Fußballnationalspieler Toni Kroos hat sich kritisch zu dem Rücktritt von Mesut Özil aus der Mannschaft geäußert. Das umstrittene Foto, das Özil und İlkay Gündoğan kurz vor der WM mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan gemacht hatten, sieht er aber nicht als Auslöser für das erstmalige Vorrunden-Aus bei einer Fußball Weltmeisterschaft: "Aus meiner Sicht wäre es peinlich, sich als Mannschaft hinter dieser – hauptsächlich öffentlich ausgetragenen – Debatte zu verstecken und dies mit als Grund für das Abschneiden zu nennen", sagte Kroos der Bild-Zeitung.

Özil sei "ein lieber Kerl" und hätte "einen besseren Abgang verdient gehabt". Die Art und Weise des Rücktritts sei aber "nicht in Ordnung" gewesen. Özil habe die Chance verstreichen lassen, sich zu dem Foto mit Erdoğan zu erklären. Darauf war Özil erst bei seinem Rücktritt im Juli eingegangen. 

"Der Anteil, der in seiner Erklärung gut und richtig angesprochen wird, wird leider durch den wesentlich höheren Anteil an Quatsch überschattet", sagte Kroos. "Ich denke, dass er selbst weiß, dass es Rassismus innerhalb der Nationalmannschaft und des DFB nicht gibt. Ganz im Gegenteil: Wir setzen uns ja immer wieder aus Überzeugung für Vielfalt und Integration ein. Mesut war dafür ein gutes Beispiel, wie viele andere unserer Mitspieler auch." 

Özil sei zu Recht für das einige Wochen vor dem WM-Beginn entstandene Erdoğan-Foto kritisiert worden. "Trotzdem wurde er von der sportlichen Leitung und im Mannschaftskreis absolut unterstützt", betonte Kroos. Die Art der Kritik an der Leistung bei der WM sei sicher nicht immer auf gutem Niveau gewesen. "Aber da muss man als Spieler dann durch."

Werner für Rückkehr von Özil

Zuvor hatte sich bereits der Leipziger Stürmer Timo Werner zum Rücktritt von Mesut Özil geäußert und sich für dessen Comeback in der deutschen Fußballnationalmannschaft ausgesprochen. "Ich finde es schade, dass es so endete. Er hat viel für Deutschland geleistet, beim WM-Titelgewinn in Brasilien war er Stammspieler. Man wünscht sich, dass sich beide Parteien nochmals zusammensetzen und nicht auf diese Weise auseinandergehen", sagte Werner der Sport Bild

Özils Rücktritt nach dem historischen Vorrunden-Aus bei der WM in Russland inklusive Rassismusvorwürfen gegen den Deutschen Fußball-Bund sorgt seit Wochen für Schlagzeilen. "Ich glaube auch, dass viele in der Mannschaft glücklich wären, wenn Mesut Özil sagen würde, ich mach's noch mal. Er ist ein Spieler, der den Unterschied ausmachen kann und ist im Team hoch angesehen", sagte Werner. Der 22-Jährige hatte in Russland seine erste WM gespielt.