WM-Grafik : WM-Hauptstadt ist Gelsenkirchen

Die Geburtsorte aller 265 deutschen Fußball-WM-Teilnehmer seit 1954

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Die Kaderschmiede der deutschen Fußballnationalmannschaft heißt nicht etwa FC Bayern München, sie ist auch nicht die Jugendabteilung des VfB Stuttgart, sondern liegt im Ruhrpott. Zwölf der 265 deutschen WM-Teilnehmer seit 1954 stammen aus: Gelsenkirchen. Es wäre also falsch, der Stadt einfach nur verschrobene Pommesbuden-Mentalität oder viele Fenster mit etwas zu matten Scheiben und etwas zu schweren Gardinen zuzuschreiben. In Gelsenkirchen wird erfolgreich gepöhlt. Mit Mesut Özil, İlkay Gündogan und Manuel Neuer stellt die Stadt gleich drei aktuelle Nationalspieler, die sich berechtigte Hoffnungen auf einen Stammplatz bei der WM in Russland machen können.

Gut schneidet auch Berlin ab. In Russland sollen die gebürtigen Hauptstädter Jérôme Boateng und Antonio Rüdiger zusammen mit ihren Kollegen in der Verteidigung für möglichst wenig Gegentore sorgen. Insgesamt wurden elf Spieler, die seit 1954 für deutsche WM-Kader nominiert waren, in Berlin geboren – darunter die Titelträger von 1990 Thomas Häßler und Guido Buchwald.

Warum gerade das Jahr 1954 als Referenz für diese Deutschlandkarte dient? Zuvor waren die Nationalmannschaften der BRD und der DDR keine FIFA-Mitglieder, weswegen sie auch keine Auswahl zu den Turnieren entsenden durften. 1954 nahmen die Teams beider Länder erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg an einer Fußball-WM teil, und die DFB-Elf sicherte sich ihren ersten Stern. Somit wird auch der DDR-Kader von 1974 für diese Deutschlandkarte berücksichtigt. Wenn Sie die Punkte auf der interaktiven Karte berühren, werden Ihnen die Namen der einzelnen Spieler angezeigt.

17 WM-Teilnehmer wurden außerhalb der heutigen deutschen Grenzen geboren, in Rumänien, Tschechien, Brasilien, Russland, Ghana, Bosnien und Herzegowina oder etwa in der Schweiz. Die meisten Spieler ohne deutsche Geburtsurkunde kommen aus Polen, unter ihnen sind Lukas Podolski und Miroslav Klose. Letzterer ist mit 71 Toren bis heute der erfolgreichste Stürmer in der DFB-Historie.

Im Vergleich der Bundesländer liegt Nordrhein-Westfalen mit Abstand vorn. Von dort stammen acht Kicker aus dem aktuellen WM-Kader und 85 aller Turnierteilnehmer, gefolgt von Bayern mit 33 und Baden-Württemberg mit 26 Auswahlspielern. Das Schlusslicht im Bundesländerranking bildet Schleswig-Holstein. Bisher durfte nur ein Kieler für Deutschland auflaufen, der kam aber umgehend mit einem Pokal nach Hause: 1990 noch als dritter Torwart im Einsatz, wurde Andreas Köpke später zum Stammkeeper befördert und 1996 zum Welttorhüter des Jahres gekürt.

Bei 265 WM-Teilnehmern und mehr als 11.000 Städten und Gemeinden hierzulande ist es naheliegend, dass die wenigsten einen WM-Fußballer hervorgebracht haben können. Angesichts dessen kann sich Stuttgart, wenn auch die Stadt, doch ein klein bisschen als Kaderschmiede betrachten, zumindest wenn es um das WM-Aufgebot 2018 geht: Bundestrainer Jogi Löw, selbst Baden-Württemberger, schenkt mit Sami Khedira und Timo Werner gleich zwei gebürtigen Stuttgartern sein Vertrauen.

Mitarbeit: Christopher Pietsch, Julian Stahnke