Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat sich in der Debatte um Mesut Özil hinter den ehemaligen Spielmacher der deutschen Fußballnationalmannschaft gestellt. "Einen jungen Mann, der alles für die deutsche Nationalmannschaft gegeben hat, wegen seines religiösen Glaubens so rassistisch zu behandeln, ist inakzeptabel", sagte Erdoğan zu Journalisten im türkischen Parlament.

Er habe am Montagabend mit Özil gesprochen: "Ich habe ihn gestern angerufen. Sein Verhalten ist patriotisch", sagte der Staatschef laut der regierungskritischen Zeitung Cumhuriyet. Das Vorgehen des Spielers verdiene jede Art von Bewunderung. Die Kritiker des Fußballers könnten das gemeinsame Foto Özils mit ihm nicht verdauen.

Özil hatte am Sonntag seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft verkündet und dies mit einem Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit begründet. Özil und sein Nationalmannschaftskollege Ilkay Gündoğan hatten sich kurz vor der Präsidentschaftswahl in der Türkei mit Erdoğan getroffen und ihm Trikots ihrer jeweiligen Vereinsmannschaft überreicht. Dies war unter anderem als Wahlkampfhilfe für Erdoğan kritisiert worden, dem Missachtung von Menschenrechten und Pressefreiheit vorgeworfen wird. Özil verteidigte das Foto als Respektbezeugung gegenüber dem Amt des Präsidenten des Landes seiner Vorfahren.

Umfrage sieht Mehrheit für Grindel-Rücktritt

Im Fokus der Kritik am DFB steht vor allem Vereinspräsident Reinhard Grindel. Laut einer Umfrage des Nachrichtenportals t-online.de ist die Mehrheit der Deutschen für einen Rücktritt von DFB-Präsident Reinhard Grindel. Auf die Frage, ob der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes nach der Affäre um den ehemaligen Nationalspieler Mesut Özil zurücktreten soll, antworteten 49,7 Prozent der 5.569 Befragten mit "Ja, auf jeden Fall" oder "Eher ja". 36,6 Prozent sind dagegen und beantworteten die Frage mit "Eher nein" oder "Nein, auf keinen Fall". 13,7 Prozent der Befragten gaben an, in dieser Frage unentschieden zu sein.

Rückendeckung für Grindel kam aus den Landesverbänden. Der Präsident des Berliner Verbandes, Bernd Schultz, stützte den angeschlagenen DFB-Präsidenten: "Reinhard Grindel hat nach wie vor mein volles Vertrauen". Er habe von ihm "keine rassistischen Äußerungen feststellen können". Auch der Hamburger Verbandspräsident Dirk Fischer und Hans-Ludwig Meyer, Präsident des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes, wiesen die Rassismus-Vorwürfe entschieden zurück.