32 Mannschaften treten bei der Fußballweltmeisterschaft an. Für jede hat eine Redakteurin oder ein Autor von ZEIT ONLINE oder DIE ZEIT die Patenschaft übernommen. Unsere WM-Paten begleiten ihr Team durchs Turnier und schreiben persönliche Spielberichte.

"Arabi?" Der Kellner im Café Infiniti in der Berliner Sonnenallee schaut irritiert und ein wenig enttäuscht, nachdem ich meine Bestellung auf Deutsch aufgegeben habe. Es ist nicht das erste Mal, dass ich in Neukölln an meine mangelnden Arabischkenntnisse erinnert werde.

Irgendwo in einer staubigen Kiste im Keller meines Vaters liegt eine VHS-Kassette aus sprachlich besseren Zeiten. Sie zeigt, wie ich als Kleinkind im besten Arabisch über die Leistung der Papierflieger prahle, die ich aus dem Fenster unserer Wohnung im Kairoer Stadtteil Heliopolis gleiten ließ. 20 Jahre nach meiner Rückkehr nach Deutschland reicht mein Arabisch nicht mehr aus, um Tee zu bestellen. Aber aus den Fernseherlautsprechern an der Wand des Infiniti ertönt immer und immer wieder ein Ausdruck, den ich verstehe: Inshallah, "so Gott will".

Die Expertenrunde des arabischen Senders erhofft sich eine halbe Stunde vor dem Spiel der Ägypter gegen Uruguay göttlichen Beistand, weil Mohamed Salah nicht in der Startformation steht. Der Starspieler der Pharaonen, so wird die ägyptische Mannschaft genannt, hat sich noch nicht von seiner Verletzung im Champions-League-Finale erholt. Ohne ihren einzigen Weltklassespieler haben die Ägypter dem Gruppenfavoriten, zumindest auf dem Papier, wenig entgegenzusetzen.

Da hilft nur beten

Uruguay stellt vier Hochkaräter auf: Edinson Cavani von Paris Saint-Germain und Luis Suárez vom FC Barcelona bilden womöglich den besten Sturm aller WM-Teilnehmer. Die Innenverteidiger José Giménez und Diego Godín spielen bei Atlético Madrid, einem der defensivstärksten Teams in Europa. Da hilft wirklich nur beten.

"Arabi?" Diesmal fragt ein Mann, der gerade das Café betreten hat. Sein Polohemd hat die Farben des ägyptischen Trikots, dazu hat er eine Kameraausrüstung dabei, die für einen Spielfilmdreh reichen würde. "Nein, tut mir leid", antworte ich. Doch der Gast ist nicht enttäuscht. "Can I sit?", fragt er mit leuchtenden Augen.

Hamdy kommt aus Alexandria und ist in Deutschland nur auf der Durchreise. In zwei Wochen fliegt er für das Halbfinale nach Moskau, Berlin ist nach Dubai sein zweiter Zwischenstopp. Er freut sich diebisch, dass er das Spiel seiner Nationalmannschaft mit einem waschechten Deutschen schauen kann. "Alle anderen hier sprechen Arabisch", sagt er kopfschüttelnd, während er sein Handy zückt. Er will ein Selfie von uns machen. Für seine Freunde, die wie er allesamt Fans des FC Bayern München sind.

"Yallah", ruft Hamdy, als die Mannschaften endlich auflaufen, "auf geht's!" Sein Optimismus ist ansteckend. Über weite Strecken des Spiels macht sich Ägypten bestens. Das aggressive Pressing hindert Uruguay am Spielaufbau. Die solide Defensivtaktik des argentinischen Trainers Héctor Cúper stoppt sogar die Stürmerstars des Gegners.