32 Mannschaften treten bei der Fußballweltmeisterschaft an. Für jede hat eine Redakteurin oder ein Autor von ZEIT ONLINE oder DIE ZEIT die Patenschaft übernommen. Unsere WM-Paten begleiten ihr Team durchs Turnier und schreiben persönliche Spielberichte.ist al

Nigeria - Island 2:0

Lange, sehr lange sah es danach aus, dass der erste Eindruck nicht getäuscht hatte. Gegen Island spielten die Nigerianer ideenlos, wirkten müde und unkonzentriert wie schon beim Spiel gegen Kroatien. Wenn überhaupt aufs Tor geschossen wurde, dann auf das des 19-jährigen Francis Uzoho und das vor allem nach Standardsituationen.

Die Mannschaften aus Island und Nigeria sind nun nicht gerade für ihre Leichtfüßigkeit bekannt, sie stehen eher für Sekundärtugenden, die gern auch Deutschland für sich beansprucht. Aber: Null Torschüsse bilanzierte das ZDF zur Halbzeitpause für die Westafrikaner – so wenige hatte bisher kein Team bei dieser WM zustande gebracht. "Wir würden ihnen gern weitere Highlights zeigen, aber es gibt keine", sagte ZDF-Moderator Jochen Breyer zur Pause aus Baden-Baden. Co-Moderator Christoph Kramer wurde zum Thema Schlafprobleme bei einer Weltmeisterschaft befragt (Hat er nicht). Dann schaltete der Sender zum deutschen Team, es ging um Mats, Mario und Jogi statt Ahmed, Victor und Johne Mikel, dann wieder zurück nach Wolgograd.

Dort hatten sich die Nigerianer bereits, wie vor jedem Anpfiff, zum Kreis versammelt. Der Defensivmann Tyrenne Ebuehi war zur Halbzeit für den Defensivmann Bryn Idowu gekommen. Aber irgendetwas muss dieser wahrlich nicht sehr aufregende Wechsel ausgelöst haben. Oder irgendetwas anderes, jedenfalls traf die Fußballstanze "Sie spielten wie ausgewechselt" nie besser zu (Fünf Euro für das Phrasenschwein sind unterwegs).

Vier Minuten entschädigen für eine Halbzeit

Ganze 13 Sekunden vergingen nach dem Anstoß der Isländer, bis Oghenekaro Etebo Nigerias ersten Torschuss zustande brachte – und den isländischen Torhüter in höchste Not. Nur Minuten später traf Ahmed Musa per Dropkick nach grandioser Ballmitnahme. Dennis Bergkamp dürfte immer noch die Zeitlupe studieren. "Viel besser geht das nicht. Die bisherigen vier Minuten entschädigen für die ersten 45", jubelt der Livekommentator Martin Schneider.

Und es ging genauso weiter. Die Westafrikaner waren wacher und organisierter, die Raumaufteilung stimmte, der Ball lief nun auch mal über zehn Stationen. Die Nigerianer schossen und köpften auf das Tor der Isländer, die Statistik zählte später allein 16 Schüsse. Die Isländer kamen zwar auch vereinzelt gefährlich vors Tor, verloren aber zusehends Zweikämpfe. Die fünf Jahre Altersunterschied zwischen der ältesten und jüngsten Mannschaft traten zutage.

Moses, Etebo und vor allem Musa suchten vorne plötzlich lange vermisste eins-gegen-eins-Situationen – und hatten damit immer öfter Erfolg. In der 74. traf Musa, der gegen Kroatien noch als Joker von der Bank kam, die Latte. Kurz darauf umkurvte er Kari Arnason und Halldorrson im Strafraum und vollendete zum 2:0. Messi dürfte sich staunend angeschaut haben, wie man die isländische Abwehr spielerisch knackt. Der ehemalige Einwechselspieler Musa ist mit seinem vierten WM-Tor nun nigerianischer Rekordtorschütze. Im letzten Spiel kommt es zwischen Nigeria und Argentinien zu einem Endspiel um den Einzug ins Achtelfinale. Auch Island hat noch Chancen.

Sigurdsson verliert beim Elfmeter die Nerven

Moderator Schneider weiß gleich einzuschränken: "Nicht, dass sie jetzt in der Heimat denken, ihre Mannschaft müsste nach einem Sieg gegen Island Weltmeister werden", sagt er nach dem 2:0. Dann wird es auch noch einmal gefährlich, wieder mal durch eine Standardsituation: Allerdings verschießt Gylfi Sigurdsson den Foulelfmeter in der 83. Minute.

Der WM-Pate ist deshalb zuversichtlich und träumt, anders als die Fans in Nigeria, vom Titel.