Es ist eine Diskussion, die in Bars geführt wird. In Medien. Unter Fans. Unter Spielern. Wer ist der größte Sportler in seiner Sportart? Oft werden dabei Athleten aus verschiedenen Zeiten verglichen. Wer ist der bessere Fußballer: Pelé oder Messi? Wer ist der bessere Tennisspieler: Boris Becker oder Roger Federer?

Ein Vergleich ist besonders dann schwer, wenn die Spieler nie gegeneinander angetreten sind. Aber genau das macht die Diskussion so reizvoll. So wie bei den Basketballern LeBron James und Michael Jordan. Jordan beendete seine NBA-Karriere nach der Saison 2002/2003. James kam 2003/2004 in die beste Basketball-Liga der Welt. In den USA und eigentlich auf der ganzen Welt wird gerade darüber gestritten, wer von den beiden der GOAT ist. Das steht in diesem Fall nicht für Ziege, sondern für Greatest Of All Time – also der Größte aller Zeiten.

Die Diskussion wird deshalb so heftig geführt, weil LeBron James sein Team, die Cleveland Cavaliers, trotz Außenseiterchancen im Alleingang in die Finalserie der NBA geführt hat. Und das mit 33 Jahren. In diesem Alter werden Basketball-Profis in der Regel langsamer, die Sprungkraft lässt nach und die Trainer geben ihren Veteranen immer weniger Einsatzminuten.

30 Punkte pro Spiele gegen 27 Punkte pro Spiel

James dagegen ist auch in seiner 15. NBA-Saison noch der mit Abstand wichtigste Spieler seines Teams. Er führt die Cavaliers bei Punkten, Vorlagen, Blocks und den Balleroberungen an. Bei den Rebounds liegt er auf dem zweiten Platz. Es ist das achte Mal in Serie, dass James in einer NBA-Final-Serie steht. Gewonnen hat er allerdings erst drei Meisterschaften. Jordan stand sechs Mal in den Finals und hat alle gewonnen. Logisch, dass das eines der Hauptargumente pro Jordan ist.

In den reinen Statistiken unterscheiden sich beide aber kaum: Jordan legte in seiner Karriere pro Spiel 30 Punkte, sechs Rebounds, fünf Vorlagen und zwei Steals auf. James kommt bisher auf 27 Punkte, sieben Rebounds, sieben Assists und ebenfalls zwei Steals. Dass beide Spieler für ihre Teams unfassbar wichtig waren respektive sind, ist unbestritten – vor allem in entscheidenden Momenten. Unvergessen ist beispielsweise der Wurf von Jordan in den Finals 1998, als er seinen Gegenspieler aussteigen lässt und die Bulls mit seinem Treffer zur Meisterschaft schießt.

Und auch LeBron James übernimmt in wichtigen Momenten die Verantwortung. In den laufenden Play-offs verwandelte er wenige Sekunden vor Spielende einen Wurf zum Sieg gegen die Indiana Pacers. Wenige Tage später verwandelte er den Siegtreffer bei einer Partie gegen die Toronto Raptors. Der Ex-NBA-Profi Isaiah Thomas sagte bei NBA TV: "Wenn ich mich zwischen Jordan und James entscheiden müsste, würde ich mich für James entscheiden. Michael war der bessere Scorer, aber James holt Rebounds, bindet seine Mitspieler besser ein."

Die Mitspieler sind ebenfalls ein Faktor, der die aktuelle Diskussion beeinflusst. Schließlich ist Basketball ein Teamsport. Jordan hatte bei den Chicago Bulls mit Scottie Pippen einen der besten Allrounder der NBA-Geschichte an seiner Seite. Dennis Rodman gehörte zu den besten Reboundern. Toni Kukoč war ein guter Rollenspieler.