32 Mannschaften treten bei der Fußballweltmeisterschaft an. Für jede hat eine Redakteurin oder ein Autor von ZEIT ONLINE oder DIE ZEIT die Patenschaft übernommen. Unsere WM-Paten begleiten ihr Team durchs Turnier und schreiben persönliche Spielberichte.

Belgien – Japan 3:2

Niemals so ganz zu gehen ist ein Luxus, der nur wenigen vergönnt ist. Häufig bleibt nach einem Abschied nicht viel Erinnernswertes, was die deutsche Nationalmannschaft bei dieser Fußball-WM eindrucksvoll bewiesen hat. Die Welt schaut gerne auf den Jubel der Sieger, und die mit den Tränen kämpfen, werden schnell vergessen – es sei denn, sie heißen Cristiano Ronaldo oder Sergio Ramos, aber selbst deren Hundeblicke rühren nur kurz.

Wenn jedoch Mitte Juli nach dem Finale in Moskau die Sender wieder die besten Szenen des Turniers aneinanderschneiden, dann wird darin sicher auch Japan vorkommen. Zwar hat das Team die Gruppenspiele nur deshalb überstanden, weil die Spieler zwei Gelbe Karten weniger kassiert hatten als die des Senegal. Immerhin jedoch, tröstete sich der Teampate, würden die Bilder der japanischen Fans und ihrer blauen Plastiktüten bleiben, mit denen sie nach den Spielen die Zuschauerreihen im Stadion von mitgebrachten Pappbechern und Plastikflaschen befreiten.

An diesem Abend aber kommen noch andere Bilder hinzu. Der Teampate hat sich darauf eingestellt, Abschied zu nehmen. Er weiß, gegen Belgien mit seiner superstargespickten Mannschaft ist der Traum vom japanischen Viertelfinaleinzug eher ein: Traum. Belgien hat Romelu Lukaku von Manchester United, Eden Hazard vom FC Chelsea und Kevin de Bruyne von Manchester City. Bei Japan spielt Makoto Hasebe von Eintracht Frankfurt und Yuya Osako ist eben erst mit dem 1. FC Köln abgestiegen. Außerdem scheidet Japan seit Jahren bei einer Fußball-WM in der Vorrunde aus, bei der nächsten im Achtelfinale, dann wieder in der Vorrunde und so weiter. 2018 wäre wieder das Achtelfinale dran. Das Gesetz der Serie, das weiß der Teampate, ist stärker als spielerische Klasse.

Favorit nur in Tippspielen

Dass es dann beinahe anders gekommen wäre, ist vielleicht der Eigendynamik dieser WM geschuldet, in der Favoriten in Tippspielen existieren mögen, aber nicht auf dem Platz, wo bekanntlich die Wahrheit liegt. Und so hätte Japan beinahe den großen Favoriten aus dem Turnier gekegelt und zwar nicht weil – wir zitieren hier leicht abgeändert Béla Réthy – die Mannschaft ein "Feuerwerk am Don" angezündet hätte, sondern weil sie taktisch klug und diszipliniert Fußball spielte.

Japan beginnt stark. Von der ersten Minute an stören sie die belgischen Fußballkünstler. Kaum haben Lukaku und Co. den Ball erobert, stürzen ein, zwei Japaner auf sie zu und gehen den Roten so lange gehörig auf die Nerven, bis sie wieder den Ball kontrollieren.

Aber sie stören nicht nur den Spielfluss des Favoriten und verteidigen. Japan überrascht mit einem munterem Offensivspiel, meistens über die Außen, gerne über links, mit Inui, der in der 30. Minute nach einer Flanke von Nakatomo in die Arme des belgischen Torwarts köpft. 

In der zweiten Halbzeit braucht Japan genau drei Minuten, um das belgische Team in kollektive Fassungslosigkeit zu versetzen. Vorne verliert ein belgischer Spieler den Ball, Japan kontert blitzschnell, Shibasaki nach rechts zu Haraguchi, der hat zu viel Platz, läuft auf Belgiens Torhüter Courtois zu und trifft ins lange Eck zur Führung. Drei Minuten später passt Kagawa auf Inui, der zwar von fünf Belgiern registriert, aber nicht angegriffen wird. Und so schießt Inui einfach und trifft ins rechte Eck zum 2:0.