32 Mannschaften treten bei der Fußballweltmeisterschaft an. Für jede hat eine Redakteurin oder ein Autor von ZEIT ONLINE oder DIE ZEIT die Patenschaft übernommen. Unsere WM-Paten begleiten ihr Team durchs Turnier und schreiben persönliche Spielberichte.

Island – Kroatien 1:2

Es gab mal eine deutsche Nationalmannschaft, in der spielten vor allem Wörns', Nowotnys, Schneiders, Friedrichs, Baumanns und Ernsts. Und die spielten furchtbaren Fußball. Bei der EM 2004 in Portugal zum Beispiel scheiterte das Team von Rudi Völler schon in der Gruppe D. Und das nicht nur gegen den Erzrivalen aus Holland, sondern auch gegen ein tschechisches B-Team. Die Überraschungsmannschaft des Turniers schonte im letzten Spiel gegen Deutschland alle Stars. Deutschland verlor in Lissabon trotzdem mit 1:2.

Was das mit Island zu tun hat? Ja, Deutschlands zweitliebstes Team, Island, erlitt dasselbe Schicksal. Auch sie spielten am letzten Spieltag der Gruppe D gegen das Überraschungsteam des Turniers, die starken Kroaten. Auch sie hatten das Glück, dass der Gegner sicher in der K.-o.-Runde eingecheckt hatte und fast alle Stars schonte. Torwart und Viererkette waren komplett neu aufgestellt, nur Luka Modrić und Ivan Perišić blieben in der Startelf.

Trotzdem verloren die Isländer mit 1:2. Was besonders bitter ist: Nigeria und Argentinien hatten im Parallelspiel die perfekte Ergebnisvorlage geliefert. Ein lumpiger Sieg hätte den Isländern zum Weiterkommen gereicht.

Dass es den nicht gab, lag vor allem am Reservetorhüter Lovre Kalinić vom belgischen Club KAA Gent. Er stand einem erneuten isländischen Fußballwunder im Weg. Mehrfach hielt der Torhüter stark gegen die verzweifelten Bemühungen der Isländer. Kurz vor der Halbzeit zunächst per Fußabwehr gegen Birkir Bjarnason, danach kratzte er einen Ball von Aron Gunnarsson aus dem Winkel. Ein anderer Kopfball der Isländer ging an die Latte.

Aber es waren vor allem die Nordeuropäer höchstselbst. Alfreð Finnbogason und Bjarnason verdienten sich bei aller Mühe den Spitznamen Vorbeischosson. Kein Wunder, dass das zwischenzeitliche 1:1 einem Elfmeter entsprang.

Was manchen Island-Fan auch enttäuscht haben wird: Die Wikinger spielten nicht wie ebensolche. Gegen die Kroaten fehlte manchem Isländer die Härte, ausufernde Ballstafetten des Gegners eher zu unterbinden. Isländische Krieger, also die mit Stutzen und Eisspray, tragen nicht mehr den Beinamen "der Schreckliche", sondern "Beau" und "hottester Fußballer ever".

Aber hey: Eine kleine Nation mit 350.000 Einwohnern hätte fast das große Argentinien rausgeworfen und wohl die Nationalmannschaftskarriere von Lionel Messi beendet. Zur Erinnerung: Alle Einwohner Islands ließen sich etwa 39-mal in Buenos Aires einquartieren.

Gegen Kroatiens B-Elf spielten sie hundertmal besser als die deutsche Kirmestruppe damals gegen die Tschechen. Und die Isländer hinterließen auch in Russland kulturelle und gesellschaftspolitische Fußabdrücke. Iranische Fans, so klang es gegen Portugal zumindest, kopierten den isländischen Huh-Gesang. Rúrik Gíslason, der auf Frisur und Wangenknochen reduziert wurde, bewies, dass Sexismus keine Einbahnstraße ist.

Auf der Tribüne lächelten Tausende lebensfrohe Menschen in den blauen Nationalfarben. Selbst als sie nach dem 1:2 der Kroaten in der Nachspielzeit ein paar Tränen vergossen, wirkten sie glücklich und zufrieden.

Das konnten sie auch sein. Denn die WM wird Island mehr vermissen als Island die WM.

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