Der Deutsche Fußball-Bund hat den von Mesut Özil erhobenen Vorwurf des Rassismus in einer Stellungnahme zurückgewiesen. Der DFB bedauerte den Abschied des Mittelfeldspielers aus der Nationalmannschaft – und räumte eigene Versäumnisse ein.

Wörtlich hieß es in der Stellungnahme des DFB-Präsidiums: "Die Bilder mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdoğan haben deshalb bei vielen Menschen in Deutschland Fragen aufgeworfen. Dass der DFB im Umgang mit dem Thema dazu auch einen Beitrag geleistet hat, räumen wir selbstkritisch ein. Und dass Mesut Özil das Gefühl hatte, als Ziel rassistischer Parolen gegen seine Person nicht ausreichend geschützt worden zu sein, wie es bei Jerôme Boateng der Fall war, bedauern wir." 

Der DFB leiste jedoch seit Jahren wichtige Integrationsarbeit und weise den Vorwurf des Rassismus "mit Blick auf seine Repräsentanten, Mitarbeiter, die Vereine, die Leistungen der Millionen Ehrenamtlichen an der Basis in aller Deutlichkeit zurück", heißt es. Als Beispiel für die Integrationsarbeit nennt der DFB die Verleihung des Integrationspreises – zudem habe er die Kampagne 1:0 für ein Willkommen ins Leben gerufen und Zehntausende Flüchtlinge in die Fußballfamilie integriert. "Der DFB steht für Vielfalt, von den Vertretern an der Spitze bis zu den unzähligen, tagtäglich engagierten Menschen an der Basis", heißt es in der Stellungnahme.

Keine Angaben zur Zukunft Grindels

Zu personellen Konsequenzen und der Zukunft des in der Kritik stehenden Reinhard Grindel machte der Verband keine Angaben. Der 56 Jahre alte DFB-Chef, der derzeit im Urlaub verweilen soll, wurde in der veröffentlichten Mitteilung nicht zitiert. Einzelne Politiker forderten in der Debatte um Integration einen Rücktritt Grindels.

Am Sonntag hatte Mesut Özil in einer dreiteiligen Stellungnahme erklärt, er werde aus der deutschen Nationalmannschaft zurücktreten. Als Grund nannte er unter anderem, er fühle sich "rassistisch angefeindet und nicht respektiert". Insbesondere hatte er den DFB und dessen Präsident Reinhard Grindel kritisiert. Dieser habe ihn nach der Erdoğan-Affäre aus dem WM-Kader haben wollen, so Özil. Jedoch hätten sich Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff für ihn eingesetzt. In den Augen Grindels und seiner Unterstützer sei er indes nur dann "Deutscher, wenn wir gewinnen, aber ein Einwanderer, wenn wir verlieren", so Özil weiter. Er werde nicht länger als Sündenbock bereitstehen für Grindels "Inkompetenz und Unfähigkeit, seinen Job ordentlich zu erledigen", schrieb der Fußballer.

Grindel saß von 2002 bis 2016 für die CDU im Bundestag, DFB-Präsident wurde er im April 2016. Özil ging in seinem Statement auch auf Grindels Tätigkeit als Politiker ein: Etwa, dass Grindel einst gesagt habe, er halte Multikulti für einen Mythos und eine Lebenslüge.

Özil und sein Nationalmannschaftskollege İlkay Gündoğan hatten sich kurz vor ihrer WM-Nominierung mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan fotografieren lassen, woraufhin ihnen Wahlkampfhilfe für den türkischen Präsidenten vorgeworfen wurde. Gündoğan hatte sich noch vor der WM zu den Vorwürfen geäußert und seinen familiären Bezug zur Türkei betont. Özil hatte dagegen bis jetzt geschwiegen. 

Nach dem Vorrundenaus bei der WM in Russland hatte DFB-Präsident Grindel eine öffentliche Erklärung vom Nationalspieler gefordert. Teammanager Oliver Bierhoff dachte öffentlich darüber nach, ob man Özil vielleicht besser nicht mit zur WM genommen hätte, relativierte jedoch anschließend seine Aussage.

Der Zentralrat der Muslime verteidigte Özil. "Was da jetzt an Respektlosigkeit, Vorurteilen und auch an Rassismus über ihn (...) sich ergoss, das ist beispiellos und furchterregend", sagte der Ratsvorsitzende Aiman Mazyek. Es werde immer nur Özil kritisiert, während der DFB außen vor gelassen werde. "Ich denke, das kann man nicht machen."