Am Freitag beginnt die Bundesliga-Saison und mit ihr die Zeit der virtuellen Managerspiele. Beim "Kicker", dem bekanntesten, machen 100.000 Leute in den Varianten "Interactive" und "Classic" mit. Auch "Comunio" ist sehr beliebt. Die Spiele unterscheiden sich in den Regeldetails, doch die grundlegende Idee ist immer dieselbe und sehr einfach: Vor dem 1. Spieltag stellt man sich aus Spielern aller 18 Mannschaften einen Kader zusammen, der die meisten Punkte holt. Die gibt‘s für Tore, Assists oder gute "Kicker"-Noten, Abzüge etwa für Rote Karten. Man hofft, dass ein Unbekannter groß rauskommt und die Stars einschlagen. Man muss gut kalkulieren und haushalten, denn im "Kicker" hat jeder Spieler einen fiktiven Marktwert. Der teuerste ist Robert Lewandowski (8,5 Millionen Euro), er ist auch der wertvollste Spieler. Wer ihn "kauft", weiß, was man von ihm erwarten darf: wahrscheinlich 25 bis 30 Tore. Doch der Meister ist der, der Spieler aufnimmt, die überraschend einschlagen. Welche werden es in dieser Saison sein, welche sind über-, welche unterbewertet? Wir haben ein paar Experten gefragt, die seit Jahren im Scouting und im Transfergeschäft tätig sind und sich auf dem Markt der Talente bestens auskennen.

Auf einen Spieler, den die Öffentlichkeit noch kaum kennt, weisen alle hin: Matheus Cunha, den neuen Leipziger Stürmer aus Brasilien. Der trickreiche 19-Jährige wird Tore schießen, vielleicht sogar viele. Im Kicker-Spiel kostet er nur 2 Millionen Euro, das ist vergleichsweise wenig. RB hat nach Einschätzung unserer Experten generell gut eingekauft. Marcelo Saracchi, der neue linke Verteidiger, kommt aus der Abwehrschule Uruguays. Er passt gut zum physischen Spiel der Leipziger, zudem kann er Tore vorbereiten, sogar schießen. Das bringt Punkte. Bedenken muss der virtuelle Manager freilich, dass Ralf Rangnick wegen der Zusatzbelastung durch den Europapokal viel rotieren wird. Heißt: Es ist nicht klar, dass bei ihm immer die Besten spielen.

Als Schnäppchen könnten sich auch andere erweisen, etwa Joelinton, der Hoffenheimer Stürmer, der am Pokal-Wochenende in Kaiserslautern drei Tore schoss. Er dürfte oft zum Einsatz kommen, weil andere Stürmer den Verein verlassen haben. Unter Julian Nagelsmann schießt die TSG verlässlich viele Tore und 1,4 Millionen ist ein Einstiegspreis. Mit Spannung wird auch der neue Leverkusener Paulinho erwartet, er ist gerade erst 18 geworden. Daher ist es nicht klar, ob er sich in der ersten Saison durchsetzt. Aber sein Talent ist längst sichtbar und in Leverkusen werden Brasilianer traditionell gut integriert. 2,5 Millionen Euro ist sein Preis. "So billig wird man ihn in Zukunft nicht mehr bekommen", sagt einer der Insider.

Ist auch der Dortmunder Jadon Sancho ein Blue Chip? Seine Veranlagung ist unstrittig, doch wie gut er in dieser Saison performen wird, lässt sich offenbar schwer sagen. Heißt: Vielleicht stagniert er, womöglich macht er langsame Fortschritte. Aber es gibt auch eine gewisse Chance, dass er voll einschlägt. Nur auf solche jungen und ungewissen Typen sollte man nicht setzen, der kluge Manager streut sein Risiko. Insgesamt ist Sancho jedoch eine reizvolle Ergänzung fürs konservative Portfolio.

Oder wird ein deutscher Nobody in dieser Saison zum Star aufsteigen? Es gibt zumindest einige sehr junge Profis mit Perspektive. Als Erstes nennen alle Arne Maier, 19, das große Mittelfeldtalent von Hertha, der Stammspieler werden dürfte. Skeptischer sind sie bei Cedric Teuchert, dem U21-Nationalstürmer, der seit der Winterpause in Schalke spielt. Sein Dribbling finden sie stark, aber Schalke hat einige gute erfahrene Stürmer, die vor ihm in der Hierarchie stehen.