32 Mannschaften treten bei der Fußball-Weltmeisterschaft an. Für jede hat eine Redakteurin oder ein Autor von ZEIT ONLINE oder DIE ZEIT die Patenschaft übernommen. Unsere WM-Paten begleiten ihr Team durchs Turnier und schreiben persönliche Spielberichte. Vor dem Anpfiff haben sie ihre Jungs porträtiert. Hier: Kolumbien.

James Rodríguez will der Coolste sein. Cooler als Cristiano Ronaldo und noch cooler als er selbst bei der WM vor vier Jahren. Dort ist James (gesprochen: Chames) Torschützenkönig geworden. Mit sechs Treffern wurde er zum Shootingstar. Real Madrid hat ihn gleich nach der WM weggekauft. Mittlerweile spielt James bei den Bayern, und da spielt er wirklich und hockt nicht nur auf der Bank.

Man könnte sagen, James arbeite gerade an seiner Mythenbildung. Er eifert dabei wohl ein bisschen Ronaldo nach. James hält oft sein süßes Kind in die Kamera, das fünfjährige Mädchen ist der eigentliche Star seines Instagram-Accounts. Seit dieser Woche gibt es außerdem eine Kryptowährung, die nach James und seiner Rückennummer benannt ist: JR10. Dahinter steht eine chinesische Firma, die mit der neuen James-Währung jetzt Fanartikel verkaufen will. Das klingt jetzt alles ein bisschen abseitig, aber wer ein Weltstar in einer Nicht-ganz-Weltklasse-Mannschaft sein will, der braucht das. Der muss neben eindrucksvollen Toren auch genügend Gesprächsstoff für die Halbzeitpause produzieren.

Seine Nationalmannschaft rangiert eher im Mittelfeld der Erwartungen. Irgendwo zwischen den Favoriten und den krassen Außenseitern. Aber man kann schon ein paar Euro auf die Cafeteros, die Kaffeebauern, wetten. 30 von 35 Spielern aus dem Kader arbeiten außerhalb Kolumbiens. Man kennt sie aus München (James), Monaco (Radamel Falcao) oder Turin (Juan Cuadrado). Das Testspiel gegen Frankreich haben sie 3:2 gewonnen.

Der Trainer José Pékerman hat seinem Team viel Ehre eingebracht, als er die kolumbianische Nationalmannschaft bei der WM 2014 bis ins Viertelfinale führte. Auch wenn das nach dem Spiel schnell vergessen war, weil alle nur noch über Neymars Tränen sprachen. Kolumbiens Zuñiga war ihm ins Kreuz gesprungen, die Brasilianer liefen später ohne Neymar im Halbfinale gegen Deutschland auf und verloren.

Mit James wird es nun hoffentlich wieder in die K.-o.-Runde gehen. Bei der Auslosung der Gruppen hatten sie Glück. Polen, Senegal und Japan. Machbar. Wobei Robert Lewandowski schon angekündigt hat, dass er es James nicht so einfach machen werde. Die beiden sind Teamkollegen beim FC Bayern München und Gegner in der Vorrunde. "I remember your great goals during the last World Cup. I hope you will remember mine from Russia", twitterte Lewandowski nach der Auslosung.

Warum wird dieses Team Weltmeister?

Weil Ronaldos Verrentung in vier Wochen ansteht.

Warum vielleicht doch nicht?

Japan ist ja auch noch da.

Wer kommt ganz groß raus?

JR10, also die Währung. Ganz bestimmt. Wird ein Riesending.


In einer früheren Version des Textes stand, dass Deutschland im Finale gegen Brasilien traf. Es war natürlich das Halbfinale.