Die Fifa gibt Rätsel auf. Sie streicht die Korruption aus ihrem Ethikcode, ihrem 58-seitigen Strafenkatalog. Man weiß nun nicht, wie sie das meint und ob das eine gute oder eine schlechte Nachricht ist. Jedenfalls ist es eine und sei es nur, weil es überraschend ist, dass der Fußballweltverband Korruption überhaupt je als unstatthaft erachtete.

Möglicherweise sieht er das nun anders. Und es ist für ihn jetzt okay, wenn man Geldkoffer verteilt respektive annimmt, im Gegenzug für Fernsehrechte, Wählerstimmen und WM-Tickets. Das würde manchem Präsidenten aus Südamerika oder der Karibik das Leben sicher erleichtern, denn die stete Gefahr, frühmorgens aus Luxushotels von übereifrigen Behörden abgeführt zu werden, nervt natürlich genug. Da will man sich nicht auch noch von der eigenen Familie maßregeln lassen.

Oder teilt uns die Fifa auf diesem Weg mit, dass sie die Korruption offiziell aus der Welt geschafft hat – und nun einfach die Löschtaste drückt? Falls das so ist, worauf dürfen wir hoffen, was vernichtet sie bald noch: Hunger, Krieg, umstrittene Handelfmeter, das Linksstehen auf Rolltreppen?

Oder hat man in Zürich den Kampf bloß aufgegeben, weil der alte Korruptionsparagraf wirksam war wie ein Alkoholverbot im Kölner Karneval? Verzichtet die Fifa deswegen darauf, ihren Mitgliedern das Schmieren verbieten zu wollen, weil sie einsieht, dass das sinnlos ist? Man kann dem Wind das Blasen nicht untersagen, der Sonne nicht das Scheinen. Den Dackeln kann man nicht das Schnüffeln und Winseln aberziehen, den Fußballbossen nicht das Handaufhalten.