Der Weltmeister Lewis Hamilton und sein Herausforderer Sebastian Vettel sind sich in diesen Tagen selten einig. Vor zwei Wochen gewann Vettel das Rennen in Silverstone, in Hamiltons Wohnzimmer also, wie Vettel freudig betonte. Hamilton wiederum sagte neulich, Vettel solle nicht so viel "labern", zumindest konnte man es so übersetzen. 

Es gibt in diesen Tagen aber ein Thema, bei dem sie sich einig sind. Es geht um den Hockenheimring, an dem am Sonntag der Große Preis von Deutschland stattfindet, das einzige Formel-1-Rennen in Deutschland. Und so wie es aussieht für lange Zeit das letzte. Vielleicht sogar für immer. "Wir sind in der ganzen Welt für unsere Autos bekannt. Aber alles läuft aufs liebe Geld hinaus. Andere Nationen sind Willens, ihren Grand Prix zu finanzieren, Deutschland tut das nicht, um sich selber international in die Auslage zu stellen. Das ist sehr bedauerlich", sagte Vettel. "Ich weiß, wie hart die Menschen hier arbeiten, nur um eine schwarze Null zu erhalten. Aber ohne öffentliche Gelder ist das in der Formel 1 unheimlich schwierig geworden." 

Lewis Hamilton wundern diese Geldprobleme ein bisschen, "weil Deutschland doch wirtschaftlich ein so starkes Land ist." Aber der Mercedespilot, der es für "sehr wichtig hält, dass die klassischen Formel-1-Standorte wie England, Deutschland oder Italien erhalten bleiben", spricht noch einen weiteren Punkt an: "Ich hoffe, dass die ganz da oben an der Spitze der Formel 1 das auch realisieren."

Die Zukunft der Formel 1 sieht wohl anders aus

1970 war die Formel 1 zum ersten Mal auf dem Hockenheimring zu Gast. Jochen Rindt, Niki Lauda, Ayrton Senna, Michael Schumacher, sie alle haben dort schon gewonnen. Die Strecke ist selbst legendär geworden. Im sogenannten Motodrom fühlen sich die Piloten, als ob sie durch ein Fußballstadion rasen. Die Fahrer schwärmen davon. Doch nun ist wohl Schluss. Es geht ums Geld – und darum, wie die neuen Besitzer der Formel 1 sich die Zukunft so vorstellen.

Georg Seiler, der Geschäftsführer der Hockenheimring GmbH, kann selbst in diesem Jahr, bei höheren Zuschauerzahlen, nicht auf große Gewinne hoffen. Der Vorverkauf lief gut, dank des engen WM-Kampfes zwischen Vettel und Hamilton, aber auch dank der holländischen Fans von Max Verstappen, die ihrem Idol in Europa überallhin nachreisen. 66.000 Karten sind bereits abgesetzt, das ist deutlich mehr als die 57.000 Fans, die bei der letzten Auflage 2016 kamen. Insgesamt erwartet Seiler am Sonntag 70.000 Zuschauer, sogar eine lange nicht benötigte Zusatztribüne wurde wieder aufgebaut. 

Aber: Angesichts der komplizierten Vertragsstrukturen bedeuten mehr Zuschauer nicht unbedingt die Rettung. Neben den zwölf Millionen Euro Antrittsgebühr an die Formel 1 sind, zumindest im bestehenden Vertrag, 100 Euro zusätzlich für jedes Ticket über 50.000 verkauften zu entrichten.

Dieser Vertrag, noch mit Bernie Ecclestone geschlossen, läuft nun aus – ein neuer müsste mit den neuen Formel-1-Besitzern, Liberty Media, verhandelt werden. Doch die erscheinen bis jetzt nicht allzu entgegenkommend. Das ein oder andere Gespräch scheiterte bereits. Obwohl die neuen Formel-1-Bosse eigentlich immer betonen, wie wichtig ihnen der deutsche Markt sei. Aber die – offiziell nicht ausgesprochene - Wahrheit ist auch, dass es für sie dann nicht unbedingt Hockenheim sein sollte oder müsste.