DFB-Präsident Reinhard Grindel hat Fehler im Umgang mit Mesut Özil eingeräumt, einen eigenen Rücktritt aber ausgeschlossen. "Ich hätte mich angesichts der rassistischen Angriffe an der einen oder anderen Stelle deutlicher positionieren und vor Mesut Özil stellen müssen. Da hätte ich klare Worte finden sollen", sagte Grindel der Bild am Sonntag. Solche Angriffe seien völlig inakzeptabel. "Dass er sich da vom DFB im Stich gelassen fühlte, tut mir leid."

Özil hatte sich vor der WM in Russland mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan fotografieren lassen, was zu einer großen öffentlichen Debatte geführt hatte. Nach der WM war Özil aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Dabei erhob er Vorwürfe gegen den DFB, Grindel, deutsche Medien und einen DFB-Sponsor. Er verspüre das "Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit", schrieb Özil in den sozialen Netzwerken.

Grindel wies dies zurück. Ihm sei wichtig zu betonen, dass er sich "zu keinem Zeitpunkt" zu Özils sportlicher Leistung geäußert habe. "Für mich war immer klar, dass wir zusammen gewinnen und zusammen verlieren. Einen einzelnen Spieler für das Ausscheiden verantwortlich zu machen, wäre ja absurd."

Er hätte sich von dem Arsenal-Profi gewünscht, dass er sich wie sein Mitspieler İlkay Gündoğan "klar und nachvollziehbar" äußert. Gündoğan hatte sich zu dem Foto erklärt. "Das darf aber keinesfalls als Kritik an seiner sportlichen Leistung missverstanden werden. Ich hätte mir eine solche Erklärung auch gewünscht, wenn wir Weltmeister geworden wären", sagte Grindel in dem Interview.

An einen eigenen Rücktritt habe er nicht gedacht, sagte der DFB-Chef: "Ich habe sehr großen Rückhalt bei den Landesverbänden und in der Bundesliga." Auf die Frage, ob er bis mindestens zur nächsten Wahl DFB-Präsident bleibe, antwortete er: "Davon gehe ich fest aus."

"Die Mannschaft" soll es bald nicht mehr geben

Im Zuge der angemahnten Reformmaßnahmen kündigte Grindel an, dass der Begriff "Die Mannschaft" abgeschafft werden könnte. Dieser werde an der Basis "als sehr künstlich empfunden" und sollte "auf den Prüfstand" gestellt werden, sagte er. Mit mehr öffentlichen Trainingseinheiten oder niedrigeren Ticketpreisen werde der DFB eine größere Nähe zu den Fans erzeugen, kündigte der 56-Jährige an.

Der ebenfalls in die Kritik geratene Teammanager Oliver Bierhoff soll laut Grindel durch einen Leiter der neuen DFB-Akademie und einen Nachfolger von Horst Hrubesch als Sportdirektor entlastet werden. "Ansonsten muss er in den nächsten Monaten selbst überprüfen, ob er das alles leisten kann, das haben wir so auch verabredet", sagte Grindel über Bierhoff.