Der deutsche Nationalspieler Mesut Özil erhält Unterstützung vom Vorstandschef des FC Bayern: Karl-Heinz Rummenigge nimmt den Fußballer nach seinen Fotos mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan und nach dem WM-Vorrundenaus der deutschen Nationalmannschaft in Schutz. "Es ist offensichtlich nicht gut gehandhabt worden, aber ich glaube, Mesut Özil als exklusiven Sündenbock darzustellen, sorry, das finde ich für weit überzogen", sagte Rummenigge.

Der 62-Jährige hält es nach eigenen Angaben mit Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet. Nach dem Aus in der WM-Vorrunde hatte der CDU-Politiker zu den Äußerungen von Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff und DFB-Präsident Reinhard Grindel gesagt: "Auf die Idee, dass ein Foto mit Erdoğan an der Niederlage gegen den Fußballgiganten Südkorea Schuld sein soll, können auch nur DFB-Funktionäre nach drei Wochen Nachdenken kommen."

Özil und sein Teamkollege İlkay Gündoğan hatten sich bei einem Termin im Mai mit dem türkischen Staatschef Erdoğan fotografieren lassen. Gündoğan hatte sich noch vor der WM zu dem umstrittenen Treffen geäußert, Özil sagte dazu nichts. Grindel und Bierhoff waren in die Kritik geraten, weil sie mit Interviewaussagen den Eindruck erweckt hatten, Özil sei durch sein Verhalten für das frühe WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft mitverantwortlich. 

DFB sei von Amateuren durchsetzt

Auch Liverpool-Trainer Jürgen Klopp hatte die Fußballer verteidigt: "Das ist doch völliger Quatsch. Die intelligenten Menschen dieses Landes fordern Toleranz. Und die anderen sollten am besten mal den Mund halten und die Jungs nicht infrage stellen."

Rummenigge kritisierte den DFB zudem für seine Fehleranalyse. "Mir fehlt da ein bisschen im Moment einfach die klare professionelle Handhabung der Krisenbewältigung. Es wundert mich allerdings auch nicht, weil der DFB ist eigentlich nur noch durchsetzt von Amateuren. Das haben sie ja gestern auch wieder gezeigt, indem sie die ganzen Landesfürsten dort eingeladen haben und dann eben offensichtlich mit viel Valium die erstmal beruhigt haben. Das ist aber nicht der Ansatz, der ihnen helfen wird beim DFB.", sagte Rummenigge. Er spricht von einer Krise des Deutschen Fußball-Bundes: Er sei nicht überzeugt, dass am Ende des Tages die richtigen Lösungsansätze gefunden würden mit "diesen Leuten". "Ich bin da ein Stück zumindest irritiert, mit welchem Engagement man versucht, im Moment diese Dinge zu lösen." 

Trotz des Ausscheidens der deutschen Fußballnationalmannschaft in der Vorrunde stärkt Bayerns Vorstandschef Bundestrainer Joachim Löw den Rücken. "Man sollte Jogi Löw die Chance geben, er hat zwölf Jahre lang einen überragenden Job gemacht", sagte Rummenigge. Einem solchen Mann sei man ein Stück weit zur Dankbarkeit verpflichtet.