Kommendes Wochenende beginnt wieder die Bundesliga. Dann spielen wieder Profivereine, die jeder kennt, in Städten, in denen jeder schon einmal war (außer in Sinsheim, herrje!), in Stadien, die jeder schon tausendmal im Fernsehen gesehen hat. Das einzige Abenteuer ist die Frage, von welchem Sponsor denn in diesem Jahr die Halbzeitunterhaltung präsentiert wird. Nicht so im DFB-Pokal, der an diesem Wochenende beginnt. Dort herrscht noch purste Fußballromantik, zumindest wenn man geschickt die reizendsten Orte des Wochenendes abfährt. Wir haben eine kleine Tour zusammengestellt.

Freitag

Los geht es am Freitagabend in Unterfranken. In Schweinfurt, der selbsternannten Welthauptstadt der Kugellager, empfängt der heimische Viertligist den FC Schalke 04. Die Schweinfurter ruft man deshalb, kein Scherz, Kugellagerstädter oder einfacher: "Schnüdel". Die Stadt ist bekannt für Fleisch, wer sich an einer Schweinfurter Schlachtschüssel labt, verzehrt quasi ein komplettes, genau: Schwein. Dass der Ausflug nach Schweinfurt aber nicht nur ein lukullisches Vergnügen wird, sondern auch eine Geschichtsstunde (wir nehmen unseren unausgesprochenen Bildungsauftrag natürlich ernst!), liegt an Ernst Sachs und seinem Sohn Willy. Ohne Ernst lägen wir alle viel öfter auf der Nase, er erdachte nämlich einst die Freilaufnarbe mit Rücktritt am Fahrrad. Willy dagegen wurde weniger wegen seiner Geistesblitze, sondern als Mitglied der SS und NSDAP und als Fan von Nazigrößen wie Himmler, Göring und Heydrich bekannt. Zudem war Willy (der Vater von Gunter Sachs) auch Mäzen des 1. FC Schweinfurt 05, dem er 1936 das Willy-Sachs-Stadion stiftete, das noch heute so heißt. Eine Initiative, die das Stadion umbenennen wollte, hatte keinen Erfolg. 2011 weigerte sich der israelische Meister Maccabi Haifa, ein Freundschaftsspiel in diesem Stadion auszutragen, es wurde auf einen Nebenplatz verlegt. Das 15.000-Mann-Stadion, in dem es nur 860 Sitzplätze gibt, ist also fast so etwas wie ein Freiluftmuseum. Es steht sogar unter Denkmalschutz. Bitte also nur flüsternd anfeuern.

Samstag

Weiter geht es nach Drochtersen, etwa 45 Kilometer nordwestlich von Hamburg. Eigentlich ein Herbstreiseziel. Mit der Rast der Wildgänse im Oktober steigen hier nämlich die sogenannten Wildganstage. Ein Muss, nicht nur für Vogelfreunde. Nun aber gibt es auch ein fußballerisches Highlight, wie ein Banner an der Kirche St. Johannies und Katherinen verkündet: "Wir glauben an Wunder. Wir vertrauen auf Gott. Wir sind D/A." Der Viertligist SV Drochtersen/Assel hat das größte aller Lose gezogen, er empfängt um 15.30 Uhr den FC Bayern. 11.500 Menschen wohnen in Drochtersen, fast alle würden nun ins Stadion passen. Das fasst eigentlich nur 3.000 Fans, für das Spiel aber wurde mit Zusatztribünen die Kapazität auf 7.500 erweitert. Nach Hamburg umziehen, zum Beispiel ins größere Millerntor, wollten sie nicht, trotz weniger Einnahmen. Und es wird es sie auch bei diesem Spiel geben, die netten Geschichten der Hobbykicker gegen die Superstars. Der Gegenspieler von Franck Ribéry ist zum Beispiel Maurer. Auch ein Steuerberater spielt mit, vielleicht hat er ja ein paar Minuten Zeit für Uli Hoeneß.

Wer sich nach Schlusspfiff schnell ins Auto setzt und gen Osten fährt, schafft es noch rechtzeitig nach Rostock, ehe dort um 20.45 Uhr das Spiel gegen den VfB Stuttgart angepfiffen wird. Rostock ist für Fußballfans sicher nicht das exotischste Reiseziel, aber immerhin gibt es dort einen Sandstrand. Es soll ja wieder heiß werden und wo ließe es sich besser aushalten als in Rostock-Warnemünde, am breitesten Strand der Ostseeküste? Wenn mal wieder eine Fähre vorbeifährt, kann man sogar Wellenreiten. Die besten Fischbrötchen gibt es übrigens bei Backfisch-Tilo am Alten Strom. Rostock hat zudem auch den Stadtteil mit dem komischsten Namen aller Zeiten: Groß Klein. Fußballerisch gab es in Rostock, beim letzten Meister der DDR-Oberliga, schon mal bessere Zeiten. Doch zumindest der Gast hat was zu bieten: Stuttgarts Weltmeister Benjamin Pavard wird seinen ersten Pflichtspielaufritt nach der WM haben. Ein echter Weltmeister! Von denen wird man in deutschen Stadien in den kommenden Jahren nicht allzu viele sehen.