32 Mannschaften treten bei der Fußballweltmeisterschaft an. Für jede hat eine Redakteurin oder ein Autor von ZEIT ONLINE oder DIE ZEIT die Patenschaft übernommen. Unsere WM-Paten begleiten ihr Team durchs Turnier und schreiben persönliche Spielberichte. Vor dem Anpfiff haben sie ihre Jungs porträtiert. Hier: Island.

Im Pop nennt man Menschen, die einen großen Erfolg hatten, aber eben leider nur einen, One-Hit-Wonder. Diese Menschen singen dann meist ihr Leben lang Looking for Freedom, Macarena oder What is Love. Sie alle hatten diesen einen Moment, in dem ihnen zumindest ein Teil der Welt zu Füßen lag.

Bei der EM vor zwei Jahren war das Island – Außenseiter, Underdog und Überraschungsteam in einem. Als sich Island für das Turnier qualifiziert hatte, scherzten viele: Na da schau her, Trolle, Elfen, Wikinger, hihihi! Bis Europa von einem brachialemotionalen "Huh!" eingenommen wurde. Und dieses beherrschen die Isländer nun mal so gut wie Messi den Ball: diesen weltumarmenden Schlachtruf, der Teamspirit, Leidenschaft und Kampfgeist mit so viel Wumms auf den Punkt bringt wie kein anderer.

Doch was ist nun, zwei Jahre später, nachdem alle Überraschungsson-Witze gemacht worden sind, nachdem der Außenseiter nicht mehr außen steht, nachdem das Überraschungsteam bereits alle überrascht hat? Fragen Sie mal David Hasselhoff! Trotz des Erfolgs der Isländer, bei der EM erst im Viertelfinale gegen Frankreich auszuscheiden, hat man die Mannschaft etwas aus dem Blick verloren. Dabei stehen die Isländer vor ihrer ersten WM ever! Aber wird ihnen auch ein zweiter Hit gelingen? Wird die Mannschaft, immerhin auf Platz 22 der Weltrangliste, zum Who's who dieser WM 2018 gehören? Und überhaupt: Who is Huh?

In der Qualifikationsgruppe I hat das Team um den Trainer Heimir Hallgrímsson Kroatien, Ukraine, Türkei, Finnland und Kosovo hinter sich gelassen und startet als Gruppenerster in diese WM. Dort wartet am Samstag die mittelalte Vizeweltmeister-Mannschaft Argentiniens, dann Nigeria und schließlich Kroatien. Es gibt Menschen, die sagen, D sei die Todesgruppe. Es gibt aber auch Menschen, die sagen, na und? Als WM-Welpe hat man schließlich nichts zu verlieren.

Island selbst hat keine großen Stars auf dem Platz. Ein paar Namen kennt man: Gylfi Sigurðsson (FC Everton), Alfreð Finnbogason (FC Augsburg) oder der Kapitän Aron Gunnarsson (Cardiff City), insgesamt definiert sich die Mannschaft aber eher über ihren Kampfgeist und das Glück des Tüchtigen. Der Stil der Isländer auf dem Rasen ist eher solide, manchmal holprig, tendenziell gut abgehangener Abwartefußball. Sie spielen diszipliniert aus einer starken Verteidigung heraus, die Cristiano Ronaldo zum Heulen brachte. Und wenn mal was nach vorne rollt, dann ist das schön. Aber beim Fußball geht es ja nicht immer nur um Fußball, sondern manchmal auch einfach ums Gewinnen. Und das haben die Isländer in der Qualifikation ganz okay hinbekommen.

Aber ob die Isländer wieder die Herzen gewinnen? Bisschen uncool ist dieses Huh! ja schon geworden, so wie jeder Trend nach seiner Halbwertszeit in sich zusammensackt wie ein fermentierter Hai. Fragen Sie mal Martin Schulz. Aber wahrscheinlich gibt es auch 2018 immer noch genügend Menschen, die zu Despacito tanzen, als gäbe es kein Gestern. Und so wird man auch wieder die in Vergessenheit geratenen Isländer aus dem Gedächtnis kramen und denken: "Mein Gott, war das damals schön!" Im Fußball nennt man das einen Rückpass. Aber hey, wir nennen es im Notfall einfach Retro.

Warum wird Island Weltmeister?

Weil Messis Hipsterbart den Vollzeitwikingern keine Angst macht.

Warum vielleicht doch nicht?

Weil Messi sich vorher vielleicht rasiert.

Wer kommt ganz groß raus?

Isländische Wettbüros.