32 Mannschaften treten bei der Fußballweltmeisterschaft an. Für jede hat eine Redakteurin oder ein Autor von ZEIT ONLINE oder DIE ZEIT die Patenschaft übernommen. Unsere WM-Paten begleiten ihr Team durchs Turnier und schreiben persönliche Spielberichte.

Spanien – Marokko 2:2 (Die Highlights im ZDF)

Wie nennt man einen Geheimtipp für das Achtelfinale, der das erste Gruppenspiel verpennt, das zweite trotz Überlegenheit verliert und im dritten, als alles zu spät ist, die spanische Abwehr vorführt wie einen Senioren-Bingo-Club? Richtig: Marokko.

Es gehe "um die Ehre", hatte Marokkos Nationaltrainer Hervé Renard vor dem Anpfiff gegen Spanien erklärt. Mehr gab es nicht mehr zu holen nach zwei 0:1-Niederlagen gegen den Iran und gegen Portugal, wobei die erste durch ein technisch erstklassiges Eigentor zustandekam und die zweite durch eine unterirdische Schiedsrichterleistung. Sagen die marokkanischen Spieler. (Bei aller Liebe der Patin zu den Löwen des Atlas: es lag eher an deren Unfähigkeit, aus guten Chancen ein Tor zu machen.)

Ihre Ehre haben sie jedenfalls behalten nach den letzten fulminanten 96 Minuten bei dieser WM. Und das, obwohl Marokko ohne Starspieler und Mannschaftskapitän Medhi Benatia auflief. Der saß auf der Bank. Die Patin würde jetzt gern erklären warum, hat aber nicht die leiseste Ahnung, was Trainer Renard sich dabei gedacht hat. Mit dem besten Abwehrspieler des Teams hätten die Marokkaner vielleicht nicht nur ihre honneur, sondern auch den ersten Sieg mit nach Hause genommen.

Verlockungen des Konjunktivs

Denn die Löwen können Tore schießen, sogar mehr als eines pro Spiel. Das erste war ein Geschenk der Herren Ramos von Real Madrid und Iniesta vom FC Barcelona, zweier Granden des Weltfußballs, die sich in der 14. Minute nicht entscheiden konnten, wer von beiden den Ball nehmen soll, was dann Marokkos Stürmer Khalid Boutaïb übernahm, der losrannte und Spaniens Torhüter David De Gea eiskalt tunnelte.

In diesem Moment waren alle Schüsse verziehen und vergessen, die die Löwen des Atlas in den Spielen zuvor neben und über das gegnerische Tor gesetzt hatten. Und die Patin verfiel für einige Minuten der Verlockung des Konjunktivs: Was wäre gewesen, wenn der Trainer den Stürmer Boutaïb schon im ersten Gruppenspiel ...?

Einige Tritte bis zur Pause

Fünf Minuten später war es mit dem "Was-wäre-wenn…" auch schon wieder vorbei. Iniesta machte seinen Fehler gut, spielte die marokkanische Abwehr schwindelig und den Ball mit allerfeinstem Gefühl auf den Fuß von Isco, der ihn zum 1:1 ins Netz drosch.

Noch bevor die Patin länger darüber nachdenken konnte, wie Benatia diesen Angriff abgewehrt hätte, sammelten seine Mitspieler binnen weniger Minuten vier gelbe Karten ein. Offenbar hatten sie von den Iranern in Sachen Grätsche, Ellbogencheck und Knöcheltritt einiges abgeschaut. Bis zur Pause legten die Löwen es eher darauf an, das Spiel in Unterzahl als mit einem Sieg zu beenden.