Russland – Saudi-Arabien 5:0 (2:0)

1:0 Gasinski (12.)
2:0 Tscheryschew (43.)
3:0 Dsjuba (71.)
4:0 Tscheryschew (90. + 1)
5:0 Golovin (90. + 5)

Wie war das Spiel?

5:0 klingt nach einem Spektakel, für die WM-Stimmung in Russland ist das auch ein gutes Ergebnis. Ein Eishockey-Ergebnis fast, im eishockeyverrückten Land. Aber ehrlich gesagt: Viel mehr als die Tore gab es nicht zu sehen. Man wundert sich ja bei dem ganzen Bohei, das um so ein Turnier gemacht wird, wie schlecht der dargebotene Fußball manchmal ist. Zeitweise hatte die Partie das Niveau eines Zweitliga-Kicks. Die maue Qualität des Spiels verwundert wenig, schließlich standen vom Papier her die zwei schlechtesten Mannschaften der WM auf dem Platz. Und das beim Eröffnungsspiel. Die Fifa weiß eben, wie sie Appetit auf mehr macht. Ein bisschen gähnen wir deshalb schon jetzt mit Blick auf die WM 2022, wenn das Teilnehmerfeld auf 48 Teams aufgestockt wird. Dann wird Liechtenstein gegen Indonesien eröffnen, freuen Sie sich drauf.

Wie fielen die Tore?

Von denen waren einige tatsächlich schön anzusehen. Das 4:0 war ein technisch hochwertiger Außenristschlenzer von Denis Tscheryschew. Der war in der 24. Minute für den verletzten Dsagojew gekommen (der arme Kerl hatte schon die EM 2016 verpasst, als bei ihm wenige Stunden nach Bekanntgabe des Kaders ein Mittelfußbruch diagnostiziert worden war) und traf kurze Zeit später zum 2:0. Doppeltorschütze im Eröffnungsspiel im eigenen Land, für Tscheryschew war es ein guter Tag. Schön geschlenzt war auch das 5:0, ein Freistoß von Aleksandr Golovin, auch wenn man Saudi-Arabiens Torwart Abdullah al-Mayouf die Sache mit dem Mauerbau noch einmal erklären sollte. Da hat Oliver Kahn noch eine Menge Arbeit vor sich.

Muss ich meinen Weltmeister-Tipp nun ändern?

Eher nicht. Russland ist fraglos das bisher beste Team der WM. Aber Saudi-Arabien stellte sich wirklich schlecht an. In einem Eishockeyspiel hätten die Saudis nicht viel schlimmer ausgesehen. Ihre Innenverteidiger hatten Mühe, sich den Ball überhaupt zuzupassen, beim 2:0 grätschten gleich zwei Abwehrspieler am Stürmer vorbei, Kopfbälle können sie auch nicht. Russlands Torwart Akinfeew musste keinen ernstzunehmenden Ball halten. "Die Mittel der Saudis sind begrenzt", sagte der ARD-Kommentator Tom Bartels. Ein Satz, den sie auf der arabischen Halbinsel eher selten zu hören bekommen. Andererseits: Es war genau diese saudi-arabische Mannschaft, die dem DFB-Team im letzten Testspiel fast ein Unentschieden abgerungen hätte.

Ist Wladimir Putin zufrieden?

Wir gehen mal davon aus. Die Kamera zeigte ihn immer wieder auf der Ehrentribüne, wie er nach jedem russischen Tor in einer Mischung aus Scham und Arroganz zum saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman gestikulierte, der zwei Plätze neben ihm saß. Dazwischen: der Fifa-Präsident Gianni Infantino. Wenn man die drei so nebeneinander sieht, ist klar: So schön kann Fußball sein.

Wie war die Eröffnungsfeier?

Relativ unspektakulär. Robbie Williams sang noch einmal ein Medley seiner besten Hits, so wie man es von den Künstlern aus Möbelhaus-Eröffnungen kennt. Ganz schön grau ist er geworden. Obwohl, einen Aufreger gab es doch: Während Rock DJ streckte er bei der hinzugedichteten Zeile "I did this for free" seinen Mittelfinger in die Kamera. Wohl eine Reaktion auf die Kritik aus England, dass er sich mit dem WM-Auftritt an Wladimir Putin verkauft hätte. Der ließ es sich natürlich nicht nehmen, auch noch eine Rede zu halten: "Unser Herz schlägt sehr hoch für diesen Sport. Wir sind ein offenes, gastfreundliches Land, in dem unsere Gäste viele Freunde finden werden." Falls ihnen nicht empfohlen wird, lieber zu Hause zu bleiben.