Yayla steht im türkischen für "grüne Almlandschaften". Die Krefelder hätten ihre Eishockeyhalle also auch einfach in Grüne-Almlandschaften-Arena umbenennen können. Im Ranking der bescheuertsten Stadionnamen der Region hätte man so mit den Nachbarn aus Duisburg (Schauinsland-Reisen-Arena) oder Düsseldorf (Merkur-Spiel-Arena) gleichziehen können. Hat man aber nicht, zum Unmut einiger. 

Seit Mittwoch ist bekannt: Die Duisburger Biermarke König Pilsener steigt nach über 15 Jahren aus dem Namenssponsoring der Mehrzweckarena aus, das seit 1979 in Krefeld sitzende Unternehmen für anatolische Spezialitäten Yayla (ausgesprochen: "Jeila") übernimmt. Für Konzerte von Bob Dylan oder die Erstliga-Eishockeyspiele der Pinguine gehen die Krefelder also künftig in die Yayla-Arena. 

Ein türkischer Name für eine Krefelder Sportstätte, das bringt so manchen Internetnutzer mächtig in Wallung. "Krefeld heißt dann bald Istanbul", "Herzlich Willkommen in Türkfeld" oder "Wie krank ist man hier in Krefeld, um so eine Partnerschaft einzugehen", lauteten einige der harmloseren Kommentare in den sozialen Netzwerken, nachdem die Meldung veröffentlicht worden war. Irgendwann sah sich der regionale Radiosender Welle Niederrhein genötigt, den "rassistischen und beleidigenden Kommentaren" unter dem eigenen Beitrag entgegenzutreten und besonders heftige Kommentare zu löschen. Darin war unter anderem von "Kanakentempel" oder "Ölaugenarena" zu lesen.

Zweifacher Eishockeymeister

"Wir als Medium werden gefragt, warum wir denn überhaupt einen Post dazu machen müssen – wir wüssten doch, was für Antworten kommen", heißt im darauffolgenden Beitrag des Lokalradios. Die digitalen Pöbler machen also den Verbreiter simpler, ja eigentlich sogar guter Nachrichten für geschmacklose, teils rassistische, vor allem aber respektlose Kommentare verantwortlich.

Nun muss man über Krefeld nicht allzu viel wissen, aber doch so viel: Von insgesamt 233.000 Einwohnern haben 38.000 (16,3 Prozent) keine deutsche Staatsangehörigkeit, 7.700 (3,3 Prozent) sind Türken. Bei der Bundestagswahl wählten acht Prozent die AfD, die Arbeitslosenquote liegt bei 7,8 Prozent. All das sind für eine kleine Großstadt in Nordrhein-Westfalen eher niedrige Zahlen. Dennoch tauchten zuletzt in mehreren Stadtteilen Nazisymbole auf, die NPD lief am Rande eines Stadtfestes "Patrouille".  

Diese Entwicklungen sind nicht unbemerkt geblieben. "In der Stadt herrscht ein rauer Ton, vor allem beim Thema Ausländer", sagt Katharina Schneider-Bodien, die Pressesprecherin der Krefeld Pinguine. 

Die Pinguine sind das sportliche Aushängeschild der Stadt – zumindest solange die Fußballer vom KFC Uerdingen noch in der dritten Liga spielen. Doch anders als bei den von einem russischen Milliardär unterstützten Kickern herrscht beim zweifachen deutschen Eishockeymeister seit Jahren Sparzwang. Die letzten beiden Spielzeiten beschlossen die Pinguine auf dem letzten Tabellenplatz, die Play-offs erreichte man zuletzt 2015. Jetzt soll es langsam bergauf gehen – auch mithilfe des Premiumpartners Yayla, der vor drei Wochen als neuer Trikot- und Helmsponsor vorgestellt wurden.

"Solche Leute wollen wir nicht in der Halle haben"

"Wir haben unsere Vermarktung vor der neuen Saison komplett neu aufgestellt. Der Einstieg von Yayla ist ein erster großer Erfolg", sagt Schneider-Bodien. Zusätzlich gönnt sich das Unternehmen mit dem türkischen Namen eine Loge in der Arena und wirbt auf einer Bande. "Das wurde bei den Fans positiv aufgenommen, es war ein Zeichen, dass es endlich wieder nach vorn geht." 

Erst jetzt, bei der Verkündung des neuen Namens für die 8.000 Fans fassende, 2004 eröffnete Halle, waren die kritischen Stimmen plötzlich in der Überzahl. Manche als Meinung getarnte Pöbelei hat auch bei den Pinguinen für Kopfschütteln gesorgt – und für Gegenmaßnahmen. "Wir lesen und prüfen diese Kommentare. Wer unter seinem Klarnamen hetzt und Dauerkarteninhaber bei uns ist, dem kündigen wir, der bekommt sein Geld zurück. Solche Leute wollen wir nicht in der Halle haben", sagt Schneider-Bodien.