WM 2014

Auch angetrieben durch die Italien-Niederlage und die Kritik an ihm, coachte Löw in Brasilien wie nie zuvor. Die Höhepunkte waren das 4:0 gegen Portugal und natürlich das 7:1 gegen den völlig entnervten Gastgeber. In diesem Jahr passte alles, die Mannschaft hatte aber auch das nötige Glück, etwa in den Spielen gegen Ghana, Algerien in den ersten 20 Minuten und vor allem gegen Frankreich. Das sagte Löw sogar selbst. Im Finale war Argentinien etwa gleich gut, doch Löws Joker Mario Götze stach. Löws Entscheidungen, mit vier reinen Verteidigern zu spielen, Per Mertesacker rauszunehmen und Philipp Lahm in die Abwehr zu stellen, gingen auf. Löw bewies seine taktische Flexibilität, verweigerte sich radikalem Gegenpressing, der damaligen deutschen Mode, und setzte nicht mehr wie vier Jahre zuvor auf Konter, sondern auf Ballbesitz. Seine Elf schoss 18 Tore, traf auch nach Standards, was in erster Linie dem Co-Trainer Hansi Flick zugesprochen wurde, der dann den DFB verließ, nun aber wieder gehandelt wird. Vor allem aber wurde Löw der erste Weltmeistertrainer Deutschlands seit rund einem Vierteljahrhundert.

EM 2016

Löw wollte in Frankreich eine Ära initiieren, wie die Spanier mit ihren drei Titeln 2008 bis 2012. Daraus wurde nichts. Der Sieg im Elfmeterschießen gegen die Italiener, die sich für die WM in Russland nicht qualifizierten, war der emotionale Höhepunkt aus Sicht der Deutschen. Doch gegen die drei echten Gegner, Frankreich, Polen und eben Italien, gelang ihnen kein Sieg. Auch traf sie nur durchschnittliche sieben Mal ins Tor. Die Halbfinalniederlage gegen Frankreich (0:2) schien zwar unglücklich, weil Deutschland länger und öfter den Ball hatte, aber es war eine Scheinüberlegenheit. Bei diesem Turnier gab es keine überragende Mannschaft, doch Löws Mannschaft nutzte nicht die Gunst der Stunde zum ersten deutschen EM-Titel seit 1996.

Confederations Cup 2017

Das junge Team zeigte in Russland Engagement, auch Löw wirkte frischer. Das Turnier hat aber sportlich eine geringe Bedeutung, auch weil kein deutscher Spieler überragte. Der Turniersieg sollte sich ein Jahr später eher als Last erweisen, auch weil der die Favoritenrolle Deutschlands stärkte, vielleicht auch aus Selbstbewusstsein Hybris machte. Und weil Löw es nicht schaffte, die Confed-Sieger und die Weltmeister zu einen. Seine oft gepriesene Gelassenheit schlug in Russland in Lethargie um.

WM 2018

Der DFB wollte in Russland seinen Titel verteidigen, doch die deutsche Elf wurde Tabellenletzter in einer relativ leichten Gruppe. Sie spielte langsam und ideenlos, es gab taktische Defizite in allen Mannschaftsteilen. Was es nicht gab: Teamgeist und Hingabe. Mannschaft, Verband und nicht zuletzt der Trainer hinterließen einen überheblichen Eindruck. Nur zwei Tore in drei Spielen gelangen der Mannschaft, darunter ein Freistoß in der 95. Minute. Löws oft gepriesene Gelassenheit schlug in Russland in Lethargie um.

Fazit

Löw übernahm unter Klinsmann den deutschen Fußball an einem Tiefpunkt und erreichte von 2006 bis 2016 in sechs Versuchen (die Klinsmann-WM mitgerechnet) sechsmal das Halbfinale. Keine andere Nation hat das geschafft. Zwei von sechs gewann er: das historische 7:1 gegen Brasilien und 2008 gegen die B-Elf der Türkei. In zwei Endspielen siegte er ein Mal. Der vierte deutsche WM-Titel war sein Höhepunkt. Zudem gelang ihm jede Qualifikation mühelos, und zwischen 2010 und 2014 spielte die Mannschaft auch in Freundschaftsspielen so souverän und schön, dass zu Recht Vergleiche zu den goldenen Siebzigern gezogen wurden.

Aber es gab scho au ein paar Niederlagen vor Russland. Und ein Turniersieg bei sieben Teilnahmen – das liest sich schon weniger spektakulär. Vor allem weil Löw zu einem günstigen Zeitpunkt Nationaltrainer wurde. Er profitierte davon, dass die Nachwuchsreform des DFB aus dem Jahr 2000 langsam Früchte trug.

Der Trend ist auch nicht Löws Freund. 2018 mag ein historischer Ausrutscher gewesen sein, doch schon bei der EM 2016 schoss Deutschland weniger Tore. Was sich auf jeden Fall feststellen lässt: Rio war das Ende eines Wegs und nicht der Beginn einer deutschen Epoche.

WM-Grafik : Jogi Löw – einmal Weltmeister und zurück

Spielstärke der deutschen Nationalmannschaft von 1950 bis heute