Am 3. Mai war Paul Kagame genauso enttäuscht wie jeder andere Fan des FC Arsenal. Seine Mannschaft hatte gerade gegen Atlético Madrid im Halbfinale der Europa League verloren. Der Traum, Arsène Wenger mit einem Pokal verabschieden zu können, war geplatzt. "Die Club-Eigentümer sind daran schuld", schrieb Kagame auf Twitter. "Ich bleibe aber treuer Arsenal-Fan." 

Dass Paul Kagame ein besonderer Arsenal-Fan ist, zeigte er in der Art und Weise, wie er drei Wochen später seine Treue unter Beweis stellte: Seine Regierung unterschrieb einen Sponsorenvertrag mit dem FC Arsenal, es soll um etwa 34 Millionen Euro gehen. Kagame ist nämlich der Präsident Ruandas, jenes ostafrikanischen Landes, das seit vergangener Woche der "offizielle Tourismuspartner" des FC Arsenal ist.

In den nächsten drei Saisons wird Arsenal mit dem Slogan "Visit Rwanda" auf seinen berühmten weißen Ärmeln auflaufen. Im Gegenzug bekommt der Club Millionen. Ein superreicher Spitzenverein also, der sich von einem Entwicklungsland, das immer noch zu den ärmsten Ländern gehört, sponsern lässt: Auch in der absurden Welt des Fußballkapitalismus ist das Neuland.

"Schamlose Verschwendung" britischer Steuergelder

"Das ist eine spannende Partnerschaft, in der wir den Aufbau der Tourismusindustrie in Ruanda unterstützen können," sagte Vinal Venkatesham, der Verkaufsdirektor des FC Arsenal. Aber nicht alle sind so begeistert. Die neue Zusammenarbeit hat vielerorts auch für Kritik und Empörung gesorgt. Sie hat eine Debatte über internationale Hilfe, Menschenrechte und Neokolonialismus entfacht.

"Shirt of shame!" schrie die Überschrift der Daily Mail. Der neue Sponsor würde aus Arsenals Trikot eine Schande machen. Als zweitgrößter bilateraler Geberstaat Ruandas hat Großbritannien im vergangenen Jahr rund 70 Millionen Euro an Kagames Regierung überwiesen. Dass jetzt die Hälfte davon in den Koffern des FC Arsenal landet, sei eine "schamlose Verschwendung" britischer Steuergelder, schrieb die Boulevardzeitung.

Auch in den Niederlanden, die ebenfalls nicht wenig in Ruanda investiert hat, gab es Kritik von Politikern verschiedener Parteien. In Deutschland meldete sich Christoph Hoffmann, der entwicklungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion. "Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie staatliche Gelder oft zu Spielereien der Machthaber in Entwicklungsländern werden", sagte er. Gegenüber der Deutschen Welle schlug er vor, dass eine Social-Media-Kampagne die bessere Methode wäre, Touristen nach Ruanda zu locken. Digital first, Ärmelsponsoring second. 

Verstöße gegen Menschenrechte

Darf ein Land, das Entwicklungsgelder empfängt, so viel in eine Vermarktungskampagne investieren, statt das Geld in Infrastruktur oder Bildung einzusetzen? Die Frage hat sich nie gestellt, weil es bisher keinen ähnlichen Fall gab.

Auf der einen Seite wirkt es schon etwas absurd, wenn ausgerechnet die Lieblingsmannschaft des Präsidenten von einer solchen Aktion profitiert. In einem Land voller Arsenal-Fans kann es Kagame und seiner Regierung auch kaum schaden, den Vertrag durchgesetzt zu haben. Man darf sich also ein wenig Skepsis bewahren, vor allem bei einem Präsidenten, der zuletzt mit 98,8 Prozent der Stimmen in eine dritte Amtszeit gewählt wurde, und dem Verstöße gegen Menschenrechte vorgeworfen wird. Laut Human Rights Watch geht es um Einschränkungen der Pressefreiheit, Folter von Gefangenen und sogar außergerichtliche Hinrichtungen.

Auf der anderen Seite wird der Tourismus immer wichtiger für ein Binnenland, das nicht gerade reich an natürliche Ressourcen ist. Die Millionen Euro an Arsenal sind in dem Kontext nur "Betriebskosten", um es mit den Worten von Claire Akamanzi, die Chefin des ruandischen Entwicklungsvorstands, auszudrücken. "Wer Ruandas Deal mit Arsenal aufgrund unserer Armut oder Abhängigkeit auf Entwicklungsgelder kritisiert, der möchte, dass Ruanda immer so bleibt, wie es ist", entgegnete Akamanzi auf Twitter den Kritikern.