Karl-Heinz Rummenigge hatte unrecht. "Fußball ist keine Mathematik", sagte er 2007 in Richtung des damaligen Bayern-Trainers Ottmar Hitzfeld. Elf Jahre später ist die Gruppe F die schwierigste Matheaufgabe der Fußballweltmeisterschaft. Alle vier Mannschaften könnten am letzten Spieltag noch das Achtelfinale erreichen. Wie komplex das ist: Korea gewinnt gegen Deutschland mit 3:2 und Schweden verliert gegen Mexiko mit 1:3, Deutschland wäre raus. Verliert Schweden jedoch 2:3, ist Deutschland auch bei einer 2:3-Niederlage weiter.

Fußball-WM 2018 : Kommt Deutschland weiter?

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Der Rechenweg zum Weiterkommen: Bei Punktgleichheit entscheidet zunächst die Tordifferenz, dann die erzielten Tore in allen Gruppenspielen. Schneiden zwei oder mehr Teams gleich ab, werden zuerst die Direktbegegnungen auf Punkte, Tordifferenz und erzielte Tore ausgewertet. Bei Gleichheit auf sämtlichen Ebenen entscheidet zunächst die Fairplay-Wertung und schließlich das Los. Es wäre die historischste Form der Entscheidungsfindung. Bei einer WM-Endrunde hat das Los nie über das Weiterkommen oder Ausscheiden in der Gruppenphase entschieden.

Wer zuerst gezogen wird, kommt weiter

Ist die deutsche Mannschaft betroffen, würde der Losentscheid im Spartak-Stadion in Moskau stattfinden. Kurz nach Abpfiff, gegen 18 Uhr, soll dort in einem Raum, in dem sonst Pressekonferenzen gehalten werden, die Auslosung  beginnen. Zwei Kugeln befinden sich dann im Lostopf. Wer zuerst gezogen wird, kommt weiter.

Der spektakulärste Losentscheid ereignete sich bei der Europameisterschaft 1968 in Italien beim Spiel zwischen dem Gastgeber und der Sowjetunion, das nach 120 Minuten 0:0 endete. Hier wurde der Münzwurf bemüht, um den Finalteilnehmer zu küren. Was erst im Mittelkreis geschehen sollte, wurde dann auf Geheiß der italienischen und sowjetischen Verantwortlichen in die Schiedsrichterkabine verlagert. Dort fand die Auslosung im Beisein der Verbandspräsidenten statt, die Mannschaftskapitäne warteten vor der Tür.

Der erste Testwurf fiel für die Sowjets, der zweite und offizielle für die Italiener, die nach zwei Finalbegegnungen gegen Jugoslawien Europameister wurden. Wer das damalige Vorgehen für kompliziert hält, denke an das Viertelfinale der Coppa Italia im Jahr 1960 zwischen Atalanta Bergamo und Juventus Turin. Da war das Elfmeterschießen auf nationaler Ebene bereits eingeführt worden, doch als jeweils fünf Schützen angetreten waren und es immer noch Remis stand, wurde nicht einfach im Sudden Death weitergeschossen, sondern gelost.

Die chaotische 68er-EM hatte aber auch ihr Gutes. Kurz darauf wurde das Elfmeterschießen bei internationalen Turnieren eingeführt, erstmals getestet im Jahr 1976. Die Tschechoslowakei gewann den Titel im Elfmeterschießen gegen Deutschland, weil Uli Hoeneß in den berühmten Nachthimmel von Belgrad schoss.

Den Losentscheid gab es in abgeschwächten Fällen auch bei drei Weltmeisterschaften. Allerdings ging es dabei nur um die Platzierung in der Gruppe, nicht um das Weiterkommen.

1954 in der Schweiz

Bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz kam es gleich zweimal zum Losentscheid. Jugoslawien wurde vor Brasilien Gruppensieger, nachdem sich die beiden Teams im direkten Vergleich mit 1:1 nach Verlängerung getrennt hatten. Im Viertelfinale mussten sich die Jugoslawen jedoch dann der deutschen Mannschaft geschlagen geben. Auch die Österreicher belegten den ersten Platz in ihrer Gruppe erst, nachdem das Los zum Nachteil Uruguays entschieden hatte.

1970 in Mexiko

Beim Turnier 1970 war Gastgeber Mexiko punkt- und tordifferenzgleich mit der Sowjetunion, die schließlich per Los den Gruppensieg errang. Heute wäre diese Konstellation kein Fall für den Losentscheid, da die Sowjetunion in den Gruppenspielen einmal mehr als Mexiko traf. Doch erst seit 1974 sind die erzielten Treffer bei gleicher Tordifferenz ausschlaggebend.

1990 in Italien

Das letzte Mal wurde der Losentscheid bei einer WM vor 28 Jahren in Italien eingesetzt. Die Niederlande spielte damals eine enttäuschende Gruppenphase und landete per Losentscheid hinter den punktgleichen Iren auf Rang drei. Als einer der besten vier Gruppendritten qualifizierten sich die Niederländer trotzdem für das Achtelfinale. Dort verloren die Niederlande gegen den späteren Weltmeister aus Deutschland mit 1:2. Ein Spiel, das durch die Spuckattacke von Frank Rijkaard auf Rudi Völler in Erinnerung bleiben sollte.

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