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Eike Kühl

Les jeux sont faits, das Spiel ist aus. Frankreich schlägt Kroatien 4:2 im WM-Finale und ist somit zum zweiten Mal, zwanzig Jahre nach der WM im eigenen Land, Fußballweltmeister. Das klingt vom Ergebnis zwar deutlich, aber der Spielverlauf erinnerte teilweise an ein Boulevardtheater aus Paris. Ein bisschen absurd, ein bisschen unflätig und ja, durchaus auch unterhaltsam, jedenfalls bis zur 60. Minute.

Die Kroaten, die zum ersten Mal in einem WM-Finale standen und sich so tapfer durch drei Verlängerungen gekämpft hatten, kamen besser in die Partie und dominierten die ersten Minuten. Scheinbar wollten sie diesmal nicht wie in den vergangenen Spielen zunächst in Rückstand geraten, um den Spielstand später wieder dramatisch zu drehen. Umso überraschender fiel dann auch die Führung für Frankreich durch ein Eigentor von Mario Mandžukić, dem ein fragwürdiger Freistoß voranging.

Für den verdienten Ausgleich zehn Minuten später sorgte Ivan Perišić, der wiederum zehn Minuten später im eigenen Strafraum den Ball unglücklich beim Hochspringen an die Hand bekam. Schiedsrichter Néstor Pitana guckte sich auf Hinweis des Videoreferees die Szene drei-, vier-, siebenmal an und entschied dann auf Strafstoß, den Antoine Griezmann sicher verwandelte. Viel bizarrer konnte eine erste Halbzeit eines WM-Finales nicht sein: Frankreich machte aus einem Torschuss zwei Tore und profitierte von zwei wenn schon nicht falschen, dann zumindest strittigen Entscheidungen. Kroatien hatte in der ersten Halbzeit mehr Ballbesitz, gewann mehr Zweikämpfe und brachte mehr Pässe an den Mann – und lag doch zurück.

Nach dem Seitenwechsel ging es ähnlich weiter: Kroatien machte Druck, konnte sich aber keine wirklich klaren Chancen herausspielen. Stattdessen reagierten die Franzosen mit der Coolness eines kommenden Weltmeisters: Zwischen der 59. und 65. Minute sorgten Paul Pogba und Kylian Mbappé mit zwei Toren für das 4:1. Wohl auch, weil Kroatiens Torwart Danijel Subašić irgendwie Blei in den Schuhen zu haben schien. Scheinbar aus Mitleid ließ sich dann auch noch sein Gegenüber Hugo Lloris nach einem Rückpass den Ball vom Fuß nehmen wie die Butter vom Baguette – Mandžukić verkürzte zum 2:4.

In den letzten 20 Minuten tat Frankreich dann das, was es bei dieser WM vielleicht am besten konnte: Die Führung verwalten und erstmals schien auch Luka Modrić, der unermüdliche Antreiber, der beste Spieler des Turniers, nicht mehr an die Wende zu glauben. Das torreichste WM-Finale seit über 50 Jahren schlich sich seinem Ende zu, und am Ende jubelte vielleicht nicht die an diesem Abend bessere, aber die während des Turniers clevere, abgekochtere und vielleicht auch individuell beste Mannschaft. Für Kroatien bleibt immerhin das beste Ergebnis seiner Geschichte. Und selbst wir deutschen Fußballfans können uns freuen: Wir sind jetzt schließlich Weltmeisternachbar.

Auf ZEIT ONLINE lesen Sie in Kürze eine Kurzanalyse zum Spiel und eine ausführliche Zusammenfassung unserer Reporter aus dem Stadion in Moskau. Somit geht der letzte Liveblog dieser Fußball-WM zu Ende. Wir werden dann in vier Jahren wieder dabei sein, wenn Frankreich wie alle Weltmeister der vergangenen Jahre in der Vorrunde ausscheidet. Merci und au revoir!

Lukas Brems
Egal ob sie es heute mit Kroatien oder Frankreich gehalten haben, gehen Sie jetzt am besten einfach mal nach draußen und genießen Sie diesen warmen Sommerabend. Denn beim nächsten WM-Finale können Sie nach Abpfiff die vierte Kerze auf ihrem Adventskranz anzünden.
Sebastian Stier

Luka Modrić wird als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet und man fragt sich, was bei der Fifa los ist? Das zuletzt Sachen mit rechten Dingen zugingen, muss zu Zeiten Pelé's gewesen sein.

Lukas Brems
Mbappé wird als bester Nachwuchsspieler ausgezeichnet. Das ist hochverdient und unumstritten. Ein Satz, den man bei dieser WM eher selten sagen konnte.
Sebastian Stier
Philipp Lahm bringt den Pokal und man fragt sich, wie diese WM wohl für Deutschland verlaufen wäre, wenn er noch mitgespielt hätte. Also ohne Vorbereitung und nach einem Jahr Pause.
Sebastian Stier
Warten auf die Siegerehrung. Die Vorbereitungen ziehen sich länger als eine Schauspieleinlage von Neymar.
Sebastian Stier
Vida, dieser Rowdy von einem Innenverteidiger, sitzt auf dem Rasen. Eine Kroatienfahne hat er über die Schultern gehängt und man fragt sich, wer trauriger in der Gegend rumhängt. Vida oder die Fahne. 
Lukas Brems
Abpfiff: Die französische Mannschaft feiert vor den eigenen Fans mit dem Huh-Klatschen, das die Isländer vor zwei Jahren berühmt gemacht haben. Frankreich jubelt ähnlich uninspiriert, wie sie über weite Strecken bei dieser WM auch gespielt haben. Aber c´est la vie...
Fabian Scheler
Abpfiff: Kroatien wird sich ärgern, über den Schiedsrichter und über die fünf Minuten in der zweiten Halbzeit, in denen sie nicht aufgepasst haben. Da wurde das Spiel entschieden. Die Fans honorieren das hier auch mit Standing Ovations. 
Sebastian Stier
Frankreich feiert. Adil Rami nimmt Olivier Giroud huckepack. Rami ist mit Pamela Anderson liiert, die nachher auch zum Bankett kommen soll. David Hasselhoff hat es dagegen nicht mehr rechtzeitig geschafft.