Kroatien – England 2:1 nach Verlängerung

0:1 Trippier (5.)
1:1 Perišić (68.)
2:1 Mandžukić (109.)

Wie lief das Spiel?

Zunächst: In diesem Text werden keine Brexit-Witze vorkommen, versprochen. 

Okay, aber was für ein Spiel war das nun?

Das erste Spiel dieser WM, das in der Verlängerung entschieden wurde. Entsprechend dramatisch ging es zu. An diesem Abend gehörte der entscheidende Moment einem alten Bekannten aus der Bundesliga: Mario Mandžukić machte das entscheidende Tor. Jener Mandžukić, der mal beim FC Bayern und VfL Wolfsburg spielte, was viele wissen. Und der Anfang der Neunziger während des Bosnien-Krieges als Flüchtlingskind nach Deutschland kam und vier Jahre lang im schwäbischen Ditzingen Fußball spielte, was viele nicht wissen. Als seine Aufenthaltsgenehmigung abgelaufen war, musste Mandžukić zurück nach Kroatien, wurde dort Profi, dabei hätte Deutschland nicht nur bei dieser WM einen Stürmer wie ihn gut gebrauchen können, aber lassen wir das ...

Sah es lange nach einem Sieg Kroatiens aus?

Eigentlich nicht. England ging ganz, ganz früh in Führung, als Kieran Trippier einen Freistoß über die Mauer ins Netz streichelte. Eine Szene, die man sich ebenso gern und oft anschaute wie die folgenden Massenjubelbilder aus England. Dort scheint der neueste Schrei zu sein, bei Toren sein Bier zu verschütten. Bei den Bierpreisen vor Ort lässt sich kaum ausdenken, welche Vermögen da in die Luft fliegen. Anschließend, als auch alle Witze, die den Namen des Torschützen mit wiederaufkommenden Geschlechtskrankheiten in Verbindung brachten, gemacht waren, kontrollierte England das Spiel. Es agierte ruhig und besonnen und es brauchte schon viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass am Ende die Kroaten jubeln würden. Harry Kane, der beste Torjäger des Turniers, hätte das 2:0 machen müssen, vergab aber eine Doppelchance. Die wurde zwar im Nachhinein wegen Abseits abgepfiffen, aber zu Unrecht. Der Videoschiedsrichter hätte einen Treffer wohl gegeben.

Was ist dann passiert?

Nach der Pause übernahm Kroatien. Und wenn Kroatien übernimmt, heißt das immer, dass Luka Modrić übernimmt. Der Spielmacher von Real Madrid ist der wohl beste Spieler des Turniers, ist auch auf dem Weg zum Weltfußballer, weil er einfach alles richtig macht. Er hat Auge, Gefühl für den Raum und kann sich nebenbei noch richtig reinwerfen, kann eine ganze Mannschaft mitreißen, obwohl man das diesem kleinen, zart gebauten Mann zunächst kaum zutraut. Unter seiner Führung wurde Kroatien besser. In der 68. Minute hielt Ivan Perišić sein Bein in die Höhe, um eine Flanke volley ins englische Tor zu bugsieren. Das Spiel war gekippt, Kroatien drängte nun auf die Entscheidung in der regulären Spielzeit, Perišić traf noch einmal den Pfosten. England konnte sich gerade so in die Verlängerung retten.