32 Mannschaften treten bei der Fußball-Weltmeisterschaft an. Für jede hat eine Redakteurin oder ein Autor von ZEIT ONLINE oder DIE ZEIT die Patenschaft übernommen. Unsere WM-Paten begleiten ihr Team durchs Turnier und schreiben persönliche Spielberichte. Vor dem Anpfiff haben sie ihre Jungs porträtiert. Hier: Kroatien.

Niemals mehr blähten sich Trikots so schön wie die rot-weißen Karos der Kroaten 1998. Als hätten sie sich noch schnell die Tischdecken aus ihren Fischrestaurants über die Schultern geworfen, stürmten sie durch die Weltmeisterschaft. Slaven Bilić, Zvonimir Soldo und natürlich Davor Šuker. Der düpierte erst im Viertelfinale die deutsche Abwehr um einen gewissen Lothar Matthäus und wurde dann Torschützenkönig der Weltmeisterschaft und damit König von Kroatien.

Das ist jetzt zwanzig Jahre her. Weil der damalige dritte Platz bei der WM bis heute der größte Erfolg der Kroaten ist, ist es nur folgerichtig, dass König Šuker noch immer amtiert. Seit sechs Jahren ist er Präsident des kroatischen Fußballverbandes und musste mit ansehen, wie die Kroaten ein ums andere Mal bei den wichtigen Turnieren scheiterten. 2000 schafften sie es gar nicht erst zur EM. 2002 verloren sie in der Vorrunde gegen Ecuador. Bei der WM 2014 versuchten sich zwei junge Brüder namens Kovač als Trainergespann, aber auch sie scheiterten so klar in der Vorrunde, dass wohl niemand auch nur eine Kuna darauf gewettet hätte, dass sie vier Jahre später Bayern München in eine neue Ära führen sollen.

Womit wir in der Gegenwart wären. Es ist nämlich so, dass in diesem Jahr das zwanzigjährige Leid zu Ende gehen könnte. Weil die Kroaten ein paar ziemlich gute Spieler mitgenommen haben nach Russland. Vielleicht wird aus einem von ihnen sogar ein würdiger Šuker-Nachfolger.

Da ist mit Mario Mandžukić der beste Stürmer, den Bayern München nicht mehr haben wollte. Neben ihm: Ante Rebić, jener unverschämte Frankfurter, der ebendiesen Bayern gerade mit zwei Toren im Finale den ihnen doch zustehenden DFB-Pokal gestohlen hat. Dahinter: Luka Modrić, Spitzname Pony, der elegantere Bruder von Toni Kroos bei Real Madrid. Dazu kommt noch Ivan Rakitić aus Barcelona, der gerne mal per Freistoß "die Spinnweben weg macht", was Kroatisch ist für: den Ball in den Winkel hämmern.

Leider auch kroatisch: Sowohl der heutige Star Modrić als auch der alte König Šuker scheinen jene Unsitten zu pflegen, für die die Länder des Balkans doch eigentlich bittebitte nicht mehr berüchtigt sein sollten. Šuker ließ sich einst vor dem Grab des faschistischen Diktators Ante Pavelić fotografieren, was die vielen knallharten Nationalisten freute. Und Modrić soll im Prozess um den mittlerweile wegen Unterschlagung verurteilten Fußballboss Zdravko Mamić falsch ausgesagt haben. Es wird wirklich höchste Zeit für sportliche Schlagzeilen.

Warum wird Kroatien Weltmeister?

Weil sie einen offenbar sehr netten Trainer haben (Zlatko Dalić), der sagt: "Ich lege großen Wert auf ein gutes Verhältnis zu meinen Spielern und will ihnen meine vollständige Unterstützung vermitteln – auch wenn das nicht unbedingt überall empfohlen wird."

Warum vielleicht nicht?

Weil sie einen sehr netten Trainer haben und das nicht unbedingt überall empfohlen wird.

Wer kommt ganz groß raus?

Dominik Livaković. Der dritte Torwart spielt als einziger noch in der offenbar nicht so schönen kroatischen Liga. Wünschen wir ihm, dass er da auch mal rauskommt. Muss ja nicht groß sein.