32 Mannschaften treten bei der Fußballweltmeisterschaft an. Für jede hat ein Redakteur oder Autor von ZEIT ONLINE oder DIE ZEIT die Patenschaft übernommen. Unsere WM-Paten begleiten ihr Team durchs Turnier und schreiben persönliche Spielberichte. Vor dem Anpfiff haben sie ihre Jungs porträtiert. Hier: Panama.

"Für das Wohl der Welt!" Was wie der Trinkspruch eines eingeschworenen Kolpinghaus-Stammtischs in Bielefeld-Brackwede klingt, ist vermutlich das ambitionierteste Motto der diesjährigen Fußballweltmeisterschaft. Im Gepäck hat es die Nationalmannschaft von Panama, und für das Wohl des eigenen Landes hat sie schon mit einer sensationellen Qualifikation gesorgt: Zum ersten Mal überhaupt fährt das Team zur WM.

In den Play-offs ließen die Los Canaleros, der Name ist natürlich eine Anspielung auf ihren Kanal, Honduras sowie Trinidad und Tobago hinter sich. Auch den USA vermasselten sie die Russlandreise. Dass dabei ein Phantomtor half? Wird überbewertet. Im letzten Spiel gegen Costa Rica landete der Ball nach einer Ecke neben dem Tor, nicht im Tor. Der Schiedsrichter gab den Treffer trotzdem, Panama drehte das Spiel und feierte die Qualifikation wie andere Länder einen Titelgewinn.

Im Trainingsanzug der Nationalmannschaft rief der Präsident Juan Carlos Varela für den 11. Oktober 2017 einen Feiertag aus. Das Dekret unterzeichnete er noch in der Nacht und machte die Panamaer, die zu den glücklichsten Menschen der Welt zählen sollen, noch glücklicher. "Das ist euer Tag! Es lebe die Mannschaft! Es lebe Panama!", twitterte er.

Die Vorbereitungsspiele zu Beginn des Jahres machen den Mittelamerikanern allerdings wenig Hoffnung auf ein glanzvolles Turnier. Gegen Dänemark kassierte die Elf von Trainer Hernán Darío Gómez Jaramillo eine Niederlage. In der Schweiz war sie lediglich beim Schneemannbauen erfolgreich, auf dem Platz bekam sie von der Nati sechs Buden eingeschenkt. "Wir wollen nicht nur Fußball spielen, sondern auch die Kultur kennenlernen. Diese Erfahrungen wollen wir zu Hause unseren Familien weitergeben", sagte der Coach später.

Die Mannschaft wird sicher auch früh wieder zu Hause sein. Der vierte Platz in WM-Vorrundengruppe G mit England, Belgien und Tunesien dürfte gesetzt sein. Denn Panamas Auswahl kann selbst für mittelamerikanische Verhältnisse als No-Name-Team bezeichnet werden. Fußballer wie Fidel Escobar, Felipe Baloy, Gabriel Torres oder Jaime Penedo dürften den wenigsten ein Begriff sein. Kein einziger Nationalspieler im Kader kickt in einer der fünf europäischen Topligen, die meisten laufen für Clubs ihres Heimatlandes auf. Gefeiert wird vermutlich trotzdem.

Warum wird dieses Team Weltmeister?

Weil Panama dann vermutlich einen ganzen Monat zur Nationalfeierzeit erklärt.

Warum vielleicht doch nicht?

Weil es den Videobeweis gibt, blöd für Phantomtore aller Art.

Wer kommt ganz groß raus?

Tiger und Bär.