32 Mannschaften treten bei der Fußball-Weltmeisterschaft an. Für jede hat eine Redakteurin oder ein Autor von ZEIT ONLINE oder DIE ZEIT die Patenschaft übernommen. Unsere WM-Paten begleiten ihr Team durchs Turnier und schreiben persönliche Spielberichte. Vor dem Anpfiff haben sie ihre Jungs porträtiert. Hier: Senegal.

Senegal ist anders als viele Länder in Westafrika. Seit das Land 1960 die Unabhängigkeit von der französischen Kolonialherrschaft feierte, wurde es ununterbrochen zivil regiert. Einen Putsch gab es nie, die Demokratie ist gefestigt. Auch fußballerisch geht es voran. Weiter als 2002, als Senegal es bis ins Viertelfinale der WM schaffte, kam ein afrikanisches Team nie.

Bei der WM in Russland wird das Land ebenfalls beispielhaft vorangehen. Anders als drei der fünf afrikanischen WM-Teilnehmer, beschäftigt der senegalesische Verband nämlich keinen ausländischen Trainer. Stattdessen steht Aliou Cissé an der Seitenlinie, ehemaliger Nationalspieler und Kapitän Senegals.

Im Profifußball sind afrikanische Trainer schrecklich unterrepräsentiert, obwohl es von ihnen zahlreiche mit geeigneten Qualifikationen gäbe. Selbst Afrikas Verbände setzen regelmäßig auf in die Jahre gekommene, weiße Männer, die seit Jahren als Aufbauhelfer durch vermeintliche Fußballentwicklungsländer tingeln, darunter auch einige Deutsche. Volker Finke trainierte bis vor drei Jahren die Kameruner, Winfried Schäfer saß dort ebenfalls schon auf der Bank. Und Otto Pfister tourte regelrecht über den Kontinent, acht verschiedene Nationalmannschaften leitete er dort. Aktuell ist Gernot Rohr für die Auswahl Nigerias verantwortlich.

In Senegal hingegen vertraut man einem jungen, talentierten Trainer. Cissé gilt als akribischer Taktiker, der sich in Pep-Guardiola-Manier stundenlang Videomaterial des gegnerischen Teams zu Gemüte führt. Schon bei Senegals erster WM-Teilnahme 2002 spielte Cissé eine tragende Rolle. Er organisierte die Abwehr der "Löwen von Teranga", die im Auftaktspiel Frankreich schlugen und sich bis ins Viertelfinale rackerten. Nun soll er als Trainer einer neuen Generation helfen, Ähnliches zu vollbringen. 

Absurd ist dieses Unterfangen nicht. Cissé steht ein Team zur Verfügung, das in der mittelklassigsten Gruppe dieser WM (mit Polen, Japan, Kolumbien) bestehen kann. Bis auf den Torhüter spielen seine Jungs allesamt in Europa, die meisten in England und Frankreich. Mit Sadio Mané haben die Senegalesen sogar einen echten Star im Kader, der im Champions-League Finale Liverpools einziges Tor erzielte.

Warum wird Senegal Weltmeister?

Weil mehr Vielfalt dem Trainergeschäft und dem Fußball guttut.

Warum vielleicht doch nicht?

Weil es selbst Pep Guardiola mit diesem Team nicht bis ins Halbfinale schaffen würde.

Auf wen ist zu achten?

Die Innenverteidiger. Kalidou Koulibaly und Salif Sané bilden das wohl kopfballstärkste, langbeinigste und alliterationsreichste Innenverteidiger-Paar dieser Weltmeisterschaft.