Acht Wochen nach dem frühen Ausscheiden der Fußballnationalmannschaft bei der WM in Russland will sich Bundestrainer Joachim Löw an diesem Dienstag vor Vertretern der Bundesliga-Vereine erklären und seine Analyse des sportlichen Scheiterns vorlegen. Das Treffen findet auf Einladung von DFB-Präsident Reinhard Grindel und dem Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL), Reinhard Rauball, statt. Löw will dabei unter anderem erläutern, mit welchen sportlichen und strukturellen Veränderungen das Führungsteam die Nationalelf neu aufstellen möchte.

Insgesamt haben Löw und Teammanager Oliver Bierhoff drei Stunden Zeit, um den Führungskräften von fünf Clubs sowie Vertretern der sogenannten Kommission Fußball der DFL ihre Vorschläge zu präsentieren. Ihre Analyse soll die Basis für einen Neuanfang legen, bei dem der DFB auch auf die Unterstützung der obersten deutschen Profiliga angewiesen ist. Der Präsident des FC Bayern, Uli Hoeneß, hatte kürzlich "klare Zeichen" gefordert, um das Nationalteam bis zur EM 2020 "wieder in Schwung zu bringen". Auch DFB-Präsident Grindel mahnte "tiefgreifende Veränderungen" und eine klare Spielidee vom DFB-Chefcoach an.

Löw hatte dem DFB-Präsidium bereits Mitte Juli seine Erkenntnisse aus dem WM-Aus vorgelegt und von einem überholten Spielstil und fehlendem Erfolgshunger gesprochen. Am Freitag will er dem Spitzengremium des Verbandes zusammen mit Bierhoff im Detail Rede und Antwort stehen sowie konkrete Maßnahmen vorschlagen.

Die Nationalmannschaft soll beliebter werden

Löw und der DFB wollen nach eigenem Bekunden auch verlorene Sympathien der Fans zurückgewinnen. Löw hatte Mitte Juli versichert, er und seine Mannschaft wollten künftig so auftreten, "dass man unseren Spielern die Freude, den Spaß, die Leidenschaft, für Deutschland zu spielen, wieder anmerkt". Deshalb sollen die Reformmaßnahmen auch der Öffentlichkeit präsentiert werden: auf einer Pressekonferenz am übernächsten Mittwoch, gleichzeitig zur Bekanntgabe des Kaders für den Auftakt der Nations League am 6. September in München gegen Weltmeister Frankreich und am 9. September für das Testspiel in Sinsheim gegen Peru.

Dann wird sich auch zeigen, auf welche Nationalspieler Löw künftig verzichten und welchen neuen Spielern er einen Platz schaffen will. Serge Gnabry (FC Bayern), Philipp Max (FC Augsburg), Thilo Kehrer (Paris Saint-German), Kai Havertz (Bayer Leverkusen) und Arne Maier (Hertha BSC) werden als mögliche neue Gesichter in Löws Aufgebot gehandelt. Genau wie Leroy Sané, der zwar bereits zwölf Mal im Nationaltrikot spielte, vom Bundestrainer aber – für viele Experten aus nicht nachvollziehbaren Gründen – für das Turnier in Russland nicht berücksichtigt worden war.

Mit Blick auf die bisherigen Verlautbarungen – Manuel Neuer, İlkay Gündoğan, Sami Khedira und zuletzt Toni Kroos erklärten ihren Verbleib im Nationalteam – gehen viele Beobachter inzwischen aber davon aus, dass es personell keine großen Umbrüche geben wird. Auch die Bayern-Profis Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng wollen weiter für die Nationalmannschaft spielen. Spieler wie Timo Werner, Joshua Kimmich, Leon Goretzka oder Niklas Süle könnten künftig mehr Verantwortung bekommen. Bislang jedenfalls sind nur Mario Gómez – aus Altersgründen – und Mesut Özil zurückgetreten. Letzterer zog damit die Konsequenzen aus der Affäre um seine umstrittenen Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und erhob zugleich Rassismusvorwürfe gegen DFB-Präsident Grindel.