Die neue belgische Anmut ist ganz einfach. "Das letzte Tor war sehr schön", sagte Romelu Lukaku, als er zwischen Achtel- und Viertelfinale im Hauptquartier der Roten Teufel vor die Presse trat. Er meinte den Treffer, der sein Team zum Last-minute-Sieger gegen Japan machte, und der wohl in keiner Best-of-Compilation dieser WM-Wochen fehlen wird: Lukaku, der Thomas Meuniers Zuspiel in aussichtsreicher Position mit größtmöglicher Eleganz und einem Hauch Hacke Nacer Chadli überlässt: "Ich bin nicht egoistisch. Ist ein anderer Spieler besser postiert, gebe ich ab oder lasse den Ball durch. Ich hoffe, dass diese Einstellung uns weit bringt."

Eine Woche später ist die Hoffnung Wirklichkeit geworden. Belgiens viel zitierte Goldene Generation steht im Halbfinale und damit auf gleicher Höhe mit der legendären Truppe um Jean-Marie Pfaff, Eric Gerets und Jan Ceulemans, denen 1986 das beste Ergebnis der belgischen Geschichte gelang. Nach dem Stunt gegen Brasilien bekam die Fußballwelt sich kaum noch ein, rühmte das taktische Geschick Roberto Martínez' und einmal mehr Romelu Lukaku, der beim vorentscheidenden 2:1 mit ein paar Ballberührungen im Vollsprint allein das Mittelfeld überbrückte und für Kevin De Bruyne auflegte.

Ein Pop-up-Albtraum

Es gab in diesem Spiel mehr Besonderheiten. Lukaku, der in diesen Tagen auch durch einen viel zitierten Ichtext von sich reden machte, in dem er eindrucksvoll die Armut seiner Kindheit beschreibt, bewies, dass er längst nicht nur ein schneller, bulliger Mittelstürmer mit Torinstinkt ist. Wie er seinem Gegenspieler Miranda nach einem Übersteiger im brasilianischen Strafraum einen Tunnel setzte, gehört zu den Höhepunkten des wohl intensivsten Matches dieser WM. Da waren auch die Antritte De Bruynes, die er während fürwahr teuflischer belgischer Konter in der ersten Halbzeit startete, gekrönt von diesem fulminanten Treffer ins lange Eck. In der ihm eigenen Nüchternheit kommentierte De Bruyne: "Ich sah eine Lücke und probierte zu schießen."

Dann ist da noch Eden Hazard, der dritte im Bunde, der Vincent Kompany als Kapitän ablöste und nach durchwachsener Saison in Chelsea ankündigte, für eine "großartige WM" bereit zu sein. Bislang macht er sein Versprechen wahr. Für die brasilianische Abwehr war Belgiens Nummer Zehn ein Pop-up-Alptraum, ein Schreck, der ihnen tempodribbelnd in die Glieder fuhr und entsprechend oft zu Boden gestreckt wurde. Belgische Medien feierten Hazard später dafür, dass er über das ganze Match zehn Dribblings startete und alle erfolgreich abschloss – der beste Wert für einen Spieler, seit man 1966 diese Statistiken zu erheben begann.