Was war der emotionale Höhepunkt?

Der letzte große Wettbewerb Robert Hartings. Dreimal Welt-, zweimal Europameister, einmal Olympiasieger. Der Cottbusser ist seit einem Jahrzehnt Deutschlands Leichathletikstar, doch eine Medaille kann man von dem Diskuswerfer kaum noch erwarten. Das Knie macht schon lange nicht mehr richtig mit. Dass er überhaupt den Endkampf erreichte und unter die letzten acht kam, war schon ein Erfolg. Doch zwischendurch schien mehr möglich, er lag auf Rang zwei. Dann überholten ihn vier Konkurrenten, den hochklassigen Wettkampf gewann der Litauer Andrius Gudžius, der mehr als vier Meter weiter warf als Harting. Der zeigte sich wehmütig, das Fernsehen zeigte seine schönsten Trikotzerreißer, und er bekam viel Applaus, doch die anderen deutschen Athleten taten ihm nicht den Gefallen, ihm die Bühne alleine zu überlassen.

Was war der sportliche Höhepunkt?

Aus deutscher Sicht der Zehnkampf. Die Königsdisziplin, sagen die einen. Das Fach für die Allrounder, die aber nichts richtig können, sagen die Spötter. Berlin erlebte den ältesten Europameister der Geschichte, den 32-jährige Arthur Abele vom SSV Ulm. Erstes EM-Gold für Deutschland, der Musterathlet war besonders gut mit dem Diskus, dem Speer und über den Hürden. So konnte er als Führender ins 1.500-Meter-Finale gehen, bei dem er als Siebter ins Ziel kam. Und damit als Gesamtsieger.

Diese irritierende Anmutung liegt daran, dass der Zehnkampf nicht, im Gegensatz zur Nordischen Kombination etwa, nach der Gundersen-Methode verfährt, bei der die Punkte in Startrückstände umgerechnet werden und am Ende der gewinnt, der als Erster ins Ziel kommt. Die ist attraktiver, zumindest aber einfacher zu verstehen. Eigentlich unverständlich, dass sich die Leichtathletik, die um Zuschauer buhlt, dieser Modernisierung entzieht.

Wo holten die Deutschen Medaillen?

Im Kugelstoßen der Frauen lag Christina Schwanitz bis zum letzten Versuch vorne. Dann übertrumpfte die Polin Paulina Guba mit 14 Zentimetern die Sächsin, die junge Mutter von Zwillingen ist. Silber gewann auch der Weitspringer Fabian Heinle vom VfB Stuttgart. Beachtliche 8,13 Meter hüpfte er. Doch es ist egal, wie weit du springst, da springt immer noch jemand weiter als du. In diesem Fall der Grieche Miltiádis Tentóglou.

Kopfschütteln verursachte die Weitenmessung. Beim vierten Versuch Heinles kamen die Richter zu einem augenscheinlich falschen Wert. Dem Protest der Deutschen wurde weit nach Wettkampfende stattgegeben, doch am Ergebnis änderte sich nichts. Es war nicht der einzige Fehler an diesem Abend. Da kommt jeder Grundschullehrer mit dem Maßband bei Bundesjugendspielen zu genaueren Ergebnissen. Und selbst der DFB kriegt das mit seinem Videobeweis fast besser hin.

Was geschah in Schottland bei den European Championships?

Das Mixed-Team Tina Punzel aus Dresden und Lou Massenberg aus Berlin siegte im Synchron-Mixed. Der Krauler Florian Wellbrock schlug zum zweiten Mal zur Medaille an. Über 800 Meter war es Bronze, es siegte Michailo Romantschuk aus der Ukraine. Und im Freiwasser erkämpfte sich die Augsburgerin Leonie Antonia Beck Silber. Nur die Holländerin Sharon van Rouwendaal war schneller. Geschwommen wurde im Loch Lomond, dem wohl schönsten und ganz sicher ungeheuerfreien See Schottlands.