An diesem Freitag beginnt die Bundesligasaison. Das Eröffnungsspiel bestreitet traditionell der Deutsche Meister zu Hause, zum sechsten Mal hintereinander also der FC Bayern. Zumindest am 1. Spieltag ist der Ausgang erfreulich ungewiss, denn der Gegner ist die TSG Hoffenheim, und ihr Trainer, Julian Nagelsmann, hat gegen Bayern öfter gewonnen als verloren. Doch wie lange wird die Spannung in der Bundesliga dauern? Bei ihren sechs Titelgewinnen hatten die Bayern immer mindestens zehn Punkte Vorsprung, selbst 2015, als fast die Hälfte ihrer Mannschaft verletzt ausfiel. Vor zwei Jahren konnte Leipzig eine Hinrunde lang mithalten, im Vorjahr schien Dortmund wieder da zu sein, doch nach einer Siegesserie zu Beginn fiel die Borussia ins Mittelmaß. Der FC Bayern musste nicht mal überragen, entließ sogar seinen Trainer Carlo Ancelotti – und hatte dennoch über 20 Punkte mehr als der Zweite Schalke. Eigentlich hatte die Liga gar keinen Zweiten, eigentlich war sie keine Liga mehr, also eine Gruppe von etwa gleich Starken.

Wie groß ist die Chance, dass sie in diesem Jahr wieder eine wird? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass es ein Meisterrennen gibt, das diesen Namen verdient und nicht schon im April entschieden wird? Gibt es sogar eine realistische Chance, dass der deutsche Fußballfan mal wieder einen anderen Meister als Bayern erlebt? Wir haben mal durchkalkuliert:

Bayern München

Die Bayern haben noch immer den besten Kader Deutschlands und die größte Erfahrung auf Spitzenniveau. Doch zählen sie nicht mehr, wie von 2012 bis 2016 durchgehend, zu den drei besten Mannschaften der Welt. Deswegen können andere deutsche Vereine gegen sie gewinnen. Das wird diese Saison vermutlich öfter passieren als zuletzt. Selbst Drochtersen/Assel war im Pokal nicht chancenlos. Im Schnitt verloren sie in den sechs Meisterjahren weniger als dreimal pro Saison. Darunter waren einige Niederlagen, bei denen sie bereits als Meister feststanden.

Die Indizien des Sinkflugs waren bereits in der Vorsaison nicht zu übersehen. Es gab einige sehr knappe Siege. Das Saisonende missriet völlig, mit einem als peinlich empfundenen 1:4 im letzten Heimspiel gegen Stuttgart und einem verlorenen Pokalfinale gegen Frankfurt. Die WM war für die Bayern-Profis auch kein Stimmungsaufheller, ihre Weltklasse haben sie dort gut versteckt. Bis auf Corentin Tolisso, der wurde als Ersatzspieler mit Frankreich Weltmeister.

In der Sommerpause hat sich Bayern zudem nicht wesentlich verstärkt und setzt immer noch auf die Stürmer im Vorruhestand, Arjen Robben und Franck Ribéry, der in dieser Saison 36 Jahre alt wird. Der neue Trainer Niko Kovač hat wenig vorzuweisen. Okay, einen Pokalsieg mit der Eintracht, aber sonst auch lediglich Platz elf und acht in der Bundesliga.

Es gibt auch andere Anzeichen, dass Bayern ein wenig schrumpft. Robert Lewandowski wollte zwischendurch weg aus München. Arturo Vidal verließ den Verein und sagte über seinen neuen (Barcelona), der sei eine "weit höhere Stufe als Bayern". Jérôme Boateng hält auch nicht mehr viel in München, und er will sich offenbar mehr auf seine publizistischen Aktivitäten konzentrieren. Während die Vereinsführung, die auch nicht mehr glücklich ist mit ihm, offenbar glaubt, sie könnte den besten deutschen Verteidiger einfach so ersetzen. Solche Geplänkel kennt man gar nicht mehr aus München, sondern eher aus Dortmund.

Wahrscheinlichkeit, dass Bayern Meister wird: 75 %
Wahrscheinlichkeit, dass die Bayern die Champions League gewinnen: 2,5 %

Bundesliga - »Auf den Abstiegskampf freue ich mich am meisten« Endlich geht es wieder los! Im Video spricht Kreisligatrainer Mike über die neue Bundesligasaison und gibt einen Tipp ab, wer der neue Bayern-Jäger wird.

FC Schalke 04

Unter Domenico Tedesco wurde Schalke zur Ergebnismaschine. In der Vorsaison entwickelte die Elf eine Siegermentalität. Allerdings deutet die Struktur ihres Spiels nicht darauf hin, dass da noch viel mehr kommt. Sagen wir, wie es ist: Da waren einige Glückssiege dabei, die sich nicht ohne Weiteres wiederholen lassen. Nun haben vier gute Fußballer, die schon als Jugendliche im Verein waren, ihn verlassen: Leon Goretzka, Max Meyer, Thilo Kehrer und Benedikt Höwedes. Das ist keine gute, wenn auch keine neue Entwicklung in Schalke. Es ist nicht klar, dass die Neuen die Alten ersetzen können.

Wahrscheinlichkeit, dass Schalke Meister wird: 4 %
Wahrscheinlichkeit, dass Schalke weniger gewinnt als im Vorjahr: 60 %

TSG Hoffenheim

Hoffenheim musste wieder wichtige Spieler ziehen lassen, Mark Uth und Serge Gnabry diesmal. Andere sind zurzeit verletzt. Doch Julian Nagelsmann geht selbstbewusst in seine letzte Sinsheimsaison, vermutlich nicht zu Unrecht. Die Vorsaison hielt Enttäuschungen parat, aber man muss sie sich genauer anschauen: Ein sehr guter Start und ein sehr gutes Finish war unterbrochen von einer Schwächeperiode, die vielleicht auch der ersten Europapokalteilnahme geschuldet war. Da gab es einige Niederlagen gegen Vereine aus kleineren Ländern, das zehrte am Selbstbewusstsein des Trainers und der Mannschaft. Darauf sind sie diesmal womöglich besser vorbereitet. Möglich, dass dem TSG unter Nagelsmanns Führung ein Ausrutscher nach oben gelingt und sie 68 Punkte holt, vielleicht auch ein paar mehr.

Wahrscheinlichkeit, dass Hoffenheim Meister wird: 8,5 %
Wahrscheinlichkeit, dass Hoffenheim in der Vorrunde der Champions League rausfliegt: 55 %