• 5:0 gewinnt Russland das WM-Eröffnungsspiel gegen Saudi-Arabien. 
  • Robbie Williams sang und zeigte den Mittelfinger, Wladimir Putin beschwor den Frieden und schämte sich am Ende fast für das hohe Resultat.
  • Alle Texte zur WM gibt es hier, den Liveticker hier, den Spielplan hier. Und wenn Sie noch nicht wissen, für wen Sie sind: Hier ist unser Nation-O-Mat.
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Fabian Scheler
Fazit: 

So so, 5:0. Und das, obwohl Zyniker schon vor dem Spiel wussten, dass die Konstellation denkbar ungünstig war. Der laut Weltrangliste schlechteste der 32 WM-Starter (Russland) traf auf den zweitschlechtesten (Saudi-Arabien). Was sollte da schon kommen, außer einem 0:0, das man spätestens nach dem Blick auf das ernste Gesicht von Horst Seehofer in der heutigen Tagesschau wieder vergessen haben würde.

Es wurde dann doch ganz munter. Die Saudis probierten immerhin, mitzuspielen. Schnell aber wurde klar, dass ihr limitiertes Können gegen den Gastgeber zu wenig sein würde. Die Russen gingen früh in Führung und waren dann auch bei ihren weiteren Chancen fast immer erfolgreich. 2:0 zur Halbzeit; und noch nie endete ein WM-Eröffnungsspiel so hoch wie dieses: 5:0. 

Den Russen wird das guttun, war ihre Mannschaft doch vor der WM von den eigenen Fans fast schon schadenfreudig bereits abgeschrieben worden. Doch auch gegen die Saudis gelang nicht so viel, viele Fehlversuche der Russen hätten bessere Gegner härter bestraft. Nur reicht das eben gegen Saudi-Arabien. Alle fünf Tore waren begünstigt durch saudische Passivität oder Abwehrfehler, die man so vielleicht in der deutschen 3. Liga sieht. 

Saudi-Arabien spielte genau diametral wie noch vor einer Woche gegen Deutschland. Dort ließen sie sich in der ersten Halbzeit einschüchtern, als sie nach dem Seitenwechsel aber nachlässige Deutsche erlebten, waren sie gefährlich. Davon war nun wenig zu sehen. Russland war im zweiten Abschnitt immer überlegen, so viele Entschuldigungsgesten von Wladimir Putin an seinen saudischen Gast Mohammed bin Salman hat man selten gesehen. Es war ihm schon fast unangenehm. 

Robbie Williams erging es da ganz anders: Sein Mittelfinger während des Auftritts bei der Eröffnungsfeier war als Geste an die Nörgler gemeint, die ihm vorwarfen, dass er sich vor einen Karren spannen lassen würde. Er nahm keinen Cent für den Auftritt, sagte er danach. 

Damit erging es ihm wie uns hier. Das war es jedenfalls aus dem Liveblog. Gleich fassen wir das Spiel hier ausführlich zusammen, am Freitagmorgen lesen Sie eine Reportage aus dem Stadion. Das nächste Liveblog schreiben wir dann am Sonntag, wenn Deutschland zum ersten Mal spielt. Bis dahin! 

Lukas Brems
Abpfiff: Schiedsrichter Pitana beendet das Spiel zur Erleichterung der Saudis. Einen russischen Sieg in dieser Höhe hätten wohl die wenigsten erwartet. Außer Russlands Trainer Tschertschessow, der ewige Optimist, der in der Kreml-Tipprunde nun wohl den ersten Platz belegt.
Sebastian Stier
94. Minute: Golowin schlenzt einen Freistoß zum 5:0 ins Netz. Den Saudis bleibt nur der Trost, nicht 0:8 verloren zu haben. Deutschlands Rekord von 2002 bleibt bestehen.  
Fabian Scheler
92. Minute: Noch ein Tor für die Russen! Denis Tscheryschew schlenzt mit dem linken Außenrist den Ball wunderschön ins lange Eck. Mario Basler nickt anerkennend. 4:0! 
Fabian Scheler
90. Minute: Ich sag mal so: Die drei Gegentore sind für die Saudis ein warmer, sanfter Auftakt ins Turnier, in dem noch Ägypten und Uruguay warten. So wie Saudi-Arabien muss sich George Foreman in Kinshasa nach der ersten Runde gegen Ali gefühlt haben.  
Sebastian Stier
89. Minute: Scheibu! Scheibu! Scheibu!
Hannes Hilbrecht
80. Minute: Wunderbar. Ein saudischer Mittelfeldspieler holt sich an der Eckfahne den Ball, den der russische Gegenspieler ins Toraus abschirmen will. Mit der Hacke. Irre, wundervoll, jetzt haben wir alles gesehen. Jetzt kann der Schiedsrichter abpfeifen!
Lukas Brems
84. Minute: Einige Zuschauer verlassen bereits das Stadion. Wahrscheinlich findet heute Abend in Moskau noch ein wichtiges Eishockeyspiel statt.
Lukas Brems
77. Minute: Wieder taucht Russland vorne auf, diesmal verfehlt ein Kopfball knapp das Tor von Saudi-Arabien. Russland mischt hier jetzt mehr mit als bei der US-amerikanischen Präsidentschaftswahl.
Hannes Hilbrecht
72. Minute: Ein Hauch von Robben weht auch ohne Oranje durch das weite Rund. Ein saudischer Flügelspieler zieht von links in die Mitte und zielt mit dem rechten Fuß auf das lange Eck. Allerdings geht der Versuch zwei Meter vorbei. Holland, wir vermissen dich!

Vorbemerkungen:

привет, liebe Sportsfreunde, erinnern Sie sich? Vor exakt vier Jahren saßen Sie ganz bestimmt nicht auf der Couch und dachten, dass Erik Durm vier Wochen später Weltmeister sein würde, oder? Eben. Eine Weltmeisterschaft, das sind vier Wochen zum Wundern, Sonntagnachmittage, an denen Costa Rica auf Serbien trifft, und deutlich mehr Meinungen über die richtige deutsche Formation, als es verträglich wäre. Kurz: Wer jetzt noch nicht in WM-Stimmung ist, sitzt wohl mit Sandro Wagner auf einem Sofa.

Wir bei ZEIT ONLINE halten es da ähnlich wie die Russen. Die sind zwar skeptisch, was der ganze Fifa-Zirkus soll, freuen sich aber auf das Turnier und besonders auf ihre Gäste. Übel nehmen wir es aber demjenigen, der die Kugeln so legte, dass nun Russland gegen Saudi-Arabien diese WM eröffnet.

Doch nur auf den ersten Blick klingt dieser, auch geopolitisch interessante, WM-Auftakt wie ein Termin beim Zahnarzt. Russland steht als Gastgeber unter Druck, denn fast keiner im Land traut dem Team etwas zu. Nach dem blamablen EM-Aus 2016 sagte der damalige Trainer: "Wir sind scheiße." Dem neuen Coach Stanislaw Tschertschessow fehlt es an talentiertem Nachwuchs, nicht aber an Ehrgeiz. Er will ins Achtelfinale.

Dafür notwendig: ein Sieg gegen Saudi-Arabien. Die beiden anderen Gruppengegner Uruguay und Ägypten werden deutlich schwerer. Doch die Saudis hatten das deutsche Team vor nicht mal einer Woche am Rande eines Remis. Oli Kahn unterstützt die Torhüter. Damit vier Spieler ein halbes Jahr bei spanischen Erst- und Zweitligisten mittrainieren durften, flossen viele Millionen Euro. Ihr Trainer Juan Antonio Pizzi gewann mit Chile 2016 die Copa América, das südamerikanische Pendant zur EM. Passen die Russen nicht auf, erleben sie schon im Auftaktspiel eine erste Niederlage. Und das ganz ohne westliche Beteiligung. 

Eröffnet wird das Turnier mit einer nicht vom DFB finanzierten Gala, Robbie Williams und die russische Sopranistin Aida Garifullina werden singen. Wir üben solange noch mal unsere Hebefigur zu "Angels" ein. Ab 17 Uhr wird dann tatsächlich gespielt, hier im Kreuzberger Büro bloggen Lukas Brems, Hannes Hilbrecht, Sebastian Stier und Russlands WM-Pate Fabian Scheler. Bis gleich!