Frankreich – Belgien 1:0

1:0 Umtiti (51. Minute)

Was war das für ein Spiel?

Eigentlich ein sehr schönes. Schließlich trafen in diesem Halbfinale die zwei wahrscheinlich talentiertesten Mannschaften der WM aufeinander. Demzufolge gab es nette Dribblings, viel Geschwindigkeit, komplexe Spielzüge und den ein oder anderen Trick zu bestaunen, für den man auch auf dem Bolzplatz gefeiert worden wäre (siehe unten). Doch dieses Spiel wäre kein Spiel der WM 2018 gewesen, wenn es nicht durch einen sogenannten ruhenden Ball entschieden worden wäre. Eine Lehre dieser WM: Bei einem ruhenden Ball muss man wach sein! 68 von 157 Toren fielen nach sogenannten Standardsituationen, also Freistößen, Ecken oder Elfmetern. Nun kam noch eines hinzu. Eckball Frankreich, Kopfball Umtiti, Tor, 1:0, das war's. Ein schnöder Standard entscheidet das Duell der Künstler. Das ist so, als wenn die Frage, ob denn nun die Beatles oder die Stones die beste Band aller Zeiten war, am Soundcheck beantwortet würde.

Was war mit Belgien los?

Die fingen sehr gut an. Zu Beginn der Partie spielten sie Spanien gegen Russland nach, mit Belgien als Spanien und Frankreich als Russland, Napoleon hätte das gefallen. Will sagen: Belgien drängte die Franzosen hinten rein. Vor allem Belgiens Dribbler mit dem tiefen Körperschwerpunkt, Eden Hazard, ließ Frankreichs Benjamin, den Außenverteidiger Pavard, ein ums andere Mal stehen, auch weil der einen viel höheren Körperschwerpunkt hat. Hazard hatte nach einer Viertelstunde schon zweimal gefährlich aufs Tor geschossen, so oft hatten Frankreichs Stürmer nicht mal den Ball. Kurz darauf hielt Frankreichs Keeper Hugo Lloris grandios gegen Belgiens Toby Alderweireld, der wirklich so geschrieben wird.

Und dann?

Frankreich schaute sich das Treiben in Ruhe an und drohte mit Kontern, ohne wirklich zu kontern. So etwas können nur Meister. Auch nach dem Tor änderte sich nichts. Belgien hatte meist den Ball, doch mehr als ein Kopfball von Fellaini und ein Schuss von Witsel sprang nicht heraus. Frankreich blieb cool. Wie sie hatte man auch als Beobachter nie das Gefühl, dass die Franzosen das Spiel hier noch einmal aus der Hand geben würden.

Welcher war denn nun der schönste Trick?

Den packte Frankreichs Kylian Mbappé aus. Der Kerl ist 19 Jahre alt und ein Glückspilz, ist er vom lieben Gott doch mit der Geschwindigkeit von Usain Bolt und der Ballbehandlung von Diego Maradona gesegnet (vielleicht übertreiben wir, aber Sie merken, wir sind begeistert). Er zauberte in der zweiten Halbzeit seinem Teamkollegen Oliver Giroud mit einem doppelten Hackentrick den Ball vor die Füße. Leider ist Olivier Giroud nur mit der Geschwindigkeit und Ballbehandlung von Mario Gómez gesegnet, weshalb sein Schuss noch abgeblockt wurde.

Wird Frankreich nun Weltmeister?

Womöglich schon. Die Mannschaft wirkt abgezockt, hat Geduld, kann das Tempo des Spiels variieren. Vorne sind Griezmann und Mbappé immer gefährlich (Giroud darf nur mitspielen, weil es zu zehnt zu anstrengend wäre). Im Mittelfeld haben sie mit N'Golo Kanté den wohl besten Sechser des Turniers, der immer schon fünf Sekunden eher als alle anderen weiß, wo der Ball hinkommt. Raphaël Varane in der Innenverteidigung hat bei seinem Real-Madrid-Kollegen Sergio Ramos sein Abwehrhandwerk veredelt, Samuel Umtiti ist auch kein schlechter. Die Mannschaft hat so gut wie keine Schwächen. Was man vom potentiellen Finalgegner, egal ob er nun Kroatien oder England heißt, nicht sagen kann.

Und Belgien?

Gehen raus mit Applaus. Auch wenn ihr zu Recht hochgelobtes Offensivdreieck an diesem Tag eher ein Punkt blieb. Romelo Lukaku war zwischen den französischen Innenverteidigern kaum auszumachen, Kevin De Bruyne spielte fahriger, als man es von ihm gewohnt war. Nur Eden Hazard zog wieder Dribbling um Dribbling, irgendwann wurde es dann aber auch für ihn zu viel. Die Goldene Generation Belgiens kann also höchstens noch Bronze holen. Für ein Land mit so viel Einwohnern wie Baden-Württemberg ist das aber ganz okay. Eine Baden-Württemberg-Auswahl wäre bei dieser WM jedenfalls sicher nicht so weit gekommen, selbst wenn der Trainer aus dem Schwarzwald gekommen wäre und Jogi Löw geheißen hätte. Oder gerade deshalb nicht?