Tor: Thibaut Courtois (Belgien)

Wer arrogant ist, muss auch sehr gut sein, sonst hat man nicht viel zu lachen. So wie Belgiens Thibaut Courtois: "Ich hätte den Schuss wahrscheinlich gehalten. Er war zu sehr damit beschäftigt, seine Beine in die Luft zu werfen", spottete er über den englischen Torhüter Jordan Pickford nach Belgiens 1:0-Sieg gegen England in der Gruppenphase. Den Franzosen warf er nach der Niederlage im Halbfinale "Anti-Fußball" vor. Courtois kam mit seinen hämischen Sprüchen ungestraft davon, denn wer will schon dem besten Torhüter des Turniers widersprechen? Im Viertelfinale probierten die Brasilianer vergeblich, den Ball zum Ausgleich an Courtois vorbeizubugsieren. In der Nachspielzeit ließ er Neymar mit seiner Parade nach einem Schuss aus 17 Metern fassungslos zurück. Coutois Eltern und seine Schwester sind beziehungsweise waren professionelle Volleyballspieler, dennoch ist zurzeit er der beste Blocker in der Familie.

Rechte Abwehr: Kieran Trippier (England)

Kieran Trippier steht für das englische Team bei dieser WM. Im Vorfeld rechnete niemand mit ihm, er wurde zu einer der Entdeckungen des Turniers, doch am Ende reichte es nicht ganz. Trippier musste im Halbfinale kurz vor Schluss unter Schmerzen ausgewechselt werden. 112 Minuten zuvor hatte er England mit einem direkten Freistoß in Führung gebracht, den selbst David Beckham nicht besser hätte ins Tor streicheln können. Es war sein erster Treffer im zwölften Länderspiel. Eine eher ungewöhnliche Statistik für einen 27-Jährigen. Trippier erinnert an eine reifere Version von Joshua Kimmich. Er flankt ebenso präzise wie unermüdlich, vernachlässigte dabei allerdings nicht seine Pflichten als Verteidiger.

Innenverteidiger: Raphaël Varane (Frankreich)

Vor vier Jahren verlor Raphaël Varane im WM-Viertelfinale noch Mats Hummels aus den Augen, der dann das entscheidende 1:0 köpfte. Inzwischen würde das wohl nicht mehr passieren. Zum einen, da Hummels derzeit generell Schwierigkeiten hat, jemandem zu entwischen, zum anderen, weil aus Varane einer der besten Innenverteidiger der Welt geworden ist. Bei Real Madrid ist er der Nebenmann von Sergio Ramos, in der Nationalmannschaft übernimmt er die Rolle des Organisators und ist mit seinen nur 24 Jahren bereits Vize-Kapitän. Auch offensiv hilft er mit: Sein Kopfballtor im Viertelfinale knackte die zuvor undurchdringliche Defensive Uruguays.

Innenverteidiger: Diego Godín (Uruguay)  

Bis zum Viertelfinale musste Uruguay lediglich ein Gegentor hinnehmen. Mit ihrer Spielweise – aus einer nervtötenden Defensive heraus zu kontern – erinnerten die Urus in bester Weise an Atlético Madrid. Da überrascht es wenig, dass den Grundstein der Abwehrmauer José Giménez und Diego Godín bilden, zwei Spieler aus der spanischen Hauptstadt. Wie auch bei Atlético, ist Godín der defensive Organisator und zugleich Anführer der gesamten Mannschaft. Er spielt rustikal und scheut keinen Zweikampf, ähnlich wie Sergio Ramos. Doch anders als der Spanier, musste sich Godín nie vorwerfen lassen, mit unfairen Mitteln zu arbeiten. Nun soll Juventus Turin an der Verpflichtung des 32-Jährigen interessiert sein. Cristiano Ronaldo würde das sicher freuen. Er weiß nicht erst seit der Achtelfinal-Niederlage gegen Uruguay, wie unangenehm eine Abwehr mit Godín in der Mitte sein kann.

Innenverteidiger: Harry Maguire (England)

Harry Maguire war wohl einer der wenigen Spieler, die schon vor zwei Jahren wussten, dass sie in Russland dabei sein würden. 2016 reiste er als Fan während der EM durch Frankreich und hätte in diesem Sommer wahrscheinlich einen ähnlichen Trip nach Russland geplant. Doch anstatt in einem verschwitzten Englandtrikot Bier im Stadion auf dem Kopf zu balancieren, stand er bei dieser WM auf dem Feld. Auch in einem verschwitzen Englandtrikot, dafür aber nüchtern. Also, hoffen wir mal. Vor weniger als einem Jahr debütierte Maguire, damals 24, für die Nationalmannschaft, mit nur fünf Einsätzen für die Three Lions wurde er Stammspieler in der englischen Dreierkette. Maguire wirkt mit seinen 1,94 Metern Körpergröße und 100 Kilogramm Kampfgewicht wie ein Innenverteidiger der alten britischen Schule, besticht aber durch seine intelligente Spielweise und genauen Pässe. Bei Eckbällen, ohnehin eine Stärke der Engländer, war Maguire nicht aufzuhalten.

Linke Abwehr: Denis Tscheryschew (Russland)

Keine 24 Minuten waren gespielt, da musste Alan Dsagojew im Eröffnungsspiel verletzt ausgewechselt werden. Das im ersten Moment bittere Ausscheiden eines Leistungsträgers im Mittelfeld, erwies sich für Russland rückblickend als Glücksfall. Der eingewechselte Denis Tscheryschew erzielte gegen Saudi-Arabien zwei Tore, beim 4:0 schlenzte er den Ball herrlich mit dem linken Außenrist in den Winkel. Auch im zweiten Gruppenspiel traf er und im Viertelfinale gegen Kroatien brachte er mit dem vielleicht schönsten Tor des Turniers sein Team mit 1:0 in Führung.