Deutschland – Mexiko 0:1 (0:1) (zum Spielblog)

Tor: 0:1, Hirving Lozano (35. Minute)

Wie war das Spiel?

Aufregend, mit vielen Torszenen, beste Unterhaltung eigentlich. Wäre da nicht das aus deutscher Sicht eher unerfreuliche Ergebnis. Eine Niederlage zum Auftakt, das gab es seit 36 Jahren nicht mehr. Das DFB-Team spielte selbstgefällig, langsam, uninspiriert, teilweise taktisch fast dumm. Es lief genau in die Fallen, die Mexiko stellte. Was sich in den Testspielen schon andeutete, ist nun WM-Realität geworden. Seien wir ehrlich: Wer gegen Österreich verliert, hätte auch gleich zu Hause bleiben können.

War der Sieg der Mexikaner verdient?

Ja. Vielleicht ein Schock für die Freunde schwarz-rot-goldener Außenspiegelsocken, aber auch in anderen Ländern wird Fußball gespielt. Mexiko spielte mit Herz und Hirn. Manuel Neuer, quasi frisch aus der Reha, hatte gleich viel zu tun. Immer wieder schlugen die Mexikaner lange Bälle hinter den aufgerückten Kimmich. So gut wie jeder Fußballtrainer auf der Welt weiß, dass Pässe in die offenen Räume hinter den aufgerückten Außenverteidigern das beste Mittel sind, um der deutschen Mannschaft Probleme zu machen. Was niemand ahnte: Dass das nicht der einzige Schwachpunkt des Teams ist. Im Mittelfeld hatten die Mexikaner nach deutschen Ballverlusten mehr Platz als in der heimischen Sonora-Wüste, fühlten sich dort aber ungleich wohler. Weil Joachim Löw unter Absicherung an diesem Tag wohl nur verstand, das Ersatzdeo einzupacken, konnten einem die deutschen Innenverteidiger Hummels und Boateng fast leidtun. Mats Hummels regte sich nach dem Spiel zu Recht auf.

Was war beim Gegentor los?

Gegentore sind ja wie ein Flugzeugabsturz: immer eine Verkettung von Fehlern. Der unglaublich behäbige Sami Khedira verlor in des Gegners Hälfte den Ball, Mexiko sah plötzlich viel grüne Wiese vor sich. Als dann auch noch Mats Hummels einen Fehler machte, der eigentlich schon längst nach ihm benannt sein müsste, (hummeln: das überstürzte, in dieser Situation aussichtslose Angreifen des Gegners und Dabei-ausgespielt-Werden) war das Gegentor kaum noch zu verhindern. Mesut Özil, der ungefähr einmal im Jahr mit nach hinten trabt und das Pech hatte, in genau dieser Szene zu landen, sah bei seinem Rettungsversuch unglücklich aus, weil er keinen Elfmeter verursachen wollte. Manuel Neuer kam nicht mehr schnell genug in die kurze Ecke. Auch Deutsche unter den Opfern. Oder: nur.

Und dann?

Kurz darauf setzte Kroos einen Freistoß an die Latte. Später, in Halbzeit zwei, sah die deutsche Mannschaft besser aus. Nicht gut, aber besser. Auch, weil Mexiko sich zurückzog, die erste Hälfte hatte Kraft gekostet. Die Nordamerikaner (ja, echt, schauen Sie bei Wikipedia) konterten nur noch, hätten mit ein wenig mehr Seriösität noch das ein oder andere Tor machen können. Das deutsche Team versuchte viel, mehr als ein paar Halbchancen und ein Hieb an den Außenpfosten von Julian Brandt in der 89. Minute kam aber nicht zustande.

Können wir die Fanmeile nun abbauen?

Na ja, so richtig braucht die ja eh keiner. Aber abgesehen davon: Noch ist nichts verloren. Also das Auftaktspiel schon, aber das Turnier noch nicht. Gegen Schweden und Südkorea kann auch eine mittelmäßige deutsche Mannschaft gewinnen. Allerdings könnte es eng werden mit dem Gruppensieg. Als Gruppenzweiter würde schon im Achtelfinale ein Gruppenerster warten, möglicherweise Brasilien, der Mitfavorit, der noch ein Hühnchen zu rupfen hat mit Joachim Löws Team. Doch selbst das Szenario Vorrundenaus ist nicht undenkbar. Gegen Schweden steht die Löw-Truppe unter Druck. Eine unbekannte Situation für die Mannschaft. Fast wie Abstiegskampf. Ob das etwas für Julian Draxler ist?

Was ist sonst noch wichtig?

In Mexiko-Stadt meldeten Seismografen nach dem Tor ein kleines Erdbeben. Experten vermuten, der kollektive Torjubel könnte es verursacht haben. Liebe Mexikaner, im Finale stellt Ihr euch dann bitte alle in Türrahmen, hört Ihr?

Und zum Schluss?

Unter dem Sportminister Horst Seehofer konnte die deutsche Elf noch kein WM-Spiel gewinnen. Nur mal so.

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