Brasilien – Mexiko 2:0

Warum ist Brasilien weiter?

Weil sie Neymar haben, den größten verbliebenen Superstar des Turniers. Gegen Mexiko traf der Flügelspieler von Paris Saint-Germain zum 1:0, das 2:0 bereitete er perfekt für seinen Teamkollegen Roberto Firmino vor. Eine spielentscheidende und sensationelle Leistung, möchte man meinen.

Tatsächlich schafft es Neymar aber, dass auch neutrale Fans sich nicht recht über seine Glanzleistungen freuen, sondern ihm eher einen Zweikampf mit Willi Landgraf auf dem Ascheplatz wünschen wollen. Auch in Samara war Neymars Aufschrei groß. Mexikos Miguel Layún hatte ihm am Rande des Spielfelds zwar unfairerweise, aber doch nur leicht auf den Fuß getreten. Der Brasilianer krümmte sich, als habe er gerade einen Fuß oder zumindest einen großen Zeh verloren. Schmerzempfinden, das scheint tatsächlich eine der großen Stärken der Brasilianer bei dieser WM zu sein. Thiago Silva planierte den Rasen im Strafraum, derart heftig wälzte er sich nach einem Allerweltszweikampf hin und her. Stürmer Gabriel Jesus performte im mexikanischen Strafraum den sterbenden Schwan, stand aber geschwind wieder auf, als er keinen Pfiff hörte. Es war die Chronologie des Brasiliensiegs in einer Szene: Sie heulen, sie rennen, sie gewinnen.

Wer war bei den Brasilianern sympathisch?

Willian, der Flügelspieler, der am wenigsten am Boden lag, dafür aber ganz schnell rannte. Das wichtige, weil nicht selbstverständliche 1:0 der Brasilianer entsprang so einem Solo. Zuvor hatte Willian schon einige Male Unruhe in der mexikanischen Hintermannschaft gestiftet, weil die sperrigen Verteidiger der El Tri seinem Tempo nicht folgen konnten. Ein Tor hätte sich der Angreifer des FC Chelsea, der in der Vorrunde noch einer der Schwächeren im Team von Trainer Tite gewesen war, redlich verdient. Mexikos Guillermo Ochoa hielt seinen wuchtigen Schuss aber stark. Später verhinderte er bei einem Abschluss von Paulinho, dass Willian sich einen zweiten Assist holte.

Warum hatte Mexiko am Ende keine Chance?

Weil seine Spieler fast immer die falschen Entscheidungen trafen. Wenn sie passen mussten, dribbelten sie, wenn ein Dribbling Erfolg versprochen hätte, schossen sie, und wenn sie hätten schießen sollen, passten sie. Liest sich kompliziert, aber genauso war es halt auch.

Eigentlich hatten die Mexikaner einen guten Start ins Spiel, dominierten 20 Minuten lang. Brasilien war vom mexikanischen Pressing sichtbar überrascht und verlor schnell viele Bälle. Vorbei an den anfangs schwachen Außenverteidigern drangen die laufstarken Mexikaner immer wieder in die Spitze vor und erspielten sich einige Halbchancen. Kurzzeitig schien den Brasilianern ähnliches Ungemach wie den Deutschen zu drohen, doch im Gegensatz zur DFB-Elf gelang es den Favoriten, den Angriffswirbel der Mexikaner zu drosseln und die Kontrolle über das Spiel zu erlangen. Es gab zwar einige Aufreger für die mexikanischen Fans. Die resultierten aber nicht aus brennender Torgefahr – sondern daraus, dass gute Torchancen dann doch nicht entstanden. Mehrmals übersah ein mexikanischer Angreifer seine besser postierten Mitspieler.

Wo waren die Mexikaner überlegen?

Bei den Frisuren. Atze Schröder oder die Seniorinnen des Dame-Mühle-Clubs aus Finsterwalde – schon vor dem Spiel war klar, dass sich die Lockenpracht des Torwarts Ochoa ungefähr in dieser Liga bewegt. Einige andere Mexikaner überraschten nun aber mit wasserstoffblondierten Haaren. Das Problem: Chicharito, ihr bester Stürmer, fiel ausschließlich wegen seiner weißgelben Haare auf. Er spielte schwach und machte im brasilianischen Strafraum kaum Musik.

Wie geht es für die Brasilianer weiter?

Sehr wahrscheinlich mit dem Schwalben-, pardon, Elchtest gegen einen anderen Turnierfavoriten. Die Brasilianer müssen im Viertelfinale wohl gegen Belgien ran, die zuvor noch gegen Außenseiter Japan ihre Pflichtaufgabe zu erfüllen haben. Bisher spielen die Belgier brasilianischer als die Brasilianer. Sollte es zu diesem Traumviertelfinale kommen, dann müssten die Südamerikaner ihr Mittelfeld-Ass Casemiro entbehren, der seine zweite Gelbe Karte bekam.