Nach den Sicherheitsschleusen beginnt es: Der erste Fifa-Stand, zwei Etagen, ganz in Rot, ein Biersponsor. Oben auf einer Kanzel steht ein DJ und spielt alle WM-Songs der vergangenen Jahre. Zwei junge Frauen tanzen neben ihm im Minirock. Es gibt hier auch Bier, das muss man vielleicht erwähnen.

Die eigentliche Attraktion ist aber ein Quiz, das auf großen Bildschirmen gezeigt wird. "Welches Tier war das WM-Maskottchen 2014?" Oder: "Was ist der Name des ersten WM-Maskottchens?" Unter der DJ-Kanzel steht in einer Glasvitrine ein rot glitzernder Pokal. Nicht der WM-Pokal, sondern der des Sponsors. Man kann Fotos damit machen. Das erstaunliche ist: Es machen Leute Fotos damit. 

So sieht es aus im Fifa-Land. Wer in ein WM-Stadion will, muss an der Fanzone vorbei, in der die Sponsoren des Weltverbandes auf ihre Kunden lauern. Hier wird klar, dass an manchen Untergangszenarien, die rund um die Kommerzialisierung des Fußballs verbreitet werden, vielleicht doch was dran ist.

Ein Clown versucht, Zuschauer zu tunneln

Am Stand eines Autoherstellers kann man Fotos vor einer Wand machen, muss dafür aber wie an allen anderen Ständen seine Mailadresse auf ein iPad tippen. Ein Clown mit weiß angemaltem Gesicht rennt durch die Warteschlange und versucht, mit einem Ball Zuschauer zu tunneln. Einmal stolpert er über den Ball. 

Am Stand einer großen Limonadenfirma wird man auch fotografiert, das Foto wird auf einen Plastikbecher gedruckt. Ein schönes Souvenir für alle, die 30 Meter in der Schlange stehen wollen und vor ihrem WM-Spiel eine halbe Stunde Zeit haben.

Am Stand eines Smartphone-Herstellers ballert Dragostea Din Tei, zehn Dezibel lauter als am Stand der Limonadenfirma.

Am Stand des Fifa-Handysponsoren darf man an einem Glücksrad drehen. Ein Südkoreaner gewinnt ein verpacktes Zubehörteil für ein Handy, das er nicht hat.

Auf einem kleinen Kunstrasenfeld, etwas größer als ein Kickertisch, steuern Kinder Modellautos und versuchen damit, einen Ball ins Tor zu fahren. 

Geld abheben ist auch eine Attraktion

Eine Fluglinie hat Sitzsäcke auf ihren Stand geworfen. Hier werden, na klar, Fotos gemacht. Man richtet sein Gesicht so aus, dass es mit der Silhouette von Moskau, London oder Dubai verschwimmt. Zwei Argentinier stellen sich in der Schlange an. Ihr Blick und das Zucken ihrer Schultern verrät, dass sie nicht wissen, warum.

Die Geldautomaten müssen von Sicherheitsleuten geschützt werden, weil vielen Fans offenbar erst kurz vor dem Stadioneingang einfällt, dass sie womöglich Bargeld brauchen werden. Manche glauben, die Automaten seien eines der aufgebauten Sponsorenspiele, bleiben stehen und gucken.