Südkorea – Deutschland 2:0

Tore: 1:0 Kim (90. + 2)
2:0 Son (90. + 6)

Was ist denn da passiert?

Deutschland hat also gegen Südkorea verloren und ist damit in der Vorrunde der WM ausgeschieden. Bei aller Vorsicht vor Übertreibungen, und es ist ja auch nur Fußball, aber: Das ist historisch. Das ist einer deutschen Mannschaft noch nie passiert. Nicht einmal in schlimmsten, schon längst vergessen geglaubten Rumpelfußballzeiten. Nun hat es die Weltmeister erwischt, Verzeihung, die bald ehemaligen Weltmeister.

Wie lief das Spiel?

Es war nicht schön anzuschauen. Die Mannschaft spielte ideenlos, lustlos, als warte sie darauf, dass diese lästige Vorrunde endlich zu Ende geht. Mit fortschreitender Spieldauer kam die Angst vor der Blamage hinzu. Einfachste Dinge klappten nicht mehr: Ballannahmen, Pässe über fünf Meter, selbst Manuel Neuer verließen seine magnetischen Superkräfte, einmal ließ er einen Ball fallen. Das Team spielte, als verließe es sich auf einen Geniestreich wie zuletzt den Freistoß von Toni Kroos. Nur: Wo nicht viel Genie ist, kann man lange warten. Bieder spielte die Mannschaft, langsam. "Das ist keine Zeitlupe, sondern die reale Geschwindigkeit", kommentierte Béla Réthy im ZDF. Réthy war somit bester Deutscher in Kasan. Die DFB-Elf bestimmte zwar das Spiel, versammelte sich um den südkoreanischen Strafraum, aber echte Chancen gab es kaum. Als dann in der zweiten Halbzeit die Schweden im Parallelspiel gegen Mexiko in Führung gingen, erst mit 1:0, dann 2:0 und 3:0, war klar, dass die deutsche Elf ein Tor brauchte. Es war nur nicht klar, wer es schießen sollte. Und, kleiner Spoiler, das Rätsel ist bis jetzt ungelöst.

Wer hatte die größte deutsche Chance?

Das war Mats Hummels, der sich in der 87. Minute frei vor dem Tor in die Luft schraubte, aber den Ball statt mit dem Kopf nur mit der Schulter erwischte. "Wenn ich den Ball reinköpfe, reden wir davon, wie geil es ist, weiterzukommen, jetzt reden wir von was ganz anderem", sagte er nach dem Spiel. Von Hummels bleiben von diesem Turnier Weltklasseleistungen wenigstens vor der Kamera. Und dann kamen die Südkoreaner. Obwohl sie schon längst keine Chance aufs Weiterkommen mehr hatten, konterten sie immer wieder mit der morbiden Lust, den Weltmeister ins Grab zu schubsen. In der Nachspielzeit machten sie das 1:0, das der Schiedsrichter wegen Abseits erst zurücknahm. Nach Überprüfung durch den Videoschiedsrichter gab er es korrekterweise doch, das Zuspiel kam nämlich von Toni Kroos, der auch dieser Nachspielzeit seinen Stempel aufdrücken wollte. Als Manuel Neuer in der 96. Minute aus dem Tor geeilt war, um seinen Kollegen zu helfen, fiel das 0:2. Leichenfledderei.