Ottmar Hitzfeld hält den Umgang des DFB mit Mesut Özil und Ilkay Gündoğan für falsch. "Ich glaube, dass man Özil und Gündoğan damit keinen Gefallen getan hat, sie mit zur WM zu nehmen, wo sie unter so gewaltigem Druck standen", sagte Hitzfeld dem Sportbuzzer. "Man hätte sie aus meiner Sicht schützen müssen und zu Hause lassen, um danach wieder einen Neuanfang zu machen." Dann hätte man während des Turniers Ruhe gehabt, "das Thema wäre gegessen gewesen", sagte der ehemalige Trainer des FC Bayern München und von Borussia Dortmund.

Vor der WM hatten die Nationalspieler Mesut Özil und İlkay Gündoğan den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan getroffen und gemeinsame Fotos gemacht. Daraufhin empörten sich viele Deutsche und warfen den beiden mangelnde Loyalität zur deutschen Nationalmannschaft vor. Beide sind Enkel türkischer Einwanderer.

Die Affäre um die Fotos habe "sicher auch Einfluss auf die Mannschaft" gehabt, schrieb der 69-jährige Hitzfeld in einer Kolumne. "Die Spieler wurden ja ständig damit konfrontiert und bekommen auch mit, was geschrieben wird. Das war sicher nicht förderlich", sagte der frühere Schweizer Nationalcoach.

Die frühere Bundesbeauftragte für Integration, Aydan Özoğuz (SPD), warnte vor langfristigen Folgen durch die erhitzten Debatten. Natürlich seien die vor der Fußball-WM entstandenen Fotos mit Erdoğan "für viele, die mit Sorge die Lage in der Türkei verfolgen, enttäuschend und schwer nachvollziehbar", sagte sie. Sie sei dafür, Probleme und Enttäuschungen klar zu benennen. "Gleichzeitig sollten wir die große Leistung unserer Gesellschaft, das Zusammenleben so vieler Menschen über Jahrzehnte erfolgreich zu gestalten, nicht verkennen." 

Die Fotos hatten zu einem Eklat geführt, dessen Nachwirkungen die deutsche Elf durch das Turnier begleiteten. Nach dem Vorrundenaus der Elf von Bundestrainer Joachim Löw hatten DFB-Präsident Reinhard Grindel und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff zuletzt eine öffentliche Erklärung des bislang zu dem Thema schweigenden Weltmeisters Özil verlangt. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland forderte daraufhin den Rücktritt von Bierhoff und Grindel.