Nicht mal die Lufthansa kennt sich richtig aus im Osten. Der Konzern hatte in einem Clip eine WM-Reise nach Moskau mit Bildern aus Kiew beworben – und  das Video nach Protesten gesperrt. Die entstanden, weil Russland und die Ukraine nach der Krim-Annexion und in Zeiten des verdeckten Kriegs im Donbass verfeindet sind. Der Präsident der Ukraine fordert einen Boykott der WM, der ukrainische Außenminister warnt seine Landsleute vor Reisen nach Russland, vielleicht wird das Turnier im ukrainischen Fernsehen gar nicht übertragen.

Die Lufthansa entschuldigte sich, hätte aber auch versuchen können, sich mit einem sporthistorischen Argument herauszureden. Viele der besten Spieler und Trainer der Sowjetunion kamen nämlich aus der Ukraine. Vor allem Kiew, Ende Mai der Finalort der Champions League, war ein Zentrum des sowjetischen Fußballs.

Der Fußball ist am populärsten und am reichsten in West- und Südeuropa sowie in Südamerika. Doch die WM, die kommende Woche beginnt, richtet die Blicke der Fans nach Osten. Auch dort hat das Spiel eine facettenreiche Kultur hervorgebracht und viele Menschen bewegt.

Der WM-Gastgeber Russland verweist zu Recht auf seine Fußballtradition. Zwar hat dieses Spiel hier keinen quasireligiösen Status wie in Italien, England, Argentinien, Deutschland oder im Iran. Zu Spielen der Ersten Liga kommen im Schnitt selbst in guten Jahren keine 14.000 Leute, also deutlich weniger als in der Zweiten Bundesliga. Außerdem spielen viele Jungs lieber Eishockey.

Putin möge weghören

Doch auch die russische Fußballgeschichte kennt große Namen und Erfolge. Moskau zählt gleich fünf renommierte Vereine: Spartak, ZSKA, Lokomotive, Dynamo und Torpedo. 1956 und 1988 wurden die Sowjets Olympiasieger, 1960 gar Europameister. Damals, bei der Premiere, hatte dieses Turnier allerdings eine geringere Bedeutung als heute. 1964, 1972 (gegen Deutschland) und 1988 erreichten sie das EM-Finale. 1968 verpassten sie es nach einem 0:0 gegen Italien durch den Münzwurf des Schiedsrichters, anschließend wurde das Elfmeterschießen eingeführt.

Der erfolgreichste Verein der Sowjetunion und der einzige mit internationalem Klang kommt aber, Putin möge weghören, nicht aus dem heutigen Russland, sondern der Ukraine. In den Siebzigern und Achtzigern spielte Dynamo Kiew aufregenden Fußball, wurde 1975 und 1986 Europapokalsieger der Pokalsieger, gewann etwa jeden zweiten nationalen Meistertitel.