32 Mannschaften treten bei der Fußballweltmeisterschaft an. Für jede hat eine Redakteurin oder ein Autor von ZEIT ONLINE oder DIE ZEIT die Patenschaft übernommen. Unsere WM-Paten begleiten ihr Team durchs Turnier und schreiben persönliche Spielberichte.

Serbien – Costa Rica 1:0 (Spielbericht)

Die vergangenen acht Jahre waren für Freunde des serbischen Fußballs nicht schön: Die Nationalelf spielte schlecht und das Umfeld lässt zu wünschen übrig, immer wieder gibt es mehr oder weniger Kriminelles zu berichten. Dabei hat Qualitätsfußball in dem Land mindestens seit den 1950er-Jahren Tradition.

Serbiens neuer Nationaltrainer Mladen Krstajić, ehemals Meisterkicker bei Werder Bremen und inzwischen kurzhaarig ergraut, soll daran wieder anknüpfen. Mangelnde Geschlossenheit soll er als ein Hauptproblem seiner Mannschaft erkannt haben, ebenso wie das fehlende Bewusstsein, sich auf das Ergebnis zu fokussieren. Das zu beheben, scheint ihm gelungen zu sein: Denn das, was die Serben bei der Fußball-WM in ihrem ersten Spiel gegen Costa Rica abgeliefert haben, war auf jeden Fall irgendwie effizient und kollektiv.  

Dabei habe er gar nicht viel verändert, sagte Krstajić, der vor Kurzem erst das Traineramt übernommen hatte. Er habe mehr an Feinheiten gearbeitet. Am offensichtlichsten ist wohl, dass er Supertalent Sergej Milinkovic-Savic von Lazio Rom ins Team holte. Der 23-Jährige, ein robuster Athlet, spielt defensiv wie offensiv mit viel Übersicht und Ideen. Zudem hat Krstajić das Kapitänsamt neu vergeben: Branislav Ivanović von Zenit St. Petersburg, inzwischen 34, musste den Job an den 32-jährigen Linksverteidiger Aleksandar Kolarov vom AS Rom abgeben.

Unauffällig und ideenlos in der Offensive

Um es gleich vorwegzunehmen: Senior Kolarov hat das Spiel entschieden und Junior Milinkovic-Savic hat das möglich gemacht. In der 27. Minute durfte der Serbien-Pate erstmals erahnen, warum der Spieler aus Rom ein Star werden könnte, als dieser bei einem schnellen Konter knapp im Abseits steht. In der 43. Minute zeigt dann Milinkovic-Savic Erstaunliches: einen Fallrückzieher vor dem Tor Costa Ricas, der aber als Abseits zurückgepfiffen wurde.

In der Offensive bleiben die Serben dennoch zunächst unauffällig und ideenlos. Vor dem Tor landen allenfalls Halbfeldflanken, die nur dann gefährlich sind, wenn sie von Milinkovic-Savic kommen oder bei ihm landen. Die Serben rennen aber auf jeden Fall nicht ins Unglück, das beruhigt den Paten. Allerdings sind sie auch nicht gefährlich. Serbien überzeugt besonders mit einer auffällig disziplinierten Ballkontrolle bis ins vordere Mittelfeld hinein. Und da Costa Rica sich aufs Verteidigen beschränkt, dieses insgesamt auch recht kontrolliert tut und beide Teams zudem ein gutes Stellungsspiel pflegen, ist die erste Halbzeit ein Spiel für Experten – nicht für Zuschauer (außer man ist Pate).

Die zweite Hälfte geht erst mal so weiter wie die erste, abgesehen von einem Ausreißer, als Stürmer Aleksandar Mitrović vom FC Fulham mit einem langen Pass von Milinkovic-Savic vor dem Tor Costa Ricas freigespielt wird. Mitrović hat aber keine Nerven und scheitert alleinstehend an Keeper Keylor Navas von Real Madrid.

Und so ist die Führung der Serben in der 56. Minute auch nicht aus dem Spielfluss heraus entstanden, sondern durch eine Standardsituation: Ein Freistoß für Serbien halbrechts vor dem Strafraum, den Kapitän Aleksandar Kolarov mit seinem starken linken Fuß durch die costa-ricanische Mauer oben links in Navas' Tor haut.

Auf Serbien warten stärkere Gegner

Das Tor gibt dem Paten-Team auch den Mut, etwas zu riskieren, das Spiel wird attraktiver. Zwanzig Minuten später hätte der eingewechselte HSVer Filip Kostić beinahe alles klargemacht, als ihn der das ganze Spiel hindurch extrem emsige Stürmer Dušan Tadić vom FC Southampton vor dem Tor freispielt und Kostić nur knapp scheitert. Noch besser die zweite Großchance für Aleksandar Mitrović in der 87. Minute, die dieser nicht nutzen kann, weil er sich falsch in den Ball eindreht. Auffällig ist, dass es immer dann gefährlich wird für Serbiens Gegner, wenn Milinkovic-Savic irgendwie damit zu tun hat.

Die Serben gewinnen fast jeden Ball, machen mit ihrem gut geölten Kontrollfußball wenig Fehler und haben mit Milinkovic-Savic eine zentrale Leitstelle, die Spiele entscheiden kann. So gesehen hat Mladen Krstajić alles richtig gemacht. Allerdings war Costa Rica auch überraschend schwach. Torwart Vladimir Stojković von Partizan Belgrad hatte nichts zu tun.

Wo Serbien spielerisch wirklich steht, wird der Pate erst in den Spielen gegen die stärkeren Gruppengegner Brasilien und die Schweiz erfahren. Negativ aufgefallen ist nur Einwechselspieler Aleksandar Prijović, der kurz vor Schluss einem Gegenspieler eine Backpfeife versetzte und dafür nur Gelb bekam. Glück gehabt, aber gut, nur ein kleiner Aussetzer.