32 Mannschaften treten bei der Fußballweltmeisterschaft an. Für jede hat eine Redakteurin oder ein Autor von ZEIT ONLINE oder DIE ZEIT die Patenschaft übernommen. Unsere WM-Paten begleiten ihr Team durchs Turnier und schreiben persönliche Spielberichte.

Schweden – Schweiz 1:0

Das war nix, gar nix, und irgendwie, das gebe ich gerne zu, war da auch bei mir nix nach diesen 93 Minuten in St. Petersburg. 0 zu 1 hatten die Schweizer gegen die Schweden verloren, und ich setzte mich wieder an den Computer: Ich musste die aktuelle ZEIT-Ausgabe fertig produzieren. War mir ganz recht.

Was war nicht alles geschrieben worden in den vergangenen Tagen über diese Schweizer Mannschaft. Historisches könne sie schaffen, als erste Nati seit 1954 das Viertelfinale erreichen. Bei der WM 2014 und der EM 2016 war sie jeweils nahe dran. Einmal scheiterte sie in der Verlängerung an Argentinien, das andere mal an Polen im Elfmeterschießen. Beide Male fieberte ich mit und litt mit ihr; okay, nicht ganz so wild wie mein Vorgänger als Nati-Pate während der WM 2014 bei ZEIT ONLINE. Der hatte sich, als Blerim Džemaili in Brasilien den Ball in der 122. Minute an den Torpfosten setzte, in einem Hamburger Lokal derart heftig aufgeregt, dass er sich ernsthaft verletzte.

Kein Goalgetter, kein Knipser

Apropos Džemaili. Auch an diesem Dienstagnachmittag hatte er die –  war es die einzige? – Schweizer Großchance. Aber Džemaili ist kein Goalgetter, kein Knipser. Er schoss drüber. Da war nix. Und da war auch nix bei den beiden Stars des Teams: Bei Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka. Mit kühlen Köpfen und heißen Herzen sollten sie Großes vollbringen. So schrieb es die hiesige Presse. Aber in St. Petersburg waren im Schweizer Team auch die Herzen unterkühlt. Es fehlte der Esprit, die Grinta, ja, dieser Furor, der die Mannschaft im packenden Match gegen Serbien zum Sieg führte. Man werde Xhaka provozieren, bis er vom Platz fliegt, drohten die Schweden vor der Partie. Nun, nicht einmal dazu kam es in diesem zähen Spiel.

Der blöde, blöde Pfosten

Die Schweden, das wurden die Schweizer im Vorfeld nicht müde zu betonen, seien kein großes Team. Die seien schlagbar. Mehr als das: Die müsse man schlagen, denn Fussballspielen, das könne die Nati viel besser. Blöd nur, dass schließlich das zählt, was auf dem Platz passiert. Und da stand eine gut organisierte und willige schwedische Mannschaft. Ohne Fantasie, aber konsequent. Ihr gegenüber ein Team, das viel und gut von sich spricht, aber halt doch nie liefert, was es verspricht.

In Brasilien war es der Pfosten, der blöde, blöde Pfosten, der zwischen ihr und dem historischen Coup stand. In Frankeich bei der Europameisterschaft war es der Elfmeterfluch, der die Schweizer verfolgt. Und in St. Petersburg? Da war nix.

Immerhin: Die ZEIT-Ausgabe wurde fertig. Ich gönn mir jetzt ein Bier.