Bundestrainer Joachim Löw hat nach dem WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft gegen Südkorea die Frage nach seinem Rücktritt offengelassen. "Es ist zu früh für mich, die Frage zu beantworten, jetzt brauchen wir ein paar Stunden, um klarzusehen", sagte der 58-Jährige im ZDF.

Auf einer Pressekonferenz später bezeichnete Löw das Ausscheiden als konsequent. "Wir haben es bei diesem Turnier nicht verdient, erneut Weltmeister zu werden. Wir haben es nicht verdient, dass wir in dieser Gruppe weiterkommen."Die Mannschaft habe nie die Möglichkeit gehabt, in Führung zu gehen, sondern sei immer einem Rückstand hinterhergelaufen.

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte war die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in der Gruppenphase einer WM gescheitert. Das Team von Bundestrainer Joachim Löw verlor mit 0:2 gegen Außenseiter Südkorea.

DFB-Teammanager Oliver Bierhoff rechnet trotz der Niederlage nicht mit einem Rücktritt Löws. "Es ist nicht der Zeitpunkt, Einzelanalysen zu machen. Ich gehe fest davon aus, dass Jogi weitermacht", sagte er in einer ersten Reaktion nach dem Spiel. DFB-Präsident Reinhard Grindel wollte sich nicht dazu äußern. "Darüber will ich nicht spekulieren. Wir haben vor der WM gesagt, wir trauen ihm das zu bis 2022. Das ist nach wie vor meine Meinung", sagte er.

"Ganz, ganz bitterer Abend"

Mitglieder der Mannschaft äußerten sich fassungslos über die Niederlage, so etwa Mats Hummels: "Ganz schwierig, in Worte zu fassen. Wir haben bis zum Schluss dran geglaubt. Wir haben den Ball nicht ins Tor gebracht. Wir hatten genug Gelegenheiten. Das hat uns heute das Genick gebrochen", sagte der Abwehrspieler nach dem Spiel. "Das letzte überzeugende Spiel war im Herbst 2017. Das ist ein ganz, ganz bitterer Abend."

Sami Khedira äußerte sich ebenfalls zutiefst enttäuscht. "Das ist jetzt einer der schwersten Momente für die Mannschaft und auch für mich persönlich. Wir haben gesagt, dass gerade die Weltmeister das Team tragen müssen, das ist nicht einfach, aber wir wollten das so. Aber wenn man so bitter ausscheidet, muss man die Verantwortung auf sich nehmen", sagte er. "Das tun wir zu 100 Prozent. Dementsprechend müssen wir mit den Konsequenzen leben." Der Anspruch der Mannschaft sei sicher nicht gewesen, 2:1 gegen Saudi-Arabien zu gewinnen oder gegen Österreich zu verlieren. "Das komplette Team muss die Verantwortung übernehmen, die Führungsspieler als Erste. Wir müssen jetzt die Schlüsse ziehen, aber definitiv nicht heute."

Der offizielle Twitter-Kanal der deutschen Mannschaft fand nur ein Wort zu der WM-Pleite: "Sprachlos", hieß es dort. Der frühere Nationaltorhüter Oliver Kahn zeigte sich verständnislos: "Das Nationaltrikot wiegt für jeden mehrere Tonnen, wie eine Last, die auf den Spielern liegt. Man hat nicht das Gefühl gehabt, dass in dieser Mannschaft eine Achse vorhanden ist. Es bleibt ein Rätsel, wie man in so einem Zustand der phasenweisen Apathie dieses letzte Gruppenspiel hingenommen hat." Ähnlich wütend twitterte Ex-Profi Mario Basler: "Wenn du dieses Spiel nicht gewinnst, hast du in einem Achtelfinale auch nichts verloren! Dann gehörst du da nicht hin! Fertig!" Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder schrieb: "Ich brauche jetzt einen Drink...oder zwei".

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier versuchte, nach vorne zu schauen. "Wir sollten herausfinden, wo die Fehler waren. Wo haben wir Chancen vergeben und was können wir tun, um im nächsten Turnier präsent zu sein?", sagte er.

Mut wollte auch der ehemalige Nationalspieler Arne Friedrich der Mannschaft machen:

Es gibt auch Schadenfreude

Der brasilianische Fernsehsender Fox Sports Brasil hatte das gesamte Spiel über auf Twitter Südkorea angefeuert. Nach Deutschlands Niederlage entlud sich dann die ganze Schadenfreude in diesem Tweet:

Der Twitter-Kanal der MIT Technology Review lehrte uns: Die Technik war zwar auf der Seite des deutschen Teams – sie hat jedoch nicht immer recht.