32 Mannschaften treten bei der Fußball-Weltmeisterschaft an. Für jede hat ein Redakteur oder Autor von ZEIT ONLINE oder DIE ZEIT die Patenschaft übernommen. Unsere WM-Paten begleiten ihr Team durchs Turnier und schreiben persönliche Spielberichte. Vor dem Anpfiff haben sie ihre Jungs porträtiert. Hier: Japan.

Es gibt nur einen Ort auf der Welt, an dem sich ein Schwabe so verstanden fühlt wie am Samstagvormittag auf dem Wertstoffhof in Stuttgart-Hedelfingen: Japan und Baden-Württemberg liegen zwar knapp 10.000 Kilometer auseinander, doch die Gemeinsamkeiten sind so groß, dass der Autor dieses Textes, ein gebürtiger Stuttgarter, nur kurz darüber nachdenken musste, welches WM-Teilnehmerland er als Pate begleitet.

Schwaben und Japaner kompensieren gewisse charakterliche Schrulligkeiten (Kehrwoche, Karaokeleidenschaft) mit einem Tüftlergeist, der dieser Welt immerhin Plastikdübel, Streichhölzer und Benzinmotoren beschert hat – aber auch den Walkman und den ersten Hochgeschwindigkeitszug der Welt.

Und weil beide, Japaner und Baden-Württemberger, früh verstanden haben, dass Vorsprung nicht nur mit Technik zu tun hat, sondern auch mit Globalisierung, ist Japan zweitwichtigster Handelspartner der südwestdeutschen Wirtschaft.

Dieser Wissenstransfer funktioniert auch im Fußball. Guido Buchwald wechselte als Deutscher Meister vom VfB Stuttgart zu den Urawa Red Diamonds in die damals noch recht frische J-League. Dafür sandte Japan ein paar Jahre später Shinji Okazaki, Gotoku Sakai und Takuma Asano nach Baden-Württemberg, die in Stuttgart teil- und zeitweise mehr als ordentlich spielten – auch wenn der ehemalige VfBler Hansi Müller ("Mit Sakai gewinnst du keinen Blumentopf") das heute anders sieht.

Sakai und Okazaki stehen auch im 23-köpfigen WM-Kader Japans – und zumindest letzterer hat gute Chancen auf einen Platz in der Startelf. Es könnte schlechtere Voraussetzungen für eine erfolgreiche WM-Teilnahme geben, als diese beiden Ex-VfBler im Team, die noch von einen dritten Ex-Stuttgarter – Asano darf als Back-up mit nach Russland fahren – unterstützt werden. Denn, bei allen Gemeinsamkeiten: Eines können Japaner von den Schwaben schon lernen: dass man sich von der Obrigkeit (sei es Stefan Mappus, sei es Robert Lewandowski) nicht alles gefallen lässt.

Mit dem BVB-Star Shinji Kagawa und Keisuke Honda (ehemals AC Mailand) kann der Trainer Akira Nishino, der selbst erst seit ein paar Wochen im Amt ist, immerhin auf mehrere Spieler mit internationalen Erfolgen zurückgreifen. Aber Polen hat Lewandowski, Senegal hat Mané und Kolumbien kürzlich gegen Frankreich gewonnen. Vielleicht entscheidet am Ende tatsächlich das eine oder andere Gramm Respektlosigkeit, ob Japan es bei seiner sechsten WM-Teilnahme zum dritten Mal in die K.O-Runde schafft. Wenn es um alles geht, sollten Okazaki und Sakai spielen.

Warum wird dieses Team Weltmeister?

Weil die Kombination aus japanischem Fleiß und schwäbischer Respektlosigkeit (Okazaki, Sakai) unschlagbar ist.

Warum vielleicht doch nicht?

Weil gegen das Gesetz der Serie (Japan bei den vergangenen Fußball-Weltmeisterschaften: Aus in der Vorrunde, Aus im Achtelfinale, Aus in der Vorrunde, Aus im Achtelfinale, Aus in der Vorrunde) selbst die oben genannten Tugenden nichts helfen.

Wer kommt ganz groß raus?

Der Instagram-Account von Takuma Asano