverfahren gegen die Schweizer Nationalspieler Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri. Die beiden Profis müssen sich wegen ihrer Torjubel beim Sieg über Serbien verantworten, teilte die Fifa mit.

Die ehemaligen Bundesligaspieler haben kosovarische Wurzeln und formten nach ihren Treffern mit den Händen den doppelköpfigen Adler, der auf der Flagge Albaniens abgebildet ist. Serbien erkennt das albanischsprachige Kosovo nach wie vor nicht als eigenständiges Land an, was den Jubelgesten eine politische Dimension gibt.

Der Schweizer Verbandspräsident Peter Gilliéron geht nicht davon aus, dass Xhaka und Shaqiri im letzten WM-Gruppenspiel gegen Costa Rica am Mittwoch fehlen werden. "Eine Sperre wäre ein Hammerschlag", sagte Gilliéron. Der Verband stellte sich auch offiziell vor die Spieler. Schon vor Bekanntgabe des Disziplinarverfahrens hatte der Schweizer Generalsekretär Alex Miescher am Samstag um Verständnis gebeten. "Es gibt durchaus Momente von großer Emotionalität, in denen Fußballfunktionäre oder Medienschaffende sich nicht wirklich vorstellen können, wie sich derart heftig provozierte Spieler fühlen, zumal in einem Spiel mit dieser Dramaturgie."