Petar Šegrt ist ein Weltenbummler und Abenteurer. Nach Stationen als Co-Trainer beim MSV Duisburg, VfL Bochum oder Waldhof Mannheim zog es ihn erst nach Österreich und von dort in die weite Welt. Als Nationaltrainer von Georgien und Afghanistan lebte er dort bisweilen recht gefährlich. Nun hat er es sich zur Aufgabe gemacht, die Nationalelf der Malediven auf die Fußballkarte zu setzen.

ZEIT ONLINE: Herr Šegrt, die Malediven kennt man hierzulande nur als Urlaubsparadies. Wie gut ist der Fußball dort?

Petar Šegrt: Die Spieler sind technisch sehr stark und auch für europäische Verhältnisse extrem schnell. Die taktische Grundbildung fehlt allerdings nahezu komplett. Das sind größtenteils Straßen- oder besser Inselfußballer. Hier gibt es 30 bis 40 Spieler mit der nötigen Qualität. Was es noch auf all den vielen Atollen für unentdeckte Talente gibt, kann bisher niemand überschauen.

ZEIT ONLINE: Gleich in Ihrem zweiten Spiel gelang Ihnen ein 7:0-Sieg gegen Bhutan. Wie wurde der im Land aufgenommen?

Šegrt: Es war eine Erleichterung für alle. Die Nationalelf war bis dahin 288 Tage ohne Sieg. Nicht mal ein Unentschieden holte sie. Die Leute hatten einfach die Schnauze voll, immer zu verlieren. In den letzten sieben Jahren hatten zudem fast immer die gleichen Spieler gespielt. Das Stadion war leer. Die Euphorie war einfach weg. Die Malediver leben diesen Sport, sehen den großen Fußball aber nur im Fernsehen, während sie selbst fast jedes Spiel verlieren.

ZEIT ONLINE: Welches Potenzial schlummert in der Mannschaft?

Šegrt: Im September startet die Südasienmeisterschaft. Die Erwartungshaltung liegt bei null. Doch das Potenzial ist unfassbar groß. Ich behaupte, dass das Halbfinale oder gar das Finale drin ist. Wir haben noch nie gegen eine europäische Mannschaft gespielt. Das wäre ein Ziel für mich, um eine Richtung zu erkennen, wo wir im Vergleich zu diesen stehen. Ich denke da gar nicht an die großen Nationen. Aserbaidschan wäre als Gradmesser schon vollkommen ausreichend.

ZEIT ONLINE: Man sagt Ihnen nach, ein strenger Typ zu sein, vor dem der ein oder andere Spieler sogar Angst hat. Stimmt das?

Šegrt: Disziplin ist mir sehr wichtig. Angst haben soll aber keiner vor mir. Was ich allerdings einfordere, ist Respekt. Respekt ist die beste Basis im Fußball. Ich sehe mich persönlich eher in einer Art Vaterrolle.

ZEIT ONLINE: Wie macht sich diese Rolle deutlich?

Šegrt: Für meine Spieler gebe ich alles und helfe diesen, wenn es sein muss, sogar finanziell aus. Aber es gibt eine Verantwortung, die weit darüber hinaus geht. Ich war 2008 Trainer in Georgien, als der Krieg mit Russland begann. Der Präsident des Verbandes hat mir noch ein Flugticket in die Hand gedrückt, doch ich habe mich gegen die Ausreise entschieden. Ich wollte, dass meine Spieler in Sicherheit sind. Wir haben am Ende noch Geld zusammengelegt, um die U19 und die U17 außer Landes zu bringen.