736 Fußballer aus 32 verschiedenen Ländern versammeln sich in den kommenden Wochen in Russland. Sie alle wollen Weltmeister werden. Wir stellen elf von ihnen vor:

Paolo Guerrero wurde in der Bundesliga nicht nur als Torschütze auffällig. © Ernesto Benavides/Getty Images

Paolo Guerrero (Peru, 34 Jahre)

Acht lange Jahre spielte Paolo Guerrero in der Bundesliga. Der FC Bayern holte ihn nach Deutschland, die Mehrheit seiner Bundesligaspiele bestritt er aber für den Hamburger SV. Er war ein ordentlicher Stürmer, mehr als zehn Treffer in einer Saison gelangen ihm jedoch nie. Dass man sich in Deutschland immer noch lebhaft an Guerrero erinnert, liegt weniger an den Spielen, bei denen er auf dem Platz stand, sondern an denen, die er auf der Tribüne sitzen musste. 2010 warf er einem HSV-Fan eine Trinkflasche an den Kopf, zwei Jahre später grätschte er Sven Ulreich an der Eckfahne zu Boden wie Karate Kid.

Inzwischen ist er peruanischer Volksheld, Rekordtorschütze und Kapitän eines Landes, das bei der WM für Furore sorgen könnte. Eigentlich hätte Guerrero aufgrund einer positiven Dopingprobe gar nicht mit nach Russland fahren dürfen, doch das Schweizer Bundesgericht erlaubte eine Aussetzung der Sperre. Die WM stelle "die Krönung seiner Fußballkarriere dar", heißt es in der kontroversen Begründung der Richterin. Im Teamhotel in Österreich angekommen, trug Guerrero dann ein kurzärmliges Hemd mit Hanfpflanzenmuster. Langweiliger wird die WM mit ihm sicherlich nicht.

Mit 24 Jahren ist Harry Kane bereits Kapitän der englischen Nationalmannschaft. © Catherine Ivill/Getty Images

Harry Kane (England, 24 Jahre)

Laut einer Studie des International Centre for Sports Studies ist Harry Kane aktuell der wertvollste Spieler der Welt. Auf 201,2 Millionen Euro wird sein Transferwert geschätzt, mehr als der von Neymar, Messi oder Cristiano Ronaldo. In Russland ist Kane Kapitän eines jungen englischen Teams, und obwohl es seine wachsenden Geheimratsecken nicht vermuten lassen, wird er in diesem Sommer seinen erst 25. Geburtstag feiern. 

Trotz seiner 30 Tore ging der Titel des besten Torschützen der Premier League in dieser Saison an Mo Salah. Um den Ägypter einzuholen, ließ Kane allerdings nichts unversucht. Bei einem Freistoßtor von Teamkollege Christian Eriksen legte Tottenham auf Drängen von Kane Einspruch ein. Er war sich sicher, den Ball noch berührt zu haben. Das Tor wurde daraufhin Kane zugesprochen. In England kann man nun darauf wetten, dass Kane bei der WM ebenfalls den Treffer eines anderen für sich beansprucht. Das 51-fache des Einsatzes kann man dabei gewinnen. 

Verletzte sich im Champions-League-Finale an der Schulter: Mo Salah © Fabrice Coffrini/Getty Images

Mohamed Salah (Ägypten, 25 Jahre)

Ganz Ägypten weinte, als Mo Salah im Champions-League-Finale verletzt und unter Tränen ausgewechselt wurde. Kaum ein Land ist bei der WM derart auf einen einzigen Spieler angewiesen. Glück für die Ägypter also, dass ihr Pharao wieder genesen ist und gerade eine herausragende Saison hinter sich gebracht hat. Insgesamt 44 Tore schoss Salah für den FC Liverpool, einige sehen in ihm schon den zukünftigen Weltfußballer.

Sollte Ägypten tatsächlich die Gruppenphase überstehen, könnte Salah im Achtelfinale seinem Ringkampfpartner aus der Champions League begegnen, Sergio Ramos. Nach Ramos' Foul an Salah ist er zum Bösewicht der Fußballwelt geworden, ein ägyptischer Anwalt wollte ihn gar wegen Körperverletzung verklagen. Nicht nur Ägypten- und Liverpool-Fans würden Salah eine Revanche bei der WM gönnen.

Entwischte Mats Hummels im DFB-Pokalfinale: Ante Rebić © Lars Baron/Getty Images

Ante Rebić (Kroatien, 24 Jahre)

Mit Ante Rebić in der Mannschaft kann Fußball herrlich einfach sein. "Bruder, schlag den Ball lang", instruierte er seinen Teamkollegen Kevin-Prince Boateng vor dem DFB-Pokalfinale. Dieser Ansatz aus der Kreisliga erwies sich bekanntermaßen als erfolgreich. Rebić traf beim 3:1-Sieg der Frankfurter doppelt, eingeleitet wurden beide Tore von Pässen in die Spitze, für die Rebić lange genug unterwegs war, um Mats Hummels zu entwischen.

Auf seine Quarterbacks von Berlin, Boateng und Danny da Costa, muss der Frankfurter bei der WM zwar verzichten, doch im kroatischen Nationalteam findet sich bestimmt adäquater Ersatz. Die Mittelfeldspieler Luka Modrić und Ivan Rakitić sind gut beraten, in Russland Rebićs Anweisungen zu folgen. Mats Hummels freut sich schon.

Bei Paul Pogba waren in dieser Saison die Frisuren meist auffälliger als die Leistungen. © Aurelien Meunier/Getty Images

Paul Pogba (Frankreich, 25 Jahre)

Nicht nur in Deutschland wurde ein Nationalspieler ausgepfiffen. In Frankreich bekam Paul Pogba die Missgunst des Publikums zu hören, als Frankreichs Nationalelf in Nizza gegen Italien spielte. Die Pfiffe hatten allerdings keine politische Vorgeschichte, sondern bezogen sich auf das Sportliche. Zu lustlos schlich Pogba nach Ansicht der Fans über den Platz.

Schon bei der Heim-EM 2016 wurde Pogba von französischen Medien und Fans kritisiert, im zweiten Gruppenspiel saß er die erste Halbzeit nur auf der Bank. Auch seine Saison bei Manchester United war eher bescheiden, daran konnten auch die stetig wechselnden Frisuren nichts ändern. Dennoch verkündete Pogba, er hoffe, nachdem er 2014 zum Rookie der WM gewählt wurde, diesmal der beste Spieler des Turniers zu werden.

Fahad al-Muwallad ist Saudi-Arabiens Lionel Messi. © Emmanuel Dunand/Getty Images

Fahad al-Muwallad (Saudi-Arabien, 23 Jahre)

In der Winterpause war Fahad al-Muwallad einer von insgesamt neun Profis aus Saudi-Arabien, die überraschend zu Vereinen der ersten und zweiten spanischen Liga wechselten. Ein eher untypisches Leihgeschäft, weil die Clubs für die neuen Spieler nicht bezahlen mussten, sondern sogar Geld verdienten. Al-Muwallad, als "Lionel Messi Saudi-Arabiens" angepriesen, kam für ein halbes Jahr bei UD Levante unter.

Dem ungelenken Vergleich aus dem Fußballjargon konnte er nicht gerecht werden. Nur 26 Minuten spielte er in zwei Kurzeinsätzen für Levante. Ob sich Saudi-Arabiens Investition dennoch gelohnt hat, wird sich schon am 14. Juni beim Eröffnungsspiel gegen Russland zeigen. 

Dass Rafa Márquez zum fünften Mal an einer WM teilnimmt, wurde im Vorfeld zur Nebensache. © Manuel Velasquez/Getty Images

Rafael Marquez (Mexiko, 39 Jahre)

Rafael Marquez könnte in Russland, neben Lothar Matthäus und seinem Landsmann Antonio Carbajal, zum erst dritten Spieler überhaupt werden, der bei fünf Weltmeisterschaften im Einsatz war. Er spielte für den FC Barcelona, ist Champions-League-Sieger und langjähriger Kapitän Mexikos. Und nach Auffassung des US-Finanzministeriums Teil eines Drogenkartells.

Marquez weist die Vorwürfe zurück, ohne Folgen bleiben sie jedoch nicht. Sein Vermögen in den Vereinigten Staaten wurde eingefroren, sein Visum annulliert. Während der Vorbereitung trug Marquez als einziger Spieler Trainingsbekleidung ohne Sponsorenlogos. Die Firmen, unter anderem Coca-Cola, wollten kein Risiko eingehen, da es US-Bürgern derzeit untersagt ist, mit Marquez Geschäfte zu machen. Zudem fehlte er beim Testspiel gegen Wales in Los Angeles, wohl aus gutem Grund.

Einer für die Fußballästheten

Traf für Brasilien in der WM-Qualifikation genauso oft wie Neymar: Paulinho © Buda Mendes/Getty Images

Paulinho (Brasilien, 29 Jahre)

Im vergangenen Transfersommer sorgte der FC Barcelona für ein Novum. Erstmals wechselte ein Spieler für viel Geld nicht in die Chinese Super League, sondern verließ sie. Der Transfer von Paulinho bescherte Barcelona weltweit viel Häme, hatte der Verein doch erst kurz davor Neymar abgeben müssen. Davon unbeirrt stand Paulinho in der vergangenen Saison regelmäßig in der Startelf und schoss neun Tore, für einen Mittelfeldspieler durchaus beachtlich.

Seine Vorstöße aus dem Zentrum helfen auch der brasilianischen Nationalmannschaft. Sechsmal traf er in der WM-Qualifikation, genauso oft wie Neymar. Paulinho macht das Angriffsspiel weniger berechenbar und ein Stück weit unabhängiger von Neymar. Nicht schlecht für einen, der für sein unbeholfenes Ballhochhalten bei seiner Vorstellung im Camp Nou verspottet wurde.

Auf Mousa Dembélé sollten Fußballästheten besonders achten. © Emmanuel Dunand/Getty Images

Mousa Dembélé (Belgien, 30 Jahre)

"Für mich ist er einer der genialsten Spieler, denen ich je begegnet bin", sagte Tottenhams Trainer Mauricio Pochettino über Mousa Dembélé in dieser Saison. Ein nicht zu verachtendes Lob von jemandem, der in Argentinien einst mit Diego Maradona ein Zimmer teilte und bei Paris St. Germain an der Seite von Ronaldinho spielte.

Dembélé ist kein Fußballer, der durch seine Spielweise auffällt. Doch wer ihn einmal entdeckt hat, möchte nicht mehr weggucken. In Zweikämpfen beeindruckt er mit seiner Physis, mit Ball am Fuß durch seine geschmeidigen Bewegungen. Wenn er an Gegenspielern vorbeizieht, sieht das eher nach gehen als sprinten aus. Die Konkurrenz für Dembélé um einen Platz im belgischen Mittelfeld ist groß. Der Ästhet in uns kann nur hoffen, dass Nationaltrainer Roberto Martínez Pochettinos Ansicht teilt.

Hannes Thór Halldórsson gibt nicht nur auf dem Platz die Anweisungen, sondern auch am Filmset. © Shaun Botterill/Getty Images

Hannes Thór Halldórsson (Island, 34 Jahre)

Wahrscheinlich ist Hannes Thór Halldórsson der einzige Mensch, der sowohl bei transfermarkt.de als Nationaltorhüter, als auch in der Internet Movie Database als Filmregisseur gelistet ist. Denn neben 48 Einsätzen für das isländische Nationalteam ist er für die Entstehung mehrerer Musikvideos und Dokumentarfilme verantwortlich. Darunter auch das Video zu Islands Beitrag beim Eurovision Songcontest 2012.

Wie schon bei der EM 2012 wird Halldórsson in Russland die letzte Bastion einer kampfeslustigen Mannschaft sein. Mit viel Leidenschaft und langen Einwürfen schlug Island damals England im Achtelfinale. Gelingt ihnen bei der WM Ähnliches, sollte sich Halldórsson schleunigst die Filmrechte sichern.

Leroy Sanés Instagram-Account könnte Sie während der WM auf andere Gedanken bringen. © Alexander Hassenstein/Getty Images

Leroy Sané (Deutschland, 22 Jahre)

Überraschend strich Joachim Löw Leroy Sané in der Vorbereitung aus dem deutschen Kader. Sollte bei Ihnen in den nächsten Wochen also grausamer Abwehrfußball oder ein jubelnder Wladimir Putin für schlechte Laune sorgen, lohnt sich bestimmt ein Blick auf Sanés Instagram-Account. Dort versorgt er seine 2,6 Millionen Follower regelmäßig mit Bildern aus seinem Privatleben. Ein paar Urlaubsfotos dürften Sie wieder auf andere Gedanken bringen.